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Industrie fordert mehr Mikroelektronik in Deutschland

Blick in das 300-mm-Fabrikmodul von Infineon Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt
Blick in das 300-mm-Fabrikmodul von Infineon Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Bitkom-Umfrage: Großer Rückhalt für Förderung eigener Chip-Produktion und -Forschung

Berlin, 29. Oktober 2025. „Halbleiter sind zum geopolitischen Machtfaktor geworden. Deutschland und Europa müssen gezielt eigene Halbleiterkompetenzen ausbauen, um ihre technologische und wirtschaftliche Handlungsfähigkeit zu sichern.“ Das hat Präsident Ralf Wintergerst vom deutschen Digitalverband „Bitkom“ gefordert.

Wintergerst stützt sich dabei auf eine Umfrage in der Industrie sowie informationstechnologischen und Telekommunikations-Unternehmen. Von denen halten nämlich rund 96 Prozent die Förderung einer einheimischen Chip-Produktion und Mikroelektronik-Entwicklung für „eher“ oder „äußerst“ wichtig.

Als besonderen Fokus fordern die befragten Unternehmen die Entwicklung von Beschleuniger-Schaltkreisen für Künstliche Intelligenz (KI). Ein weiterer Wunsch: 90 Prozent wollen, dass Deutschland auch eigene Chip-Endmontage-Kapazitäten aufbaut. Diese „Backend“-Fabriken sind derzeit fast ausschließlich in Asien konzentriert. In Europa gibt es dafür nur in Portugal nennenswerte Kapazitäten. Die hatte einst zwar der deutsche Speicherchipkonzern Qimonda aufgebaut, inzwischen gehören sie aber dem US-Konzern Amkor, der sich letztlich vermutlich den Weisungen der wirtschaftskrieg-freundlichen Trump-Regierung beugen würde.

Ralf Wintergerst. Foto: Bitkom
Ralf Wintergerst. Foto: Bitkom

„Europa braucht wettbewerbsfähige Strukturen entlang der gesamten Halbleiter-Wertschöpfungskette“
Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst

„Europa braucht wettbewerbsfähige Strukturen entlang der gesamten Halbleiter-Wertschöpfungskette – von Forschung und Design bis Fertigung und Packaging“, betont nun Wintergerst. „Europa hat mit dem Chips Act und Deutschland mit der Mikroelektronik-Strategie sowie der Hightech Agenda den richtigen Kurs eingeschlagen.“

„Nexperia“-Krise hat gezeigt, wie sehr Deutschland in der Chipendmontage vom Ausland abhängig ist

In der jüngst vorgestellten Bundes-Mikroelektronikstrategie ist ausdrücklich auch der Aufbau eigener Chip-Endmontage-Kapazitäten vorgesehen. Wie sehr Europa beim „Backend“ von Asien abhängig ist, hatte sich jüngst erst wieder während der Nexperia-Krise gezeigt: Nachdem die niederländische Regierung den Elektronikhersteller auf US-Druck den chinesischen Eigentümern de facto weggenommen hatte, verhängten die ein Exportstopp. Zwar stellt Nexperia viele Dioden, Transistoren und andere Bauelemente für Europas Autoindustrie in den Niederlanden und Deutschland her – aber nur bis zur fertig prozessierten Siliziumscheibe. Für die Endmontage müssen die Nexperia-Wafer nach China gebracht werden – und dieser Pfad verschließt sich mehr und mehr, weil viele europäischen Regierungen bei den Antichina-Wirtschaftskriegen der Amerikaner mitmachen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Bitkom, Oiger-Archiv, Wikipedia

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger