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110.000 Seiten vergessenes Lebensgefühl: Dresdner SLUB digitalisiert Illustrierte der 1920er

Die Leipziger Illustrierte "Das Leben" 1932: Eine leichtbekleidete Badenixe im Zeitgeschmack in Szene gesetzt. Abb.: SLUB

Leipziger Illustrierte "Das Leben" 1932: Eine leichtbekleidete Badenixe im Zeitgeschmack in Szene gesetzt. Abb.: SLUB

Dresden, 16.1.2012: Heute erscheint es uns ganz normal, über jede Katastrophe, jede neue Mode, jedes Detail einer neuen Popband rund um den Erdball, rund um die Uhr binnen Minuten informiert zu werden – per Internet, Fernsehen und andere Medien. Doch wie wirkten wohl – nach damaligen Maßstäben – leichtbekleidete Tänzerinnen in den Berliner Klubs auf die Menschen der Weimarer Republik? Erschien ihnen Benito Mussolini wie ein Popstar? Was bewegte Otto Normaldresdner vor 90 Jahren in seinem alltäglichen Leben?

Ein Spiegel des damaligen Lebensgefühls sind die farbigen Illustrierten wie „Uhu“, Querschnitt“ oder „Das Magazin“, die in den 1920er aufkamen und mit ihre bunten Bilderwelt und dem, was man heute „Lifestyle“-Berichte nennen würde, für großes Aufsehen sorgten. Die Sächsische Landes- und Uni-Bibliothek (SLUB) in Dresden will diese Zeitschriften einer Republik, die in einer Katastrophe endete, nun digitalisieren und damit Forschern und einem breiten Publikum im Internet zugänglich machen.

In einem ersten Schub will die SLUB mit ihren Scan-Robotern und anderer Digitalisierungstechnik zunächst 1000 Ausgaben solcher Magazine der „Goldenen Zwanziger“ mit insgesamt rund 110.000 Seiten und über 52.000 Fotos elektronisieren. Das Gemeinschaftsprojekt mit der Uni Erfurt, dem Springer-Verlag und der Deutschen Nationalbibliothek hat aber auch das Ziel, danach weitere Zeitschriften dieser Zeit zu digitalisieren, sobald alle Rechtefragen geklärt sind.

Die Scan-Roboter der SLUB digitalisieren bis zu 500 Buchseiten pro Stunde. Abb.: SLUB

„Die digitale Sammlung kann dann jeder im Internet einfach abrufen“, kündigte Projekt Projektkoordinator und SLUB-Vizedirektor Dr. Achim Bonte an. „Unser Ziel ist, die sehr seltenen und verstreut überlieferten Zeitschriften virtuell zusammenzuführen, die Text- und Bildinhalte zu erschließen und benutzerfreundlich zu präsentieren“, ergänzte Kommunikationswissenschaftler Prof. Patrick Rössler von der Uni Erfurt.

Damals als Wegwerfprodukte gedacht, stellen die Zeitschriften der 1920er Jahre heute eine außerordentlich gehaltvolle, auch ästhetisch erstrangige Quelle zur Alltags-, Kultur-, Design- und Fotografiegeschichte ihrer Zeit dar, hieß es von der SLUB. Aber vollständige Ausgaben seien in öffentlichen Bibliotheken überaus selten.

Die SLUB Dresden mit ihrer Deutschen Fotothek gilt als eines der führenden deutschen Digitalisierungszentren. Neben anderer Spezialtechnik hat das Dresdner Zentrum am Zelleschen Weg unter anderem Roboter, die alte Bücher automatisch umblättern und per Digitalkamera massenhaft elektronisieren können. Heiko Weckbrodt

Wie der Scan-Roboter funktioniert? Hier das SLUB-Video:

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