
Taras Shepel und Oleksandr Shevchenko an Nord des inzwischen in den Kriegswirren verschollenen Forschungsschiffs „Professor Vodyanitskiy“ auf dem Schwarzen Meer. Foto: TU Bergakademie Freiberg/Taras Shepel
Faulschlammförderung mit Bergakademie Freiberg erprobt – nun hat Krieg das Testschiff verschlungen
Inhalt
- 0.1 Faulschlammförderung mit Bergakademie Freiberg erprobt – nun hat Krieg das Testschiff verschlungen
- 0.2 Salzwasser-Schock ließ Meeresleben sterben – übrig blieben 320 Milliarden Kubikmeter Organikschlamm
- 0.3 Alternativer Dünger soll Ernte um die Hälfte steigern
- 0.4 Schiffe sollen Schürfkübel über Meeresboden ziehen
- 0.5 Ökologische Folgen ungewiss
- 0.6 Schiff im Ukraine-Krieg verschollen, Doktorand soll nun kämpfen statt forschen
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Freiberg, 3. März 2015: Am Grund des Schwarzen Meeres liegt ein schleimiger Bodenschatz: Der Faulschlamm Sapropel, der durch eine ökologische Katastrophe vor 7600 Jahren entstand, und als Alternative zu chemischen Dünger eingesetzt werden kann. Die ukrainischen Doktoranden Taras Shepel und Oleksandr Shevchenko haben an der Bergakademie Freiberg ein Verfahren entwickelt, um den Faulschlamm massenhaft vom Meeresgrund zu holen und aufzubereiten.
Salzwasser-Schock ließ Meeresleben sterben – übrig blieben 320 Milliarden Kubikmeter Organikschlamm
Insgesamt rund 320 Milliarden Kubikmeter Sapropel sind am Boden abgelagert und es hat seinen besonderen Grund, dass der Faulschlamm so massenhaft im Schwarzen Meer zu finden ist: Das war nämlich ursprünglich ein Süßwassersee mit einer reichen Pflanzenwelt. Doch vor etwa 7600 Jahren flutete Salzwasser aus dem Bosporus ein. Daraufhin starb ein Großteil der Pflanzen und auch viele Seetiere. Ihre Überreste sanken auf den Meeresgrund und wurden schließlich zu einem Schlamm aus organischen Stoffen.

Lecker: Taras Shepel begutachtet den gewonnenen Faulschlamm. Foto: Bergakademie Freiberg
Alternativer Dünger soll Ernte um die Hälfte steigern
„Sapropel enthält viele pflanzliche Nährstoffe und kann Wasser gut speichern“, erklärte Professor Carsten Drebenstedt von der TU Bergakademie Freiberg. Als Düngemittel verbessere der Schlamm die Bodenstruktur und schütze vor Bodenerosion. Der Ernteertrag könne um bis zu 50 Prozent gesteigert werden. Auch als Heilmittel in der Medizin oder als Verbindungsmaterial zum Herstellen von großen und kleinen Füllstoffen bei Leichtbetonen im Baugewerbe sei Sapropel gefragt.
Schiffe sollen Schürfkübel über Meeresboden ziehen
Taras Shepel und Oleksandr Shevchenko wollen diesen Organikschlamm durch große Schürfkübel fördern, die Schiffe über den Meeresgrund ziehen. Dabei sollen spezielle Messgeräte die Widerstandskräfte, die auf die Eimer wirken, erfassen und dafür sorgen, dass die Kübel möglichst voll an die Oberfläche kommen. Dort sollen sie dann mit einer von Oleksandr Shevchenko entwickelten neue Aufbereitungsmaschine behandelt werden. Diese Maschine entwässert den gebaggerten Schlamm durch Vibrationen, um ihn für den Abtransport vorzubereiten.
Ökologische Folgen ungewiss
Allerdings sind ähnliche Verfahren, die zum Beispiel im Fischfang eingesetzt werden, und die ebenfalls den Meeresgrund „aufkratzen“, bisher oft auf die Kritik von Umweltschützern gestoßen. Diese befürchten, dass derartige Methoden die Meere verschmutzen und die Habitate existierender meeresgrundnaher Fauna und Flora zerstören könnten.
Schiff im Ukraine-Krieg verschollen, Doktorand soll nun kämpfen statt forschen
Vorerst haben aber nicht Ökologen das Projekt ausgebremst, sondern der Krieg in der Ukraine: Das Expeditionsschiff, auf dem die beiden ukrainischen Nachwuchswissenschaftler ihre Anlagen erprobt hatten, ging in den Wirren des Konflikts verloren. „Keiner weiß, wo es sich derzeit befindet“, betonte die Bergakademie. Zudem ist Taras Shepel nun in die ukrainische Armee einberufen worden. Anfang März wird er seine Dissertation noch in Freiberg verteidigen, dann muss er zurück in die Ukraine „Ich weiß nicht, was dann auf mich zukommt“, sagte er. „Niemand will diesen Krieg, ich hoffe, dass bei uns bald wieder Frieden herrscht.“ hw