Alle Artikel mit dem Schlagwort: mathematik

Flüchtlingskinder zu Besuch im Erlebnisland Mathematik in Dresden-Striesen. Foto: Heiko Weckbrodt

Die Hyperbel interessiert sich nicht für Nationen

Erlebnisland Mathe in Dresden lädt junge Flüchtlinge zum Gratisbesuch Dresden, 2. Dezember 2015. Rund drei Dutzende Flüchtlingskinder und ihre erwachsenen Begleiterinnen haben heute die Technischen Sammlungen Dresden (TSD) besucht. Sie erkundeten in dem Technikmuseum in Striesen – mit großer Begeisterung übrigens – das „Erlebnisland Mathematik“ mit all seinen Zerrspiegeln, Riesen-Seifenblasen, Hyperbel-Spielen, Code-Rätseln und Möbiusbändern. Die Exponate dort scheren sich eben nicht darum, ob ein junger Besucher Deutsch, Arabisch, Persisch oder Englisch spricht: Die spielerische Mitmach-Ausstellung erschließt sich jedem in der nationen-verbindenden Sprache der Mathematik. Der Besuch war für die Asyl-Kinder kostenlos.

Abb.: TSD

US-Autor: Mathe macht uns glücklicher

Auf „Matrix“-Konferenz erörtern Experten in Dresden, wie man Mathe populärer machen kann Dresden, 4. September 2014: Mathematik kann uns helfen, glücklicher zu werden – und „die verborgenen Muster“ zu erkennen, „die uns verbinden“. Das behauptet jedenfalls der US-amerikanische Wissenschaftsautor Keith Devlin, der zu den Gästen einer internationalen Konferenz namens „Matrix“ („Mathematics Awareness, Training, Resource, and Information Exchange“), zu der das “National Museum of Mathematics” (MoMath) und das „Erlebnisland Mathematik“ der „Technischen Sammlungen Dresden“ (TSD) in diesem Monat Experten aus aller Welt nach in die sächsische Landeshauptstadt eingeladen haben.

Nach Jahrzehnten vollbracht: Prof. Stefan Deschauer mit seinem nun publizierten Opus, das ein neues Licht auf die Mathematik kurz vor dem Fall Konstantinopels wirft. Foto: Heiko Weckbrodt

Mit dem Atari ins alte Byzanz

Prof. Deschauer im Kurzinterview über jahrzehntelange Übersetzungsarbeit Professor Stefan Deschauer vom Lehrstuhl für Didaktik der Mathematik an der TU Dresden hat in jahrelanger Arbeit eine der wichtigsten byzantinischen Mathe-Handschriften aus der Endzeit des oströmischen Reichs transkribiert, übersetzt und bearbeitet. Redakteur Heiko Weckbrodt hat ihn über Motive, Hürden und Resultate befragt.

Um 1493 entstand dieser Holzschnitt der für die Europäer märchenhaft reichen Stadt Knonstantinopel alias Byzanz (Auszug aus der Schedelschen Weltchronik). Repro: Wikipedia, gemeinfrei

Das dezimale Byzanz und die Null

Dresdner TU-Professor Deschauer hat eine der wichtigsten Mathematik-Handschriften aus der Zeit kurz vor dem Fall Konstantinopels übersetzt und publiziert Die Metropole am Bosporus, die wir heute als Istanbul kennen, galt seit jeher als Scharnier zwischen Ost und West, als Wissensvermittler zwischen Antike und Neuzeit: Vor etwa 2660 Jahren von hellenischen Kolonisten gegründet, wurde sie im 4. Jahrhundert als „Konstantinopel“ zur Hauptstadt des oströmischen Reiches. Während Europa in der „Dunklen Zeit“ die Antike vergaß, bewahrten byzantinische Mönche und Gelehrte das Wissen der Alten über die Jahrhunderte hinweg, saugten neue Erkenntnisse von Indern, Persern und Arabern auf – und trugen diesen ideellen Schatz nach dem Fall der Stadt unter dem Ansturm der Osmanen im Jahr 1453 nach Europa weiter. Der Dresdner Professor Stefan Deschauer vom TU-Lehrstuhl für Didaktik der Mathematik hat nun eine der wichtigsten spätbyzantinischen Mathematik-Handschriften, die kurz vor dem Fall Konstantinopels entstand, transkribiert, übersetzt und als kommentierte Ausgabe „Die Große Arithmetik“ veröffentlicht. Deschauers Arbeit dauerte Jahrzehnte, begonnen hatte er sie in den 1980ern noch mit einem Atari-Heimcomputer.

Adrian Gronau

Schulnostalgie pur: Mathe-Tafelwerk als iPhone-App

Überkommt Euch auch in manch schlafloser Nacht das dringende Bedürfnis, Primzahlen statt Schäfchen zu zählen, mal schnell ein paar Prozentsätze oder den Flächeninhalt des Kreisverkehrs zwei Straßenecken weiter auszurechnen? Was, nein? Na selbst wenn nicht: Ab und zu braucht man eben doch wenigstens ein paar der Formeln, die man einst in Mathe gepaukt hat – und muss das Internet herhalten. Oder eben eine App wie „Das Tafelwerk“ von Adrian Gronau aus Falkensee, die man natürlich auf dem iPhone auf dem Nachttisch parat hat 😉

Köpfung nutzlos: Supercomputer-Projekt simuliert wundersamen Nachwachs-Wurm

„Virtual Planarian“ soll mit systembiologischen Methoden Selbstreparatur von Organen ergründen Dresden, 12. Februar 2013: Das hätte Altpirat Klaus Störtebeker oder Lord Stark aus dem „Lied von Eis und Feuer“ wohl gut gefallen: Kaum hat der Henker den Kopf abgehackt, wächst auch schon ein neuer nach. Leider haben Menschen diesen Dreh noch nicht so recht raus, wohl aber solch ein viel verachtetes Geschöpf wie der gemeine Flachwurm (Planarian). Der kann Schwanz, Organe, ja sogar seinen Kopf regenerieren, wenn er verletzt ist. „Selbst in kleinste Teile zerlegt, wächst aus jedem Stück wieder ein komplettes Tier“, ist Biologe Dr. Jochen Rink vom Dresdner Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) immer wieder fasziniert. Gemeinsam mit TU-Informatiker Dr. Lutz Brusch will er nun in aufwendigen Supercomputer-Simulationen heraus bekommen, wie der kleine Wurm das schafft.