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Entvölkerung Ostdeutschlands abgebremst

Studenten im Hörsaalzentrum der TU Dresden. Foto: TUD

Auch die attraktiven Studienbedinungen bescheren Sachsen ein Wanderungsplaus – hier ein Blick in das Hörsaalzentrum der TU Dresden. Foto: TUD

Ifo Dresden: Sachsen hat sogar Zuwanderungsgewinne

Dresden, 19. Dezember 2013: Weil weniger Babys geboren wird, die Gesellschaft überaltert und vor allem viele Junge in den Westen und ins Ausland abgewandert sind, haben sich die Neuen Bundesländer seit der politischen Wende spürbar entvölkert. Seit 1988 ist die Bevölkerungszahl im Gebiet der ehemaligen DDR um fast ein Fünftel auf rund 14 Millionen Menschen gesunken. In der Folge ist auch die öffentliche Infrastruktur kaum noch zu halten: Krankenhäuser, Schulen, Kitas, Bäder und viele andere Einrichtungen müssen schließen. Allerdings hat das Wirtschaftsforschungsinstitut „ifo“ in Dresden nun auch hoffnungsvolle Zeichen ausgemacht: Demnach verlieren die Neuen Bundesländer per Saldo nur noch wenig Einwohner per Abwanderung an die alte Bundesrepublik, Sachsen verbucht – vor allem dank seiner attraktiven Studienmöglichkeiten – sogar Wanderungsgewinne. Und in einigen Großstädten wie Dresden und Leipzig steigen auch die Geburtenzahlen.

Vor allem Jüngere kehren Ostdeutschland weiter den Rücken

Jochaim Ragnitz. Abb.: ifo DD

Jochaim Ragnitz. Abb.: ifo DD

Zwar weisen die ostdeutschen Flächenländer in ihrer Gesamtheit nach wie vor negative Wanderungssalden auf, doch sind diese seit geraumer Zeit deutlich rückläufig“, betont ifo-Dresden-Vizedirektor Prof. Joachim Ragnitz in seiner Untersuchung „Wanderungen von und nach Ostdeutschland“. „Im Jahr 2011 – aktuellere Daten liegen derzeit noch nicht vor – belief sich der Wanderungsverlust der ostdeutschen Flächenländer noch rund auf 8800 Personen. Zehn Jahre zuvor wanderten hingegen per Saldo noch rund 70.800 Personen aus Ostdeutschland ab.“ Allerdings sei es bedenklich, „dass die neuen Länder mit Ausnahme Sachsens in den jüngeren Alterskohorten noch immer Wanderungsverluste aufweisen.“

Psychologischer Spiegel des Arbeitsmarktes

Die unterschiedlichen Wanderungssalden und Geburtenraten der ostdeutschen Länder dürften wohl vor allem ein psychologischer Spiegel der Wirtschafts- und Arbeitsmarkt-Situation sein: In Sachsen und Brandenburg, die beide teils Zuwanderungsgewinne verzeichnen, schauen die Menschen offensichtlich nun zuversichtlicher in die eigene Zukunft, Frauen holen ihre aufgeschobenen Kinderwünsche nach, Schul- und Studienabsolventen sehen jetzt bessere Ausbildungs- und Karrierechancen – wobei im Falle Brandenburgs die Nähe zu Arbeitsmarkt und Unis von Berlin eine Rolle spielt.

Attraktive Unis in Sachsen ziehen Studenten an

Für Sachsen, das als einziges ostdeutsches Land auch Zuwanderungsgewinne in der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen hat, sieht Prof. Ragnitz auch einen Standortvorteil durch die attraktiven Studienbedingungen in Dresden, Leipzig, Freiberg, Chemnitz und Illmenau, deren Unis und Hochschulen sich in jüngster Vergangenheit spürbar weiterentwickelt und die interessante Spezialisierungen aufgebaut haben. „Ein Vorteil, den andere Länder in dieser Form nicht aufweisen“, so Ragnitz. Allerdings bleibe abzuwarten, ob 2011 nicht nur ein Sonderjahr waren, da seinerzeit die Wehrpflicht ausgesetzt wurde und besonders viele Studenten in die Unis strömten. Autor: Heiko Weckbrodt

Wanderungssaldi der ostdeutschen Länder. Abb.: ifo Dresden

Wanderungssaldi der ostdeutschen Länder. Abb.: ifo Dresden

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