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Digitimes: Samsung erwägt Chipfabrikbau in Europa

Foto: Samsung

Anscheinend stehen auch Magdeburg und Dresden zur Debatte

Suwon/Magdeburg/Dresden, 17. Februar 2026. Der südkoreanische Samsung-Konzern mit Hauptsitz in Suwon liebäugelt laut Berichten des taiwanesischen Branchenmagazins „Digitimes Asia“ mit dem Bau einer Chipfabrik in Europa – womöglich anstelle von Intel in Magdeburg. Erst vor wenigen Tagen war zudem eine sächsische Wirtschaftsdelegation mit dem Schwerpunkt „Mikroelektronik“ nach Südkorea.

Sächsische Wirtschaftsdelegation in Südkorea

„Südkorea zählt zu den bedeutendsten Halbleitermärkten weltweit und ist Sitz führender Unternehmen wie Samsung und SK Hynix, die einen wesentlichen Anteil an der globalen Produktion von Speicherchips und weiteren Halbleiterkomponenten haben“, betonte Geschäftsführer Thomas Horn von der Wirtschaftsförderung Sachsen (WFS) im Anschluss. „Vor diesem Hintergrund ist es ein konsequenter Schritt, unsere Aktivitäten – neben Taiwan, Japan und den USA – nun auch verstärkt auf Südkorea auszurichten.“

Thomas Horn ist Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen. Foto: Heiko Weckbrodt
Thomas Horn. Foto: Heiko Weckbrodt

„Wir sehen hier vielfältige Anknüpfungspunkte für Investitionsprojekte und technologische Kooperationen.“
WFS-Chef Thomas Horn nach einem Südkorea-Besuch

Seit Qimonda-Pleite hat Europa keinen großen Speicherchiphersteller à la SK Hynix mehr

Schon vor Jahren hatte es Überlegungen gegeben, in Sachsen neben deutschen und amerikanischen Chipfabriken auch einen südkoreanischen Halbleiterhersteller anzusiedeln: Für Samsung sprach und spricht der Umstand, dass der Mischkonzern bereits mit seiner Oled-Tochter „Novaled“ in Dresden vertreten ist und den Standort kennt. Ein Unternehmen wie SK Hynix wiederum hätte wahrscheinlich besonders gute Chancen auf Chipgesetz-Subventionen, weil es seit der Qimonda-Pleite keinen großen Speicherchiphersteller mehr in Europa gibt. Andererseits hätten die Koreaner – gerade in Zeiten eines wieder wachsenden Protektionismus – durch einen Fabrikbau hierzulande einen besseren Marktzugang und Auftragschancen in Europa. Und sie könnten sich unabhängiger von Handelskriegen und Lieferketten-Störungen in Asien oder an seinen US-Standorten machen.

Das neue Novaled-Forschungszentrum Dresden neben der umgebauten Mühle. Foto: Heiko Weckbrodt
Forschung- und Fertigungszentrum der Samsung-Tochter Novaled in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

In Dresden wäre Samsung die vierte Foundry

Dresden als größter Mikroelektronik-Standort in Europa würde zwar prinzipiell für eine südkoreanische Ansiedlung in Frage kommen: Hier gibt es bereits ein ganzes Ökosystem aus einander ergänzenden Chipfabriken, Mikroelektronikzulieferern und Dienstleistern mit jahrzehntelangen Erfahrungen – anders als etwa in Magdeburg. Allerdings haben sich hier mit TSMC, Globalfoundries und X-Fab bereits drei größere Halbleiter-Auftragsfertiger (Foundry) in Dresden angesiedelt. Sprich: Der Samsung-Konzern, der nicht nur eigene Chips herstellt, sondern auch als Foundry agiert, würde sich hier neben teils direkten Konkurrenzen ansiedeln. Und zumindest in früheren Dekaden des Prozessorrennens zwischen Intel und AMD galt in der Halbleiterei das unausgesprochene Prinzip: Von zum Beispiel AMD eine Fabrik hat, da baut Intel nicht – und umgekehrt.

Auch FMC Dresden will in Magdeburg bauen

Für Magdeburg wiederum spräche die bereits vorbereitete große Fläche, die ursprünglich für die Intel-Werke gedacht war. Dort will sich jedoch auch die Dresdner Spezialspeicherchip-Firma „FMC“ ansiedeln, wobei die noch längst nicht das Geld für eine Milliarden-Fab beisammen hat.

Subventions-Wind hat sich unter Reiche-Bär etwas gedreht

Und: Die Merz-Regierung und speziell auch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) wollen zwar die deutsche Halbleiterindustrie weiter stärker, gelten aber nicht als Fans milliardenschwerer Subventionen für neue Chipfabriken, die auf Menge produzieren. Reiche wie auch Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) wollen in ihrer Mikroelektronikstrategie vor allem Innovationen fördern und Lücken in der Wertschöpfungskette schließen – etwa durch ein deutsches Chipdesign-Zentrum, um das sich unter anderem Dresden und München gemeinsam bewerben. Inwieweit in diese Förderrichtungen eine Samsung-Ansiedlung hineinpasst, ist unsicher.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Digitimes Asia, Oiger-Archiv, WFS, Computerbase, Wikipedia

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger