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Drückende Enge: Asimovs „Stahlhöhlen“

Abb.: Heyne

In einer gar nicht so weit entfernten Zukunft: Die überbevölkerte Erde trägt acht Milliarden Menschen, die in stählernen, gegen die Außenwelt abgeschotteten Städten leben. Die Luft kommt aus Klimaanlagen, das rationierte Essen aus Hefefabriken. Nur wer beruflich aufsteigt, bekommt eine eigene, winzige Wohnung und muss nicht mehr in den großen Gemeinschaftsunterkünften leben. Die besonders aktiven, mobilen unter den Menschen sind vor der drückenden Enge der Stahlhöhlen in die nahen Sternensysteme umgesiedelt. Sie nennen sich „Spacer“ (Raumleute) und betreiben eine erbarmungslose Zuchtauswahl auf ihren Planeten, um die Massenkultur der Heimat zu überwinden.

Robot-Hasser und Robot als Team

Am Rande des Molochs New York haben die Spacer eine Botschaftsstadt auf der Erde errichtet. Da wird einer der ihren ermordet. Die Spacer verdächtigen die alten Erdlinge. Ein gemischt spacig-irdisches Duo soll die Tat aufklären: Der Roboter-Hasser  und Cop Elijah Baley bekommt den menschenänlichen Spacer-Roboter R. Daneel Olivaw als Partner. Bald verdächtigt Baley seinen neuen Partner des Mordes – doch eigentlich soll den verkappten Blechkameraden wegen ihrer unabänderlichen inneren Roboter-Gesetze (Du darfst nicht töten) solch eine Tat doch unmöglich sein, oder?!

Zentrales Thema: die Überbevölkerung

Isaac Asimov 1965. Abb.: US-Kongressbibliothek, Wikipedia

Der Biochemiker und Sci-Fi-Autor Isaac Asimov (*1920 in der SU, gestorb. 1992 in NY) schrieb seine „Stahlhöhlen“ (Original: „The  Caves of Steel“) 1954, als die Welt mit dem Kalten Krieg, mit dem Kampf der Wirtschaftsordnungen Marktwirtschaft versus Zentralverwaltungswirtschaft beschäftigt war, als das Problem einer drohenden Überbevölkerung, von Ressourcenverknappung noch in weiter Ferne zu liegen schien.

50 Jahre später haben wir Asimovs Weltbevölkerung bereits fast erreicht, im Jahr 2011 leben rund sieben Milliarden Menschen auf unserem Planeten. Die kaum erträgliche Enge seiner stählerenen Städte, das künstliche Essen, die Rationierungen sind uns (bisher) weitgehend erspart geblieben, die Welt hat sich nicht einer globalen Zentralverwaltungswirtschaft zugewandt. Doch das gilt eigentlich nur für den westlichen Zivilisationskreis: In vielen Entwicklungsländern sind Hungerkatastrophen zu einem Dauerphänomen geworden. Die Fragen, die Asimov aufgeworfen hat, sind insofern immer noch gültig.

Rolle der Computer drastisch unterschätzt

Zugleich zeigt sein Roman recht deutlich, wie leicht man sich mit technologischen Zukunftsprognosen verhauen kann, wie schnell Entwicklungen eine Kurve in eine andere Richtung nehmen : Von echter Künstlicher Intelligenz und menschenartigen Robotern, die über äußerliche Kopien hinausgehen, sind wir noch immer weit entfernt. Auch ist uns die Raumfahrt zu teuer geworden, wir haben bis heute nicht mal einen Menschen zum Mars gebracht, von einer Kolonisierung ferner Sternensysteme ganz zu schweigen.

Dafür unterschätzten SciFi-Autoren wie Asimov in den 50er und 60er Jahren dramatisch die Rolle der Computer. Daher haben sie unsere Entwicklung hin zur Informationsgesellschaft (selbst in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern) mit omnipräsenten Computern, mit einem Internet, das fast jede Information zu jeder Zeit an jedem Ort verfügbar macht, nicht einmal erahnt. Aber damit standen Asimov & Co. ja nicht alleine da: Die Fama behauptet, dass IBM-Chef Thomas Watson 1943 gesagt haben soll: „Ich denke, es gibt einen weltweiten Marktbedarf für vielleicht fünf Computer.“ Heiko Weckbrodt

Isaac Asimov: „Die Stahlhöhlen“, Original 1954, Neuauflage Heyne-Verlag 2003, neun Euro, ISBN 978-3453863620; eBuch (Englisch): 5,14 Euro, Kindle-Kennung: B004JHYRAO
 

Trash-Verfilmung durch die BBC:

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