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Verkehrsunterricht mit Flüchtlingen am Hochrad gescheitert

Die syrischen Kinder wollten lieber auf dem Hochrad spielen. Auch Museumspädagogin Nicole Auersbach (l.) brauchte lang, um die jungen Flüchtlinge nach oben in den Verkehrsgarten zu locken. Foto: Peter Weckbrodt

Die syrischen Kinder wollten lieber auf dem Hochrad spielen. Auch Museumspädagogin Nicole Auersbach (l.) brauchte lang, um die jungen Flüchtlinge nach oben in den Verkehrsgarten zu locken. Foto: Peter Weckbrodt

Syrische Kinder kletterten lieber aufs Hochrad, statt der Polizei zu lauschen

Dresden, 26. März 2016. Etwa 90 Minuten hatte Polizeihauptkommissar Uwe Müller vom Polizeipräsidium Dresden für den Verkehrsunterricht mit einer Gruppe von Asylbewerbern aus dem Erstaufnahmelager Hamburger Straße eingeplant. Er wartete im Verkehrsmuseum auf die Flüchtlinge. Wer nicht erschien, waren die erwarteten syrischen Familien. „Die nehmen es mit der Zeit nicht so genau“, beruhigte Müller die mit ihm Wartenden. Nach weiteren 30 Minuten geduldigen Wartens kam dann die irritierende Information aus dem Foyer des Johanneums: 12 bis 15 syrische Kinder hätten Gefallen am Hochrad des Museums gefunden und keine Macht der Welt könne sie davon abhalten, einer nach dem anderen seine Künste darauf zu erproben.

Kommissar packte wieder ein

Museumspädagogin Nicole Auerswald erkannte spontan, was die Stunde geschlagen hat und stand nun den syrischen Kids hilfreich zur Seite. Als die Begeisterung sich gelegt und die Vier- bis 14-Jährigen die Treppen hinauf zum Verkehrsgarten gestürmt waren, hätte es ja eigentlich losgehen können mit der behutsamen Vermittlung der deutschen Verkehrsregeln an die Kinder und Muttis. Was schon ein kühnes Vorhaben war, da der fest eingeplante Arabisch-Dolmetscher nicht erschienen war. Das stellte sich als belanglos heraus, da die lieben Kleinen nun die vielfältigen Spielmöglichkeiten im neu gestalteten Verkehrsgarten für sich entdeckt hatten. Da konnte der willige Hauptkommissar einpacken und zu seinem nächsten Termin eilen. Er trug es mit Fassung. Die Mentalitäten und Prioritäten würden wohl doch im arabischen Raum anders als in Deutschland gesetzt, kommentierte er gelassen. Da gibt es sicher keinen Einspruch.

„Programm für Familien“ soll bei Integration helfen

Am „Programm für Familien“ beteiligen sich das Verkehrsmuseum, das Stadtmuseum, das Deutsche Hygienemuseum und die Technischen Sammlungen. Das Ziel: den neuen Dresdner Mitbürgern die Integration zu erleichtern.

„Wir wollen als Polizeidirektion Dresden erreichen, dass die Asylbewerber lernen, sich zu Fuß, mit der Straßenbahn oder dem Bus, aber auch mit dem Fahrrad sicher in der Stadt zu bewegen“, erläutert Müller das Anliegen. Ab sofort werde den Asylbewerbern an jedem letzten Donnerstag im Monat ein solcher Verkehrsunterricht angeboten, bestätigte Verkehrsmuseums-Sprecherin Martina Richter.

Autor: Peter Weckbrodt

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