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Chinesen rauchen Dorfhainer Pfeifen

Pfeiferauchen ist für Uwe Jopp Genuss, keinesfalls eine Sucht. Foto: Peter Weckbrodt

Pfeiferauchen ist für Uwe Jopp Genuss, keinesfalls eine Sucht. Foto: Peter Weckbrodt

Der sächsische Tabakspfeifen-Macher Uwe Jopp fertigt seine Unikate in Handarbeit und verkauft sie in alle Welt

Dorfhain, 11. Januar 2016. Ein Chinese, mit der Tabakspfeife im Mund? Das ist für uns schwer vorstellbar. Noch dazu, wenn es sich bei dem edlen Stück um ein handwerklich gefertigtes Stück aus der 1200- Seelen-Gemeinde Dorfhain bei Dresden, auf der anderen Hälfte des Erdballs gelegen, handelt. Und doch setzt der sächsische Pfeifenmacher Uwe Jopp einen bedeutenden Anteil seiner schmucken Pfeifen über einen Pekinger Händler im Reich der Mitte ab. Ja, er pflege auch Geschäftsbeziehungen mit deutschen Händlern, zum Beispiel in Essen, Köln und Koblenz, betont Uwe Jopp, der bis vor etwa zehn Jahren noch als Bauingenieur tätig war. Auch in Schweden, der Schweiz in Frankreich und in den USA verkaufen Händler seine Pfeifen. In Ostdeutschland habe er dagegen keinen einzigen Abnehmer, da fehle schlicht die Nachfrage.

Kaum noch Pfeifenfreunde in Ostdeutschland

Tatsächlich waren auch in Sachsen, Thüringen und den anderen ostdeutschen Bundesländern bis in die Nachkriegszeit Tabakspfeifen sprichwörtlich noch in aller Herren Munde. Es war ein alltägliches Bild. Aber spätestens in DDR-Zeiten, weshalb auch immer (weder Walter noch Erich haben dagegen polemisiert), kam für die gute alte Tabakspfeife der Siechtod. Eine Renaissance zeichnet sich nicht derzeit nicht ab. Pfeiferauchen ist eben nicht mehr „in“.

Auch sehr ungewöhnliche Pfeifenformen finden sich im Programm. Foto: Jopp

Auch sehr ungewöhnliche Pfeifenformen finden sich im Programm. Foto: Jopp

Jeder Pfeife ist ein Einzelstück

Im Netz kann aber der Interessierte alles über die Joppschen Produkte erfahren. Das ist schon rein optisch eine hübsche Kollektion. Nein, eine Serienfertigung kenne er nicht, betont der studierte Bauingenieur. Keine zwei Pfeifen, der er macht, seien gleich: Durch die wechselnden Holzstrukturen bedingt, gebe es nie zwei völlig identische Stücke. Insgesamt 90 Arbeitsschritte brauche er, bis eine Pfeife seiner kritischen Prüfung stand halte. Dann verpasse er ihr bis zu fünf Diamanten als Qualitätszertifikat.

Mit diesen aus Italien gelieferten Rohlingen aus Wurzelholz beginnt die Pfeifenproduktion. Foto: Peter Weckbrodt

Mit diesen aus Italien gelieferten Rohlingen aus Wurzelholz beginnt die Pfeifenproduktion. Foto: Peter Weckbrodt

Wie entsteht eine Tabak-Pfeife?

Ausgangspunkt für die Pfeifenfertigung sind als Briar bezeichnete hölzerne Rohlinge. Diese bezieht Jopp aus dem Mittelmeerraum. Rund ums Mittelmeer wachse ein in Deutschland unbekanntes Dornengewächs, die Buschheide. Die Buschheide bildet 20 bis 30 Zentimeter starke Wurzelknollen aus. Die südeuropäischen Bauern  schaffen sich ein Zusatzeinkommen, indem sie solche Knollen aufspüren und ausgraben. In darauf spezialisierten Sägewerken werden die Knollen zu passgerechten Rohlingen geschnitten. Für einen Pfeifenrohling bezahle er zwischen 13 und 30 Euro. Zunächst wird vorgezeichnet, dann beginnt das Drehen, Drechseln, Sägen und Schleifen in der kleinen Werkstatt, die er in seiner Garage eingerichtet hat. Es sind Spezialmaschinen, die er einsetzt. Den gewünschten Farbton erzielt er durch abschließendes Beizen. Das Mundstück wird nicht aus Holz, sondern aus Ebonit-Kautschuk hergestellt. Der wird in Stangenform geliefert und kann ähnlich wie Holz bearbeitet werden.

Hier erhalten die Pfeifen-Rohlinge ihren richtigen Schliff. Foto: Peter Weckbrodt

Hier erhalten die Pfeifen-Rohlinge ihren richtigen Schliff. Foto: Peter Weckbrodt

Pfeifenmacher treffen sich einmal im Jahr in den USA

Jährlich einmal treffen sich die weltweit tätigen Pfeifenmacher zu einem mehrtägigen Erfahrungsaustausch in Chicago. Das sei für ihn jedes Mal ein ganz großes Erlebnis, betont Jopp. Sein nächstes geschäftliches Ziel: Er will Kontakte zu einem in Mailand ansässigen Pfeifenhändler knüpfen, um auch in Norditalien die Unikate aus Sachsen zu verkaufen. Das wäre für ihn ein Riesenerfolg.

Autor: Peter Weckbrodt

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[caption id="attachment_67607" align="alignleft" width="117"]Peter Weckbrodt. Foto: IW Peter Weckbrodt. Foto: IW[/caption]Peter Weckbrodt hat ursprünglich Verkehrswissenschaften studiert, wohnt in Dresden und ist seit dem Rentenantritt journalistisch als freier Mitarbeiter für den Oiger und die Dresdner Neuesten Nachrichten tätig.

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