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Dresdner CERN-Physiker laden zum Weltantwort-Fest ein

Künstlerische Visualisierung des Higgsfeldes, das das Universum durchziehtr und den Dingen überhaupt erst masse verleiht, sie "anfassbar" macht. Visualisierung: Daniel Dominguez, CERN

Künstlerische Visualisierung des Higgsfeldes, das das Universum durchziehtr und den Dingen überhaupt erst Masse verleiht, sie „anfassbar“ macht. Visualisierung: Daniel Dominguez, CERN

Im „Science Café“ warten die Forscher auf Fragende

Dresden, 22. September 2014: Wer schon immer wissen wollte, was die Welt im Innersten zusammenhält, könnte es Anfang Oktober erfahren: Dann nämlich hat das europäische Kernforschungszentrum CERN seinen 60. „Geburtstag“ und die Physikergemeinde feiert „CERN60“ auch in Dresden, in der Sächsischen Landes- und Uni-Bibliothek (SLUB) am Zelleschen Weg. Neben der Ausstellung „Weltmaschine“, Führungen, Vorträgen und einer Filmpremiere ist auch ein „Science Café“ geplant. In der SLUB-Cafeteria werden Wissenschaftler am 11. Oktober herumlungern und den Besuchern bei einem Tässchen Kaffee oder Espresso die großen Fragen nach dem Sinn des Lebens, dem Universum und dem ganzen Rest zu beantworten versuchen. „Wir probieren dieses Format zum ersten Mal aus“, berichtet die Dresdner „CERN60“-Organisatorin Dr. Uta Bilow vom TU- Institut für Kern- und Teilchenphysik (IKTP). „Unsere Forscher sind schon ganz aufgeregt.“

Weltantwortmaschine im Zentrum

CERN-General Rolf Heuer. Foto: Maximilien Brice, CERN, CC4-Lizenz

CERN-General Rolf Heuer. Foto: Maximilien Brice, CERN, CC4-Lizenz

Im Zentrum der „CERN60“-Festwoche vom 6. bis 12. Oktober steht vor allem der ganze Stolz der europäischen Wissenschaftsgemeinde, der weltgrößte Teilchenbeschleuniger „LHC“. Diese „Weltantwortmaschine“ hatte erst kürzlich nachgewiesen, dass mit dem „Higgs-Boson“ tatsächlich ein Teilchen im Universum existiert, das allen Dingen erst Masse verleiht. Die Ausstellung „Weltmaschine“ im SLUB-Foyer wird dieses riesige unterirdische Forschungsgerät unter der französisch-schweizerischen Grenze vorstellen: anhand von Fotos, Animations-Stationen, einem Higgs-Experiment und einer Nebelkammer, in der die Besucher live den Einschlag kosmischer Strahlung beobachten können. Am 7. Oktober will TU-Physiker Dr. Frank Siegert in einem populärwissenschaftlichen öffentlichen Abendvortrag über „60 Jahre Teilchenphysik-Forschung am CERN“ sprechen. Am 9. Oktober ist erstmals in einer deutschen Synchro-Fassung der Dokumentarfilm „Teilchen-Fieber“ über die Higgs-Jagd zu sehen. Im Anschluss beantwortet CERN-Generaldirektor Prof. Rolf Heuer Fragen aus dem Publikum.

Dresdner ringen mit dem ATLAS

Das 25 Meter hohe „Atlas“-Aggregat für die Higgs-Suche. Abb.: CERN

Das 25 Meter hohe „Atlas“-Aggregat für die Higgs-Suche. Abb.: CERN

Dass der oberste CERNer für die Festwoche ausgerechnet an die Elbe kommt, hat gute Gründe: Dresdner Wissenschaftler und Ingenieure leisten nämlich wichtige Beiträge für die Forschung und Popularisierung des Kernforschungszentrums. IKTP-Direktor Prof. Michael Kobel zum Beispiel forscht an einem der größten Detektoren der Weltantwortmaschine, dem hochhausgroßen unterirdischen „ATLAS“. Zudem leitet er das deutschlandweite „Netzwerk Teilchenwelt“, in dem besonders begabte Jugendliche an die CERN-Forschungen herangeführt werden.

Sein Institutskollege Arno Straessner hat eine der dortigen Flüssig-Argon-Anlagen mitentwickelt, die geladene Teilchen aufspürt. Und seit Kurzem arbeitet eine TU-Nachwuchsgruppe an Simulations-Computerprogrammen für Teilchen-Kollisionen, die Theorie und Messbefunde vergleichen.

 

Animationsvideo über die Higgs-Suche (CERN):

„Die letzten Geheimnisse der Materie“

Die starke Resonanz von Forschern wie Öffentlichkeit auf die Arbeit des CERN und vor allem der Weltantwortmaschine erklärt sich Dr. Bilow mit einem Urinstinkt der Menschen: Neugier. „Wir alle wollen doch alle der Materie ihre letzten Geheimnisse entlocken und unsere Welt wahrhaft verstehen.“

Autor: Heiko Weckbrodt

 

Aus dem Programm:
Blick durch die noch geöffneten Riesenmagnet-Tore des „Alice“-Aggregats. Im Innern werden schon bald Bleiatome mit Fast-Lichtgeschwindigkeit aufeinanderprallen und eine „Ursuppe“ kochen: Ein „Quark-Gluon-Plasma“ wie zu Zeiten des Urknalls. Heutzutage treten Quarks und Gluon-Kraftteilchen – außer in Neutronensternen – nur noch vereinigt auf, in der Ursuppe hingegen koexistierten sie. Alice ist 16 Meter hoch und 26 Meter lang.

„Alice“-Aggregat am LHC. Abb.: CERN

Ausstellung „Weltmaschine“, 6.10. – 12.10. | Mo-Sa 8-24 Uhr | So 10-18 Uhr

Führungen: Mo 17 Uhr | Di-Fr 9 + 17 Uhr | Sa 15 Uhr

Englischsprachige Führung: Mi 17 Uhr

Öffentlicher Abendvortrag: Di, 7.10., 19 Uhr: Dr. Frank Siegert, TU Dresden: 60 Jahre Teilchenphysik-Forschung am CERN

Kinoabend: Do, 9.10., 18 Uhr: Particle Fever – Die Jagd nach dem Higgs (Deutsche Erstvorführung) Prof. Rolf Heuer, Generaldirektor des CERN, und am CERN forschende Teilchenphysiker aus Dresden beantworten im Anschluss Fragen aus dem Publikum.

Science Café“ in der SLUB-Cafeteria, Sa, 11.10., 16 Uhr: Teilchenphysiker aus Dresden im direkten Dialog mit der Öffentlichkeit. Bei Getränken und Snacks können alle ihre Fragen und Ansichten loswerden.

-> Alle Veranstaltungen finden in der SLUB statt, der Eintritt ist frei. Mehr Infos hier im Netz

2 Kommentare

  1. Franziska sagt

    Manch anderer schämt sich beim Lesen Deines Komentars dafür, dass Du ein Physikdiplom hast. Ist in den fünf Jahren Studium denn nicht mal ein Funke Begeisterung für Grundlagenforschung hängengeblieben?

  2. Friedrich Heß sagt

    Wie man so stolz darauf sein kann, ein Teilchen gefunden zu haben, das den Zerfall der Welt bestätigen würde, das ist schon krank. So unterschlägt man, dass es eben nicht nur Masse sondern auch Vernichtung erklärt. Eine echte Mondschande, ich schäme mich für mein Physikdiplom.

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