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Halbleiter-Multis wachsen um 26 %

Foto: NXP

Chip-Scheiben von NXP in einer Transportbox. Foto: NXP

Starke Chipnachfrage im Corona-Jahr II lässt die Branchengrößen noch größer werden – außer Ex-Primus Intel

Scottsdale, 30. Dezember 2021. Die starke Nachfrage für Auto- und Unterhaltungselektronik, Sensoren und anderen mikroelektronischen Produkten hat der globalen Chipindustrie im Jahr 2021 neue Rekorde beschert. Vor allem die ganz großen Halbleiterkonzerne haben erheblich zugelegt, wie eine Analyse des US-amerikanischen Marktforschungs-Unternehmens „IC Insights“ aus Scottsdale ergeben hat. Demnach wuchsen die 17 umsatzstärksten Unternehmen weltweit um durchschnittlich 26 Prozent.

Umsatzentwicklung der 17 größten Halbleiter-Konzerne weltweit im Jahr 2021. Tabelle: IC Insights

Umsatzentwicklung der 17 größten Halbleiter-Konzerne weltweit im Jahr 2021. Tabelle: IC Insights

Ehemaliges Sorgenkind AMD legt um 65 % zu

Dabei war allerdings die Schwankungsbreite erheblich: Der Grafik- und KI-Chipspezialist Nvidia zum Beispiel kam auf 51 Wachstumswachstum, der Funkchip-Entwickler „Qualcomm“ auf 51 Prozent, das ehemalige Sorgenkind AMD sogar auf ein Plus von 65 Prozent. Der ehemalige Weltmarktprimus Intel dagegen wurde von Samsung auf Platz 2 verdrängt und schrumpfte sogar um ein Prozent.

Nur 3 der 17 Großen kommen aus Europa

Was auch auffällt: Nur 17 Mikroelektronik-Konzerne weltweit erreichen über zehn Milliarden US-Dollar Umsatz. Und von diesen Multis wiederum stammen neun aus den USA, je zwei aus Taiwan und Südkorea und einer aus Japan. Drei haben ihren Hauptsitz in Europa: Infineon aus Deutschland, die schweizerisch-französische „ST Microelectronics“ und die ehemalige Philips-Tochter „NXP“ aus den Niederlanden.

Automatisierte Maschinenbeladung mit schienengebundenen Robotern in einer Infineon-Fabrik. Foto: Fabmatics

Automatisierte Maschinenbeladung mit schienengebundenen Robotern in einer Dresdner Infineon-Fabrik. Foto: Fabmatics

Allerdings repräsentiert diese Liste nicht unbedingt auch die geografische Verteilung der Halbleiterproduktions-Kapazitäten weltweit. Einerseits sind in der „IC Insights“-Liste eben auch Unternehmen ohne eigene Chipfabriken wie Apple, AMD, Qualcomm und Nvidia. Anderseits ist sie nach dem Hauptsitz des jeweiligen Unternehmens ausgerichtet. Das Dresdner Werk von Globalfoundries beispielsweise wird den USA zugerechnet, die Infineon-Fabriken in den USA wiederum Deutschland und so weiter. Schätzungen zufolge liegt der europäische Anteil an den weltweiten Mikroelektronik-Fabs unterm Strich bei nur sechs bis sieben Prozent.

Multis wollen nach Corona und Trump mehr Fabs jenseits ihrer Stammreviere bauen

Allerdings ist eine stärkere Diversifizierung der globalen Produktionskapazitäten absehbar. Denn vor allem als Konsequenz aus Donald Trumps Wirtschaftskriegen gegen China und Europa, aus den Lieferketten-Störungen durch Corona, diverse Naturkatastrophen, Unfälle und andere Probleme bemühen sich derzeit viele Multis, ihre Zuliefernetze krisenfester zu machen. Hinzu kommt: Die hohe Halbleiter-Nachfrage macht ohnehin den Bau neuer Fabriken nötig. Und nicht zuletzt sorgt der jährlich steigende Kapitaleinsatz für neue Chipwerke dafür, dass sich inzwischen nur noch die allergrößten Konzerne die allerneuesten Anlagen leisten können. Was wiederum bedeutet: Nur wer viele Fabs hat, kann auf Dauer in diesem technologischen Wettlauf überhaupt mithalten.

Hoffnung auch in Sachsen

Aus diesen und weiteren Gründen wollen Intel, TSMC und andere Branchenriesen derzeit mehr Fabriken außerhalb ihrer jeweiligen Heimatländer und Stammlieferländer errichten. Von diesem Trend dürfte auch Europa profitieren – auch die Sachsen machen sich momentan große Hoffnungen auf Ansiedlungen der Amerikaner beziehungsweise Taiwanesen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: IC Insights, Oiger-Archiv