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Der Apfel leuchtet nicht mehr

Ausgeschaltet: Am Tag +1 leuchtete der Apfel auch im einzigen ostdeutschen Apple Store in Dresden nicht mehr. Foto: Apple, Montage: hw

Der Dresdner Apple-Laden vr der Öffnung. Foto: Apple, Montage: hw

Das Geschäft muss weiterbrummen: Im einzigen ostdeutschen Apple-Store ist am Tag nach Steve Jobs Tod wenig von Trauer zu spüren

Dresden, 6.10.2011: Im einzigen ostdeutschen „Apple Store“ in Dresden hält sich einen Tag nach dem Tod des Firmengründers Steve Jobs die Bestürzung in überschaubaren Grenzen: Das Geschäft brummt, die Besucher kaufen wie gehabt iPads, bestellen die neuesten iPhones vor, die Verkäufer lächeln. Aber vielleicht hätte sich der große Apfel-Macher das auch genauso gewünscht.

Es ist Donnerstagmittag in der Dresdner Altmarktgalerie. Der angebissene Apfel über den großen Glastüren des „Apple Stores“ leuchtet am Tag +1 nicht – vielleicht ist er aber einfach nur kaputt. Die zwei Trauersträuße und drei weißen Rosen wirken auf dem weiten Parkett neben dem Eingang etwas verloren. Später soll noch eine Sonnenblume dazugekommen sein, berichtet später am Nachmittag eine Nachrichtenagentur.

Steve Jobs. Abb.: Apple

Steve Jobs. Abb.: Apple

Aber die Kondolenzblumen werden ohnehin kaum eines Besucherblickes gewürdigt. Der ruht gebannt auf bunten Bildschirmen und stilvoll drapierten Tablettcomputern. „Da muss man nur mit dem Finger drauftipsen. Schau! So!“, weiht ein ergrauter Senior seine Gattin in die Geheimnisse der iPad-Welt ein. Ein Tisch dahinter beäugt ein Weißhaariger über den Brillenrand streng ein gut gefesseltes iPhone. Die City-Bag-bewehrten Teenies weiter hinten drängeln sich um die kraftvolleren Maschinen, bewerten fachmännisch einen iMac. „Business as usual“, wie der Amerikaner so schön sagt, die übliche Faszination eines Apple-Ladens eben.

„Der Mann war ein Perfektionist“

„Morgen geh ich noch mal her und bestell ich mit das iPhone 4S vor“, meint der junge Max im Rausgehen. Wie er vom Tode des Apple-Gründers denke, frage ich ihn. „Der Mann war ein Perfektionist“, sagt er. „Dass der gestorben ist, ist ein großer Verlust für Apple. Der hat nur Produkte auf den Markt gelassen, die wirklich top waren.“ Sein Kumpel Lucas sieht das ähnlich: „Mein iPod hält seit Jahren.“

Es ist offensichtlich: Jobs hat die Geräte mit dem Apfel-Logo zu einem Status-Symbol gemacht, generationen- und klassenübergreifend fuchtelt man in und um den Apple-Laden gewichtig mit iPhone & Co. herum: Der Stift aus dem Bauarbeitertrupp checkt seine E-Mails auf seinem iPhone ebenso wie der geschniegelte Geschäftsmann am Espresso-Stand. Das Teenie-Mädchen im Gang wippt zu den MP3-Rhythmen aus ihrem iPod, der Rentner wirft im gläsernen Apple-Laden gierige Blicke auf einen flachen iPad-Computer – wann das mal kein Vermächtnis ist.

„Wohl eher ein Hype“

Dabei stehen viele Laden-Besucher dem Unternehmen – bei aller Faszination – auch kritisch gegenüber. „Ich bin eben vom Windows-PC auf den Mac umgestiegen, weil all meine Freunde mir gesagt haben: Da hast Du die Bibel unter den Computern in der Hand“, erzählt Sven Wittig. „Bis jetzt habe ich den großen Vorteil noch nicht entdeckt. Diese ganze Apple-Euphorie ist wohl eher ein Hype*.“ Jobs Tod sei indes ein großer Verlust für das Unternehmen: „Das war ein Visionär und so einen muss Apple erst mal wieder finden. Visionäre kann man nicht im Laden kaufen.“

Apple Store“-Besucher „Das war ein Visionär und so einen muss Apple erst mal wieder finden. Visionäre kann man nicht im Laden kaufen.“

„Eine Ikone“, meint auch Ronny Siegel über Steve Jobs. „Aber was Apple derzeit macht, hat mit ordentlichen Geschäftsgebaren wenig zu tun: Wer versucht, Konkurrenten wie Samsung einfach aus dem Feld zu klagen, die viel für freie Software-Lösungen tun, handelt nicht anständig.“

Im Land des Lächelns

Weit weniger von ihrer Meinung geben da die Verkäufer im „Apple Store“ preis, um nicht zu sagen: gar nichts. Was er denn von Jobs Tod hält, frage ich den chronisch lächelnden jungen Mann mit dem iPad in der Hand und dem Namensschild an der Brust, nachdem ich mich als Presse-Fritze vorgestellt habe. „Warten Sie einen Augenblick“, eilt er zum Filialleiter. Der lächelt auch, als ich ihn frage, wie man im Laden die Todesnachricht aufgenommen habe. „Wenden Sie sich an unsere Pressestelle.“ „Aber ich würde auch gern ihre persönliche Meinung hören.“ „Wir haben da klare Geschäftsprinzipien“, lächelt er und verweist mich erneut auf den Sprecher im fernen München. „Aber Sie müssen doch eine Meinung dazu haben“, versuche ich es erneut, nun schon leicht verzweifelt. „Die habe ich, aber die sage ich nicht“, antwortet der Filialleiter, ohne für eine Mikrosekunde das Lächeln bleiben zu lassen. Eine furchtbare Ahnung beschleicht mich: Roboter? Nein, so weit wäre nicht einmal Steve Jobs gegangen… Heiko Weckbrodt

*Hype = hochgekochte Modewelle

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