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Von Korea lernen heißt siegen lernen

Lernen von den Besten: Studenten in der Postech-Uni in Korea. Abb.: Postech

Lernen von den Besten: Studenten in der Postech-Uni in Korea. Abb.: Postech

Botschafter: Für den Weg zur Exzellenz muss sich TU Dresden als „Welt-Uni“ begreifen lernen 

Dresden/Seoul, 22.9.2011: Um eine exzellente Uni zu werden, kann sich die Technische Universität Dresden (TUD) noch viel von den asiatischen „Tigerstaaten“ abgucken. Diese Meinung vertreten der deutsche Botschafter in Südkorea, Hans-Ulrich Seidt, und der TUD-Professor Gianaurelio Cuniberti. „Die Unis in Südkorea haben ein klares Leitbild – die Südkoreaner sprechen da vom ,Gum‘, dem ,Traum‘“, erklärte Seidt. „Und um diesen Traum zu erreichen, nehmen sie sich konsequent die besten Unis weltweit als Vorbilder.“

Gianaurelio Cuniberti. Abb.: TUD

Gianaurelio Cuniberti. Abb.: TUD

Cuniberti, der an der TU Dresden den Lehrstuhl für Materialwissenschaften und Nanotechnologie inne hat, jüngst aber ein Forschungssemester in Südkorea absolvierte, sieht das ähnlich: „In Deutschland und auch in Dresden wird es gern auf fehlende Mittel geschoben, wenn man dieses oder jenes Ziel nicht erreicht. Was wir aber von den Südkoreanern lernen können: Wir müssen auch Visionen entwickeln und mehr Enthusiasmus an den Tag legen“, sagte der gebürtige Italiener. „Die Koreaner zum Beispiel implementieren in kürzester Zeit die weltweiten Erfolgs-Storys – die Deutschen sind da oft zu stolz dafür.“

Als man in Korea zum Beispiel das deutsche Modell der Honorarprofessuren kennen gelernt habe, sei dies binnen eines Jahres übernommen worden, so Cuniberti. Umgekehrt hingegen studiere Deutschland kaum die Erfolgsmodelle in Fernost.

Vor 24 Jahren von Stahlkonzern gegründet, heute beste Uni in Korea

Ein Beispiel für konsequente Globalisierung und Zielorientierung sei die „Postech“-Uni in Pohang, so Seidt. Diese Hochschule wurde erst vor 24 Jahren vom südkoreanischen Stahlkonzern „Posco“ gegründet und mit einem Stiftungskapital vom zwei Milliarden Dollar (1,48 Milliarden Euro) versehen. Im vergangenen Jahr kürte sie das „Times Higher Education World University Ranking“ (THE WUR) bereits zur drittbesten Uni in Asien und zur besten in Südkorea. Das selbstgesteckte Ziel: 2020 soll die Postech zu den 20 besten Forschungsunis weltweit gehören. Derzeit liegt sie auf Rang 28.

Die TUD hingegen taucht unter den 200 besten Unis weltweit im THE WUR gar nicht erst auf. Immerhin ist sie als einzige ostdeutsche Hochschule in die aktuelle Endrunde für Exzellenz-Fördermittel des Bundes gelangt. Sie hofft dabei auf über 170 Millionen Euro Zuschüsse, um sich zur Elite-Uni zu entwickeln.

 

Hans-Ulrich Seidt. Abb.: BRD

Hans-Ulrich Seidt. Abb.: Dipl. Dienst

Botschafter Hans-Ulrich Seidt: „Man ist Korea sehr weltoffen und lernt sehr schnell“

„Man ist Korea sehr weltoffen und lernt sehr schnell“, zieht Seidt den Vergleich zur Postech. „Ein Beispiel: Ein Professor aus Ghana unterrichtet dort Menschenrechte – vor allem, damit die künftigen Manager und Ingenieure von Südkoreas Exportunternehmen, die an der Postech studieren, afrikanisches Denken kennen lernen.“ Auch orientiere sich die Uni-Spitze in ihrem Handeln an Großunternehmen und nicht an Behörden, dadurch könne man jede Neuerung sehr schnell umsetzen.

Noch zu sehr in provinziellen Vergleichen verhaftet 

In Seidts Augen hat auch die Dresdner Uni das Zeug zur vielbeschworenen „Exzellenz“. „Da muss man aber weg von der Provinzialität im Denken, weg vom Vergleich mit der Bergakademie Freiberg, hin zu einem Selbstverständnis als ,Weltuniversität‘, die sich mit Havard oder dem MIT vergleicht“, so der Botschafter. Heiko Weckbrodt

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