Dresden-Lokales

Vom Massengut-Hafen zum Umschlagplatz für Technikriesen

Im Hafenbild unübersehbar ist die 1914 gebaute Dresdner Mühle von Bienert. Hier werden noch heute jährlich etwa 125.000 Tonnen Getreide gemahlen. Foto: Peter Weckbrodt

Im Hafenbild unübersehbar ist die 1914 gebaute Dresdner Mühle von Bienert. Hier werden noch heute jährlich etwa 125.000 Tonnen Getreide gemahlen. Foto: Peter Weckbrodt

Oigers Wochenend-Tipp: Alberthafen Dresden wird 120 Jahre und feiert das ab heute

Dresden, 4. September 2015. 120 Jahre wird der Dresdner Alberthafen alt und feiert dies am 5. und 6. September 2015 mit einem Hafenfest. Die Besucher können sich auf zahlreiche Attraktionen freuen, wie beispielsweise Schiffsrundfahrten, Lokführerstandsmitfahrten, Hafenrundgänge, Firmenpräsentationen, Tauchturm und Torwandschießen. Interessant dürfte auch der Besuch des Historischen Areals mit Akteuren und Ausstellungen sein.

Für die kleinen Besucher bietet das Fest eine Mal- und Bastelstraße, einen Kinderstapler-Cup und eine Hüpfburg. Ab 17 Uhr gibt es am Samstag eine musikalische Unterhaltung mit Auftritten von „Cora“ und den „Schlagerrebellen“. Den Abschluss bildet am Sonnabend gegen 20.45 Uhr ein Feuerwerk.

Lageplan vom Alberthafen zum Hafenfest. Abb.: Hafenmeisterei

Lageplan vom Alberthafen zum Hafenfest. Abb.: Hafenmeisterei

Am Sonntag beginnt der Festtag mit einem musikalischen Frühschoppen ab 10 Uhr. Eröffnet wird das Fest „120 Jahre Alberthafen – Dresden maritim“ bereits am Freitag 18 Uhr im Festzelt am Historischen Terminal (Einladung erforderlich).

Alberthafen stand für wirtschaftlichen Aufschwung im Königreich Sachsen

Der Alberthafen wurde in der Dresdner Friedrichstadt am 1. November 1895 als „König Albert Hafen“ eingeweiht. Nach stürmischer Wirtschaftsentwicklung, die stets mit steigendem Umschlag an den Kais verbunden war, erlebte der Hafen auch die Depression durch zwei Weltkriege mit Zerstörungen und Demontage. Die Jahrzehnte von 1949 bis 1990 waren sowohl durch Wiederaufbau und Rekordumschläge, insbesondere mit Massengütern wie Baustoffe und Kohle, als auch durch Substanzverzehr und Verfall der Hafeninfrastruktur gekennzeichnet. Andererseits wurden über den Hafen in beträchtlichen Umfange Transporte sowie Be- und Entladungen für den Raum Dresden abgewickelt. Das Gleisnetz des Hafenbahnhofes reichte bis unter die Altstädter Seite der Marienbrücke. Ältere Dresdner werden sich vielleicht noch daran erinnern, dass man von der Brücke die Ladetätigkeit auf den Gleisen sehen konnte, die bis an den Standort des heutigen Kongresshotels reichten.

Der Schrottumschlag im Hafen ist beachtlich. Foto: Peter Weckbrodt

Der Schrottumschlag im Hafen ist beachtlich. Foto: Peter Weckbrodt

Der Freistaat Sachsen beschloss 1995 für die Häfen Dresden, Riesa und Torgau ein umfangreiches Umbau- und Investitionsprogramm.

Umschlagplatz für Technologie-Unternehmen

Heute präsentiert sich der Alberthafen mit neuen Kaiwänden, 45-Tonnen-Kränen, stark reduzierten Gleisanlagen, zeitgemäßen Hafenstraßen, und mit der einzigen Ro-Ro-Verladeanlage („Rollende Landstraße“) zwischen Hamburg und Usti n. L. Durch die Teilverfüllung des übergroßen Hafenbeckens wurde Neuland für gewerbliche Ansiedelungen geschaffen. Besondere Bedeutung hat der Hafen heute für den Transport übergroßer Technologie-Güter: Hier werden zum Beispiel Großgeneratoren, Trafos, Windkraftflügel und andere Produkte von Dresdner Hightech-Unternehmen wie Sachsenwerk und Siemens gen Hamburg eingeschifft, um dort dann in Hochseeschiffe umgeladen zu werden. Teilweise handelt es sich um derart große Maschinen und Bauteile, dass ein Straßentransport gar nicht möglich wäre.

Wassertransport hat insgesamt an Bedeutung verloren

Im 120. Jahr seines Bestehens zeigt sich der Hafen als ein Logistik- und Umschlagzentrum, in dem über 40 Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten angesiedelt sind. Unübersehbar ist für den aufmerksamen Beobachter aber auch, dass der Schiffsumschlag sehr viel von seiner einstigen Bedeutung verloren hat. Die längeren Niedrigwasserperioden, speziell in den heißen Sommern, erweisen sich als hinderlich. So berichtet ein dazu vom Verfasser angesprochener Portalkranführer, dass er etwa Anfang Juli eine große Turbine von Siemens in ein Schiff via Hamburg geladen habe. Wegen permanenter minimaler Pegelstände in der Elbe und im Hafenbecken habe das Schiff aber erst kürzlich auslaufen können.

Andererseits schlagen die Hafenarbeiter seit der Wende auch viele Güter zwischen Schiene und Straße um. Unübersehbar im hinteren Hafengelände sind die knallig weißen, hoch aufragenden Silobehälter der Rheinkalk GmbH aus Wülfrath. Ein Ladearbeiter berichtete uns, dass der aus dem sauerländischen Menden ankommende Kalk in den Silos zwischengelagert und dann auf der Straße beispielsweise an Müllverbrennungsanlagen gefahren werde.

Hafenverein lässt zum Fest Treidler wieder Schiffe ziehen

Sehr für das Wirken, die Entwicklung und die Traditionen des Alberthafens engagieren sich die 157 Mitglieder des Sächsischen Hafen- und Verkehrsvereins. Sie nehmen das Hafen-Jubiläum zum Anlass, das alte, auch an der Elbe über Jahrhunderte verbreitete Gewerbe des Treidelns oder Bomätschens, wie es in Sachsen genannt wurde, wieder Aufleben zu lassen. Selbstverständlich nicht mit der Absicht, die modernen Antriebssysteme bei der Elbschifffahrt umweltfreundlich durch Menschenkraft zu ersetzen. Nein, es geht dem Verein um den Spaß, das Vergnügen, den Wettstreit und natürlich um Traditionspflege.

Zum Treidelwettbewerb treten am Sonnabend von 10 bis 12 Uhr zwischen der Marienbrücke und der Augustusbrücke bis zu sechs Teams im Wettkampf um die stärksten Treidler gegeneinander an. Ob dies links- oder rechtselbig geschieht, wird zeitnah in Abhängigkeit vom Wasserstand der Elbe entschieden. Ein Riesenspaß dürfte es in jedem Falle werden.

Als zusätzlichen Gag bringt der Verein zeitgleich ein Flachwasser-U-Boot ins Spiel. Es ist nicht tauchfähig, hat zwei Mann Besatzung, mehr wird erst mal nicht verraten.

Neues Lachsräucherei soll für mehr Besucher im Hafen sorgen

Den kulinarischen Freuden besonders Aufgeschlossenen sei noch verraten, dass ebenfalls anlässlich des Hafenjubiläums bereits heute, also am 4. September, Sachsens größte und modernste Fischräucherei im historischen Teil des Dresdner Alberthafens feierlich eröffnet wird. In der „Elblachs-Räucherei“ sollen jährlich rund 120 Tonnen Meeres- und Süßwasserfisch verarbeitet werden. In die Räuchermanufaktur wurden rund 2,5 Millionen Euro investiert. Autor: Peter Weckbrodt

„120 Jahre Alberthafen“, Fest am 5. und 6. September 2015, mehr Infos im Netz hier und hier.

 

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[caption id="attachment_67607" align="alignleft" width="117"]Peter Weckbrodt. Foto: IW Peter Weckbrodt. Foto: IW[/caption]Peter Weckbrodt hat ursprünglich Verkehrswissenschaften studiert, wohnt in Dresden und ist seit dem Rentenantritt journalistisch als freier Mitarbeiter für den Oiger und die Dresdner Neuesten Nachrichten tätig.