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Nazis und Rote streiten um die Tunnelwelt: „Metro Last Light“

Alles kaputt: Wer sich nach dem Atomkrieg auf die Oberfläche wagt, sieht ein zerstärtes Moskau - und sollte immer auf genug Ersatzfilter für die Schutzmaske achten. Abb.: Deeep Silver

Alles kaputt: Wer sich nach dem Atomkrieg auf die Oberfläche wagt, sieht ein zerstärtes Moskau – und sollte immer auf genug Ersatzfilter für die Schutzmaske achten. Abb.: Deeep Silver

Das Atomkriegskind Artjom setzt seine kriegerische Reise in den Metrotunneln unter dem postapokalyptischen Moskau fort: In „Metro Last Light“ gerät unser Held zwischen die Fronten unterirdischer Nazis und Kommunisten, die alle den mutmaßlich letzten „Schwarzen“ jagen. Jene Wesen also, von denen niemand so recht weiß, ob sie radioaktive mutanten oder Aliens sind, ob sie die Menschheit ausradieren oder sie retten wollen.

Optisch und erzählerisch macht die Fortsetzung von „Metro 2033“ schwer was her: Dialoge und Story haben die Qualität gehobener Science-Fiction-Literatur, da erwachen verzweifelte, gewitzte, grausame Menschen zum Leben und nicht nur Computerfiguren. Sehr schön gelungen ist auch die atmosphärisch dichte Inszenierung der Überlebenden-„Zivilisation“ in den U-Bahn-Schächten, in denen Nahrung, Energie und Patronen ständig knapp sind, in denen Militärs und Warlords verschiedener Couleur das Sagen haben, Zivilisten den meisten dieser Machthaber aber kaum mehr als Verfügungsmasse sind.

Werbevideo (Deep Silver):

Atmosphärisch dicht, gekonnte Story

Dass diese traumatisierte Unterwelt so bedrückend und atmosphärisch dicht wirkt, liegt zum Einen an den vielen kleinen Details und Geschichtchen, die die Macher eingebaut haben. Zum anderen aber auch an der grafiktechnischen Umsetzung: Ausleuchtung und künstliche Physiognomien sind sehr gelungen, vor allem aber die Plastizität, die raffinierten „Abgenutzt“-Effekte halbzerstörter Türen, U-Bahnen, Kontrollzentren und Trümmer dieser Nachkriegs-Kultur tragen stark zur klaustrophobischen Sogwirkung bei.

Galerie:

 

Spielerisch: so lala

Nicht ganz so gut gelungen ist allerdings die spielerische Umsetzung selbst: Da fehlt es etwas an Esprit, an Gefechtsdramaturgie, die einen Spitzen-Egoshooter ausmachen. Obwohl viele Missionen durchaus abwechselungsreich konzipiert sind, sich zum Beispiel Schleichansätze und Frontalangriff abwechseln, wirken andere Teile der Kampagne etwas schal und allzu sehr von anderen Genre-Vertretern bekannt.

Fazit:

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: „Metro Last Night“ zockt sich durchaus launig. Aber wirklich toll ist es eher in erzählerischer und grafischer Hinsicht, spielerisch erreicht es meines Erachtens nicht ganz so das Oberklasse-Niveau. Heiko Weckbrodt

“Metro Last Light” (4A Games/Deep Silver), Egoshooter, USK 18

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