Landwirtschaft, News, zAufi

Roboter mistet Ställe aus und kümmert sich um den Pflanzenschutz

Der Elwobot trägt auf den Versuchsflächen in Dresden-Pillnitz ein Mäh- und Mulch-Gerät. Foto: Burkhard Lehmann für das LfULG

Ein Elwobot trägt auf den Versuchsflächen in Dresden-Pillnitz ein Mäh- und Mulch-Gerät. Foto: Burkhard Lehmann für das LfULG

Sächsischer Verbund „Landnetz“ zeigt, wie die Landwirtschaft der nahen Zukunft aussieht

Dresden, 29. Mai 2024. Roboter, Drohnen und lokale Datennetze werden auf Feldern und in Obstgärten künftig eine wachsende Rolle spielen – zumindest wenn es nach den Forschern des sächsischen Projektes „Landnetz“ geht.

Neue Konzepte sollen Karrieren in der Landwirtschaft wieder attraktiver machen

Die Partner aus Wissenschaft, Industrie und Agrarbetrieben haben in den vergangenen fünf Jahren neue Ansätze für die Landwirtschaft der Zukunft entwickelt, die beispielsweise dank Hightech-Hilfe sparsamer Dünger und Pflanzenschutzmittel einsetzt, aber auch sicherer sein soll. Dahinter steht einerseits die Idee, Landwirtschaft in Europa produktiver und ökologischer zu machen, aber auch attraktiver für junge Menschen, die normalerweise mit Landluft nicht viel am Hut haben. Der „Landnetz“-Verbund will nun in Dresden-Pillnitz seine Roboter, Fluggeräte und Assistenzsysteme im Praxiseinsatz vorführen, wie all das geht.

Digitales Experimentierfeld zwischen Dresden, Wurzen und Köllitsch

„Ziel des Verbundprojektes war es, ein digitales Experimentierfeld zu schaffen, um Technologien zur flächendeckenden drahtlosen Datenübertragung mit Hilfe von 5G im ländlichen Raum zu erproben, landwirtschaftliche Betriebe zu vernetzen und Lösungen für den Datenaustausch in der ausgewählten sächsischen Modellregion zu entwickeln“, betonen die Projektpartner. Dazu gehören Experten und Expertinnen von der TU Dresden, aus dem Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme (IVI) in Dresden und vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) sowie zwei Dutzend Unternehmen aus Industrie und Agrarwirtschaft. Ihr Experimentier-Feld hatten sie ab 2019 im Dreieck Dresden-Köllitsch-Wurzen aufgespannt. Nun nähern sich die Versuche dem Ende. Kurz vor dem formellen Projektabschluss wollen die Wissenschaftler im Juni 2024 ausgewählte Ergebnisse während einer Regionalkonferenz „Digitale Anwendungen für die landwirtschaftliche Praxis“ präsentieren.

Roboter Elwobot II

Dazu gehört beispielsweise die zweite Generation eines rollenden Agrarroboters: Der „Elwobot II“ mustert mit Lidar-Strahlen die Blätter in einer Plantage und versprüht je nach Blattfarbe und zustand dann genau dosierte Pflanzenschutzmittel. Dies soll den Einsatz solcher Chemikalien in der Landwirtschaft verringern und die Ökobilanz etwa von Obstgärten verbessern. Der Elwobot erledigt seine zugewiesenen Aufgaben weitgehend autonom, vernetzt sich mit einem lokalen Rechenzentrum per 5G-Funk und steuert auch selbstständig einen eigens fürs „Landnetz“ entwickelten Schnelllade-Anhänger an, wenn ihm der Saft auszugehen droht.

Multispektral-Drohne fürs „Precision Farming“

Ein weiteres Beispiel für eine nachhaltigere Agrarwirtschaft ist eine Landnetz-Drohne, die mit einer Multispektralkamera den Zustand der Pflanzen auf Feldern kontrolliert. Die Ergebnisse sendet das Fluggefährt ebenfalls per 5G und über ein lokalen Rechenzentrum an einen Düngerstreuer. Der kann mit diesen Daten dann genauer dosieren, wieviel Dünger jeder Feldabschnitt braucht. Dies ist Teil der sogenannten Präzisions-Landwirtschaft („Precision Farming“)

Der kleine Bildschirm vor dem rechten Auge lässt die Sicht auf die Straße, spiegelt aber zugleich computergenerierte Navi-Anweisungen und andere Daten ein. Foto: Digades

Der kleine Bildschirm vor dem rechten Auge lässt die Sicht auf die Straße, spiegelt aber zugleich computergenerierte Navi-Anweisungen und andere Daten ein. Foto: Digades

Straßensicherheit per AR-Helm

Vor allem in der Erntezeit kommt es immer wieder zu Behinderungen oder gar Unfällen zwischen Autos, Motorrädern und Landmaschinen auf den Straßen. „Landnetz“ zeigt nun anhand einer Beispiellösung für Motorräder, wie sich derartiges vermeiden lässt: Die Landmaschinen vernetzen sich dabei per 5G-Funk mit anderen Fahrzeugen (die Technik wird auch V2V beziehungsweise V2X genannt) und überträgt dabei Verkehrsinformationen. Im konkreten Fall erhält ein Motorradfahrer Hindernis-Warnungen über einen Helm-Bildschirm, den das sächsische Unternehmens „Digades“ entwickelt hat und der „Augmentierte Realitäten“ (AR) darstellen kann. Das soll Unfälle verhindern, zudem können Kradfahrer damit gleich auch Straßen ganz vermeiden, auf denen Traktoren oder andere langsame und sperrige Landmaschinen unterwegs sind.

Video von Landnetz zur
digitalen Tierhaltung:

Tierhaltung:

Auch für die Tierhaltung hat Landnetz neue digitale Konzepte entwickelt. Dazu gehören Systeme, die die Gesundheit und Fütterung von Kälbern sowie erwachsenen Rindern überwachen, Schafherden hüten (GPS-Überwacher „Heidi“) und dergleichen mehr. Dazu gehören aber auch Roboter, die undankbare Aufgaben wie die Stall-Reinigung übernehmen.

Bodenüberwachung:

Hier haben die Forscher Sensoren für Bodentemperatur, Feuchte und Bodendichte in die Felder eingebracht. Auch dies soll für ein besseres Pflanzenwachstum und eine präzise Düngung sorgen, um die Umwelt zu entlasten.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Landnetz, Oiger-Archiv, Wikipedia

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt