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Wirtschaftskraft: Sachsen im Osten vorn, Solidarpakt-Booster aber schwächer als erwartbar

Die ostdeutschen Bundesländer im EU-Vergleich. Abb.: SMWA

Die ostdeutschen Bundesländer im EU-Vergleich. Abb.: SMWA

Dresden, 8.1.2012: An der Entwicklung der Wirtschaftskraft gemessen, hat sich die Wiedervereinigung für die ehemalige DDR und vor allem für Sachsen im Vergleich zu den osteuropäischen Nachbarn ausgezahlt – aber nicht so stark, wie man vielleicht denken mag. Das geht aus der heute in Dresden veröffentlichten Landesbroschüre „Standort Sachsen im Vergleich mit anderen Regionen 2011“ und Erhebungen der europäischen Statistikbehörde „Eurostat“ hervor.

Abb.: SMWA

Legt man demnach die Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt) pro Einwohner zu Grunde, hatte sich Ostdeutschland (ohne Berlin) bis zum Jahr 2008 (neue Vergleiche sind noch nicht berechnet) auf etwa 85 Prozent des EU-Durchschnitts vorgearbeitet. Sachsen liegt bei 86 Prozent und der Regierungsbezirk Dresden mit seiner Mikroelektronik-Industrie bei 87 Prozent. Damit liegt Ostdeutschland zwar deutlich vor Polen (56 Prozent), Ungarn (64 Prozent) oder gar dem Schlusslicht Bulgarien (44 Prozent). Zieht man zum Vergleich jedoch die CSSR heran, deren Wirtschaftskraft im RGW-Raum einst als mit der DDR vergleichbar galt, schrumpft der durch die deutsche Sonderentwicklung nach dem Zusammenbruch des Kommunismus erwartbare Vorsprung deutlich zusammen: Tschechien – das sich mit keinem finanzstarken und Solidarpakt-willigen „großen Bruder“ vereinigen konnte und wollte – kam im Erhebungsjahr 2008 auf 80 Prozent des EU-27-Durchschnitts, Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel aber auf gerade mal einen Prozentpunkt mehr, nämlich 81 Prozent.

Angesichts der milliardenschweren Transferleistungen, die Westdeutschland seit der politischen Wende nach Ostdeutschland gepumpt hat, kann man dieses Ergebnis wohl eher als enttäuschend sehen. Auch stellt sich die (hypothetische) Frage, ob ein eigener ostdeutscher Wirtschaftsweg nicht besser zu einem selbsttragenden Aufschwung geführt hätte: Immerhin hängt Ostdeutschland – anders als Tschechien – bis heute immer noch am Tropf des Solidarpaktes II und der läuft 2019 aus. Heiko Weckbrodt

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