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Planck-Forscher: Statistisch gesehen ist Westeuropa in 50 Jahren radioaktiv verseucht

Blick in einen Forschungsreaktor in Idaho - unten ist die Tscherenkow-Strahlung zu sehen. Abb.: US-Energieministerium, Wikipedia

Blick in einen Forschungsreaktor in Idaho - unten ist die Tscherenkow-Strahlung zu sehen. Abb.: US-Energieministerium, Wikipedia

Mainz, 23.5.2012: Laut einer neuen Studie des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz ist die Gefahr einen nuklearen GAUs durch Kernkraftwerke weit höher als bisher angenommen. Demnach ist – rein statistisch gesehen – Westeuropa in spätestens 50 Jahren flächendeckend radioaktiv kontaminiert – mit einer Strahlungsbelastung von mehr als 40 Kilobecquerel radioaktivem Cäsium-137 pro Quadratmeter.

Kernschmelze-Risiko 200 Mal höher als bisher angenommen

Für ihre Berechnungen werteten die Max-Planck-Forscher bisherige Kernschmelzen in Reaktoren wie in Tschernobyl und Fukushima aus und setzten solche Ereignisse in Relation zur geplanten Laufzeit des Kernkraftwerk-Bestandes weltweit. Die Ergebnisse zusammengefasst: In Westeuropa sei das GAU-Risiko besonders stark, weil hier die Reaktordichte – vor allem in Frankreich – überdurchschnittlich hoch sei. Im Schnitt sei alle zehn bis 20 Jahre eine Kernschmelze zu erwarten und damit etwa 200 Mal häufiger, als in früheren Berechnungen angenommen.

Berechnete Risiko-Verteilung einer Kernschmelze - in Westeuropa besonders hoch. Abb.: MPI-C

Berechnete Risiko-Verteilung einer Kernschmelze - in Westeuropa besonders hoch. Abb.: MPI-C

Dem könnte man allerdings entgegenhalten, dass die Kernreaktoren in Westeuropa als sicherer im Vergleich zu anderen Regionen gelten, die Gefahr größerer Erdbeben (wie im Falle Fukushima) hier recht niedrig ist und Kernreaktoren in Europa bereits seit Jahrzehnten in Betrieb sind und sich die berechnete Wahrscheinlichkeit bisher nicht bestätigt hat.

Planck-Forscher plädiert für Abschaltung französischer Meiler

Aufgrund seiner hohen Bevölkerungsdichte wären die Auswirkungen eines GAUs in Westeuropa allerdings auch sehr drastisch: „In Westeuropa wären bei einer einzigen Kernschmelze durchschnittlich 28 Millionen Menschen von einer Kontamination mit mehr als 40 Kilobecquerel pro Quadratmeter betroffen“, heißt es in der Zusammenfassung des Instituts. „Der Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergie verringert zwar das nationale Risiko einer radioaktiven Verseuchung“ kommentierte Instituts-Direktor Jos Lelieveld. „Deutlich geringer wäre die Gefährdung, wenn auch Deutschlands Nachbarn ihre Reaktoren abschalteten.“ Heiko Weckbrodt

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