Globalfoundries verkündet Milliardeninvestition in Dresden

Beim Merz-Besuch in Sachsen konkretisieren sich nun die Fabrikausbau-Pläne
Dresden, 28. Oktober 2025. „Globalfoundries“ (Glofo) will 1,1 Milliarden Euro in den Ausbau seiner Dresdner Chipfabrik investieren. Bund und Freistaat fördern dieses Vorhaben durch Sondersubventionen im Zuge des europäischen Chipgesetzes. Das hat der US-Halbleiterkonzern bei einem Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (beide CDU) nun auch offiziell verkündet – zuvor waren die Pläne bereits tröpfchenweise durchgesickert.
Auftragsfertiger betont Nutzen für Europas Luft- und Raumfahrt, Verteidigung und kritischer Infrastruktur
Durch den Ausbau will der Mikroelektronik-Auftragsfertiger seine Produktionskapazitäten in Dresden von derzeit 950.000 Siliziumscheiben (Wafer) pro Jahr auf 1,1 Millionen im Jahr 2028 steigern. Die bereits existierenden Reinraum- und Laborflächen sollen um rund zehn Prozent auf zirka 65.000 Quadratmeter wachsen.
Dieses „Sprint“ genannte Projekt soll laut Glofo „erstmals durchgängige europäische Fertigungsprozesse und Datenflüsse für Sicherheitsanforderungen von Kunden in den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Verteidigung sowie kritischer Infrastruktur“ in Deutschland möglich machen. Ein Fokus richtet sich dabei auf Chips auf Basis der Glofo-Transistorarchitektur „FDX“ mit wenig Stromverbrauch, eingebetteten innovativen und besonders sicheren Speicherzellen und Beschleuniger-Schaltkreise für „Künstliche Intelligenz“ (KI). Diese „Physical AI”-Technologie bringe „Intelligenz direkt in die Chips und Sensoren“, verspricht der Mikroelektronik-Konzern.
Weitere Ausbaustufen bis 2035 geplant
Zudem sollen weitere Großinvestitionen in Sachsen folgen: „GlobalFoundries‘ Masterplan für seinen deutschen Standort sieht weiter vor, dass im Anschluss an das laufende Projekt drei weitere Ausbaustufen bis Mitte der 2030er Jahre folgen sollen.“
„Die wirtschaftliche Verwundbarkeit Deutschlands bei zu großen Abhängigkeiten wird uns aktuell am Beispiel des Chipherstellers Nexperia vor Augen geführt.“
Michael Kretschmer, sächsischer Ministerpräsident
„Das Sprint-Projekt ist ein Bekenntnis zum Industriestandort und zum Innovationsstandort Deutschland“, lobte Kanzler Merz die Dresdner Chipwerker. „Gestärkt wird damit aber nicht nur die sächsische Wirtschaft – auch Deutschland und Europa profitieren“, ergänzte der sächsische Ministerpräsident Kretschmer. „Denn mehr hier gefertigte Chips heißt auch mehr deutsche und europäische Souveränität und technologische Unabhängigkeit in dieser Schlüsselbranche. Die wirtschaftliche Verwundbarkeit Deutschlands bei zu großen Abhängigkeiten wird uns aktuell am Beispiel des Chipherstellers Nexperia vor Augen geführt.“

„Physical AI“: Konzernchef sieht dezentrale KI-Beschleuniger als nächste große Innovationswelle
In eine ähnliche Kerbe schlägt Tim Breen: „Die jüngsten Störungen im Automobilsektor verdeutlichen, wie anfällig globale Chip-Lieferketten tatsächlich sind“, meint der Glofo-Konzernchef. „Unsere geplante Expansion in Dresden ist ein weiterer Schritt in der Strategie von GF, diese Herausforderungen gezielt anzugehen und unser Engagement für sichere Lieferketten und differenzierte Technologien in Europa zu erfüllen.“ Das Unternehmen stärke so seine Rolle als „widerstandsfähiger und vertrauenswürdiger Partner für Kunden in kritischen Industrien und schafft die Grundlage für die nächste Innovationswelle, während Physical AI Realität wird“.
Auch Mittelstand und Start-ups sollen vom Ausbau profitieren
Glofo-Standortchef Manfred Horstmann hatte zuvor schon einige konkrete Eckpunkte des Werkausbaus skizziert. Der nämlich soll die Basis legen, damit die Dresdner in Zukunft neben Automobilbau, Smartphone-Branche und ähnlichen Industrien künftig verstärkt auch Luft- und Raumfahrt sowie das Militär in Europa beliefern kann.
Spinncloud: Ausbau wird KI-Lösungen begünstigen, die vom menschlichen Gehirn inspiriert sind
Außerdem will Horstmann auch die Fertigung von Chip-Prototypen und -Kleinserien auf sogenannten „Shuttle“-Wafern für Unis, Mittelstand und innovative Jungunternehmen ausbauen. Ein Beispiel ist das noch junge Neurocomputer-Unternehmen „Spinncloud“: „Als Deep-Tech-Unternehmen mit Sitz in Dresden können wir dank der Expansion und Kapazitätserweiterung von Globalfoundries die Kommerzialisierung unserer neuromorphen Computertechnologien beschleunigen und so KI-Lösungen, die vom menschlichen Gehirn inspiriert sind, schneller und effizienter auf den Markt bringen“, betont Spinncloud-Chef Hector Gonzalez. „Insbesondere die räumliche Nähe und die fortschrittlichen Fertigungskapazitäten tragen entscheidend dazu bei, unsere ehrgeizigen Wachstumspläne zu unterstützen und die Rolle Dresdens als globaler Knotenpunkt für KI-Hardware der nächsten Generation zu stärken.“
Gewerkschafter drängen auf mehr regionale Lieferketten im Silicon Saxony
Auch die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) begrüßte die Ausbaubeschlüsse des US-Konzerns. „Investitionen sind der einzige Weg, um Deutschland und Europa bei der Chipproduktion unabhängig zu machen“, meint IGBCE-Landesbezirksleiterin Stephanie Albrecht-Suliak. Zugleich plädieren die Gewerkschafter aber für stärker geschlossene regionale Wertschöpfungsketten in Sachsens Mikroelektronik: „Wir haben in der Region eine komplette Wertschöpfungskette und große Potenziale, doch viele handeln ihre Produkte global, anstatt regional und resilient aufzutreten“, argumentiert IGBCE-Bezirksleiter Philipp Zirzow. Ein Beispiel sei die Chlorchemie von Dow Chemical: Sie werde in großen Mengen in der Halbleiterindustrie benötigt, aber nicht regional bezogen. Die Wacker AG in Nünchritz könne reines Silizium herstellen, das in Freiberg bei Siltronic AG zu Einkristallen gezüchtet und anschließend als Wafer in Dresdner Chipfabriken weiterverarbeitet werden könne. „Aktuell gehen diese Produkte rund um die Welt, obwohl die regionale Zusammenarbeit alle Beteiligten stärken könnte“, ärgert sich Zirzow.
Rund 3000 Jobs im Werk Dresden
Seit der Übernahme der AMD-Fabrik in Dresden im Jahr 2009 hat Globalfoundries laut eigenen Angaben rund zehn Milliarden Euro in den Standort investiert. Derzeit beschäftigt das Unternehmen in seinem Dresdner Werk rund 3000 Menschen.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Globalfoundries, Oiger-Archiv

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