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Datenbrille gegen das große Vergessen

Wer die Datenbrille aufsetzt, kann sowohl seine reale Umgebung wie auch computergenerierte Welten sehen. Foto: Fraunhofer FEP Dresden
Datenbrillen können Virtuelle Welten (VR) vor unseren Augen entfalten oder die Realität computergestützt erweitern (AR-Technologie). Foto: Jürgen Lösel, Fraunhofer FEP Dresden

Demente reisen per VR in ihre Vergangenheit

Krefeld, 31. Juli 2017. Spiele-Experten und Mediziner wollen gemeinsam in Krefeld erproben, ob virtuelle Zeitreisen per Datenbrille dementen Senioren helfen können, sich an Vergangenes wieder besser zu erinnern. Im Herbst sollen die ersten Patienten im Helios-Cäcilien-Hospital Hüls solche eine Reise zurück in ihre Jugend unternehmen – ins „Krefeld im Wirtschaftswunder“.

Krefeld der Wirtschaftswunder-Zeit im Computer visualisiert

Für das gleichnamige Projekt hat die Agentur „Weltenweber“ die Kreuzung von Kreuzung von Rheinstraße und Ostwall in Krefeld anhand alter Fotos im Computer nachmodelliert – und zwar so, wie sie in den 1950er und 60er Jahren aussah. Die Organisation „Gaming-Aid“ steuerte die Datenbrillen bei. Diese Datenbrillen projizieren das Computermodell aus der Vergangenheit der Stadt vor die Augen von Dementen beziehungsweise Altzheimer-Patienten. Angereichert ist diese „Virtuelle Realität“ (VR) mit sogenannten „Erinnerungspunkten“. Sie sollen den Senioren helfen, sich ans „Damals“ zu erinnern.

Projektpate Lars Woltermann, die Weltenweber-Mitgründer Janos Wokrina, Beate Sucrow und Lukas Kuhlendahl sowie Geriatrie-Chefarzt Dr. Friedhelm Caspers, Pfleger Klaus Wagner von der „Memory-Station“ der Helios-Cäcilien-Hospital Hüls, Gaming-Aid-Chefin Svenja Bhatty und Helios- Standortleiter Christian Thiemann (von links nach rechts) wollen virtuelle Zeitreisen für Demente organisieren. Foto: Julia Dubois, Helios
Projektpate Lars Woltermann, die Weltenweber-Mitgründer Janos Wokrina, Beate Sucrow und Lukas Kuhlendahl sowie Geriatrie-Chefarzt Dr. Friedhelm Caspers, Pfleger Klaus Wagner von der „Memory-Station“ der Helios-Cäcilien-Hospital Hüls, Gaming-Aid-Chefin Svenja Bhatty und Helios- Standortleiter Christian Thiemann (von links nach rechts) wollen virtuelle Zeitreisen für Demente und Altzheimer-Patienten organisieren. Foto: Julia Dubois, Helios

Erinnern an „ihre“ Zeit

„Wir haben uns für dieses Projekt begeistert, weil wir hoffen, damit an Demenz Erkrankte zu unterstützen, sich vielleicht leichter an ,ihre Zeit’ erinnern zu können“, betonte Weltenweber-Projektmanager Lukas Kuhlendahl. „Ich finde es besonders toll, dass auch Menschen, die wahrscheinlich noch nie ein Videospiel gespielt haben, von einer für uns Gamer schon fast alltäglichen Technologie wie VR profitieren können“, unterstrich Svenja Bhatty, Vorstandsvorsitzende des Vereins „Gaming Aid“. „Da unser Aufgabenfeld normalerweise innerhalb der Games-Branche liegt, ist es umso schöner, wenn wir durch die Unterstützung eines Serious-Gaming-Projekts indirekt Menschen eine Freude machen können, die nicht zu unserer Zielgruppe gehören.“

Über Demenz und Altzheimer

Altzheimer ist die häufigste Variante der Demenz-Krankheiten: Etwa 60 % der Dementen haben „Morbus Altzheimer“. Betroffen sind vorwiegend Senioren. Diese krankhafte Hirnveränderung führt dazu, dass die Patienten zunächst ihr Kurzgedächtnis und dann auch ältere Erinnerungen verlieren. Mit fortschreitender Krankheit haben sie immer größere Probleme, sich zu orientieren und alltägliche Verrichtungen zu meistern. In Deutschland leben etwa 1,3 Millionen Demente, darunter etwa 700.000 Altzheimer-Kranke. hw

Zum Weiterlesen:

VR und AR – Was ist das?

VW gibt Datenbrillen an Mitarbeiter aus

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger

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