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Chinesen kaufen Sachsenwerk

Ein Sachenwerk-Mitarbeiter justiert einen Läufer in einem tonnenschweren Walzwerk-Motorgehäuse. Foto: Arno Burgi, VEM
Ein Sachsenwerk-Mitarbeiter justiert einen Läufer in einem tonnenschweren Walzwerk-Motorgehäuse. Foto: Arno Burgi, VEM

Investor will Personal und Marke übernehmen

Dresden, 14. April 2017. Ein chinesischer Investor hat das Sachsenwerk in Dresden und die gesamte VEM-Gruppe von der Unternehmerfamilie Merckle agekauft. Das teilte der ostdeutsche Elektromaschinenhersteller zu Ostern mit. Über die Identität des Käufers und über den Kaufpreis machte das Unternehmen allerdings noch keine Angaben.

„Strategisches Interesse am Erhalt der Marke VEM“

„Für uns ist es ein gutes Gefühl zu wissen, dass der chinesische Familieninvestor ein großes strategisches Interesse am Erhalt der Marke VEM hat“, betonten die VEM-Geschäftsführer Torsten Kuntze und Falk Lehmann in einer gemeinsamen Stellungnahme. „Von der Ernsthaftigkeit dieser Absicht und der Kompetenz des Investors konnten wir uns bei Gesprächen und Betriebsbesichtigungen vor Ort überzeugen.“

VEM-Manager hoffen auf Eintrittskarte in chinesischen Markt

Durch die Übernahme erhoffe sich VEM einen besseren „Zugang zum chinesischen Markt“ und „einen stabileren Absatz der Erzeugnisse“. Für die Belegschaften werde der Eigentümerwechsel keine Veränderungen bringen, versprechen die Geschäftsführer. Weitere Details wolle man erst verraten, „wenn der Verkauf von allen zuständigen Stellen genehmigt und damit unter Dach und Fach ist“.

VEM-Gruppe auf E-Motoren und Generatoren spezialisiert

Die Chinesen wollen demnach alle VEM-Standorte im In- und Ausland inklusive Personal und Markenrechte übernehmen. Derzeit beschäftigt die VEM-Gruppe rund 1500 Mitarbeiter und damit rund 500 weniger als noch vor vier Jahren. Die deutschen Hauptstadtorte sind neben dem Sachsenwerk in Dresden weitere Betriebe in Wernigerode und Zwickau. Spezialisiert ist das Unternehmen auf elektrische Antriebssysteme, Elektromotoren und Generatoren für Schiffe, Bahnen, Walzwerke sowie Wind- und Wasserkraftwerke.

Auch in der Londoner U-Bahn steckt Sachsenwerk drin. Abb.: Sachsenwerk
Auch in der Londoner U-Bahn steckt Sachsenwerk drin. Abb.: Sachsenwerk

Wurzeln reichen bis 1903 zurück

Das Sachsenwerk entstand 1903 und war zeitweise einer der größten Elektromaschinen-Hersteller im Deutschen Reich und später im gesamten Ostblock (RGW-Raum). Zu DDR-Zeiten beschäftigte das Sachsenwerk selbst rund 4800 Mitarbeiter, hinzu kamen Tausende Beschäftigte im VEB Kombinat Elektromaschinenbau, dessen Stammbetrieb das Sachsenwerk war.

Nach der Wende filetierte die Treuhandanstalt das Kombinat. 1997 übernahm der Unternehmer Adolf Merckle (1934-2009) aus Blaubeuren das Sachsenwerk Dresden und formte die ostdeutsche VEM-Holding, die zeitweise über 280 Millionen Euro Umsatz realisierte.

Autor: Heiko Weckbrodt

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger

Ein Gedanke zu „Chinesen kaufen Sachsenwerk

  • Rolf Bürgi

    Tja… die Chinesen sind in Deutschland wieder einmal auf Einkaufstour: Flugzeugteile, Funktechnologie, Maschinen – so kaufen Chinesen Know-how in Sachsen auf. Andererseits gab es bislang keine chinesische Investitionen in sächsische Infrastruktur. Das muss doch zu denken geben!

    LG, Rolf Bürgi

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