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Physiker fordern Reform des Physikunterrichts

In den Laboren der Wissenschaftler können die Besucher in Mikro- und Nanowelten eintauchen, die dem Auge sonst verborgten bleiben. Netzwerk "Dresden - Stadt der Wissenschaften"

Foto: Netzwerk „Dresden – Stadt der Wissenschaften“

„Weniger büffeln“: Abschied von Physik im Ganzen, Studie fordert mehr Praxisnähe

Bad Honnef, 31. Januar 2016. Der Physikunterricht an den deutschen Schulen sollte nach dem Vorbild Sachsens wieder ausgebaut werden. Allerdings müssen sich die Lehrer von der Idee verabschieden, Gymnasiasten die Physik in ihrer ganzen Breite lehren zu können. Vielmehr soll sich der Unterricht in Zukunft auf die Grundkonzepte der Physik und ihre grundsätzlichen Methoden konzentrieren und viel praxisnäher werden. Das schlägt die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) aus Bad Honnef in ihrer neuen Studie „Physik in der Schule“ vor.

Forscher ärgern sich: Viele Promis kokettieren mit ihren schlechten Physik-Noten

Die Physiker sehen nämlich ein ganz grundsätzliches Nachwuchsproblem wachsen: „Es besteht ein breiter gesellschaftlicher Konsens, dass Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (die sog. MINT-Fächer) für die Prosperität unserer hoch technisierten Gesellschaft in einem rohstoffarmen Land von entscheidender Bedeutung sind“, argumentieren die Autoren der DPG-Studie. Aber: „Immer wieder muss man auch heute noch erleben, dass maßgebliche Persönlichkeiten aus Kultur und öffentlichem Leben mit Aussagen wie ,in Mathematik und Physik war ich in der Schule immer schlecht’ kokettieren …. Dazu passt es durchaus, dass das Schulfach Physik zu den unbeliebtesten Fächern in der Schule überhaupt gehört. Dass dieser höchst bedauerliche Befund mit dem von der deutschen Wirtschaft massiv beklagten Mangel an naturwissenschaftlich-technischen Fachkräften und entsprechendem Nachwuchs korreliert, scheint plausibel.“

Vorbild Sachsen

Laut Studie haben die meisten Bundesländer in den vergangenen Jahren das Unterrichtsvolumen für Physik immer weiter reduziert, diese schrumpfende Zeitbudget aber viel zu sehr vollgestopft. Sachsen gehöre da zu den wenigen „Best Practice“-Beispielen für ein sinnvolles Zeitbudget an Physik in der Gymnasialstufen. Ganz konkret fordern die Forscher: mindestens zehn Wochenstunden Physik in der Sekundarstufe I und Physik als nicht abwählbaren Pflichtkurs auch in der Sekundarstufe II – da allerdings nur mit mindestens vier Wochenstunden.

„Lehrpläne dramatisch reduzieren“

Doch auch dann sei die Stofffülle der Physik immer noch zu gewaltig. Daher gelte es, die Lehrpläne „dramatisch“ zu reduzieren. „Wir müssen uns von der Idee verabschieden, man könne in der Schule ein vollständiges Bild der Physik vermitteln“, betonte Ingolf Hertel, einer der Koordinatoren der Studie.

Wissensanhäufung im Digitalzeitalter wenig nützlich

Die Schüler sollten vielmehr primär lernen, physikalische Probleme zu lösen. Dabei soll nicht mehr die reine Wissensvermittlung im Mittelpunkt stehen, denn Wissens-Anhäufung verliere im digitalen Zeitalter ohnehin ihre Berechtigung. Dafür soll sich der Unterricht darauf konzentrieren, das Verständnis der Schüler für physikalische Zusammenhänge zu wecken. Damit Physik nicht abschrecke, sollten die Lehrer im Physikunterricht die Mathematik „so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich einsetzen“. Konzentrieren solle sich der Unterricht auf das Verständnis für vier Basiskonzepte: Materie, Energie, Kräfte und Schwingungen.

 

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