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Neue Kapitalspritze für Skeleton

Oliver Ahlberg und Taavi-Madiberk von Skeleton zeigen ihre Ultrakondensatoren. Foto: Skeleton

Oliver Ahlberg und Taavi-Madiberk von Skeleton zeigen ihre Ultrakondensatoren. Foto: Skeleton

Esten wollen in ihrer Fabrik in Sachsen mehr Stromspeicher bauen

Tallin/Großröhrsdorf, 28. Januar 2022. Europäische Risikokapitalisten investieren weitere 37,6 Millionen Euro in „Skeleton Technologies“. Das hat das estnisch-sächsische Energiespeicher-Unternehmen in Tallinn mitgeteilt. Die Skeleton-Chefs wollen mit dem Geld die Produktion von Superkondensatoren (Supercaps) in ihrer Fabrik in Großröhrsdorf bei Dresden ausbauen und die Weiterentwicklung von graphen-basierten Supercaps vorantreiben.

Große Nachfrage aus Autobranche und anderen Industrien

Die Esten stellen in Sachsen Energiespeicher her, die Strom viel schneller als Akkus laden und wieder abgeben können. „Die Superkondensatoren von Skeleton Technologies können in Sekunden aufgeladen werden und haben eine Million Ladezyklen“, erklärte der neue estnische Hauptinvestor Taavet Hinrikus seinen Kapitaleinsatz für das Unternehmen. „Dies, gepaart mit hoher Effizienz, hat sie zum bevorzugten Lieferanten für Blue-Chip-Unternehmen aus der Automobil- bis hin zu Netz- und Industrieanwendungen gemacht.“ Die Kunden-Nachfrage sei groß, betonte Skeleton-Chef Taavi Madiberk. Daher will er nun auch die Fertigungskapazitäten in Großröhrsdorf ausbauen.

Taavet Hinrikus aus Estland hatte 2011 das Finanzunternehmen "Wise" gegründet. Inzwischen investiert in junge Unternehmen wie Skeleton. Foto: Wise

Taavet Hinrikus aus Estland hatte 2011 das Finanzunternehmen „Wise“ gegründet. Inzwischen investiert in junge Unternehmen wie Skeleton. Foto: Wise

Mehr Energiedichte für Superkondensatoren durch Graphen

Die Skeleton-Investoren setzen zudem große Hoffnungen in die nächste Generation von Supercaps, die durch verbesserte zweidimensionale Kohlenstoffnetze eine deutlich höhere Energiespeicherdichte als heutige Modelle erreichen sollen. Parallel zu dieser Graphen-Technologie will Skeleton seine Superkondensatoren mit großen Lkw- und Pkw-Akkus koppeln, um das hohes Ladetempo der Supercaps mit den großen Kapazitäten von Lithium-Ionen-Akkus zu verbinden.

Investor: Materialinnovationen entscheidend für EU-Klimaziele

„Ich bin davon überzeugt, dass die nächste Generation von Batterietechnologien – die es uns ermöglichen werden, unsere Klimaziele zu erreichen – durch Materialinnovationen ermöglicht wird“, meint Investor Taavet Hinrikus. Die Arbeit daran hat nach Ansicht des Skeleton-Managements auch eine strategische Dimension für Europa: Derzeit werde „der Batterie- und Energiespeichermarkt vollständig von asiatischen Unternehmen dominiert“, warnte Taavi Madiberk. Wenn Europa seine ehrgeizigen Klimaschutzziele erreichen wolle, müsse es bei der Entwicklung von Schlüsseltechnologien mehr Tempo an den Tag legen.

Bisher 200 Millionen Wagniskapital eingesammelt

Skeleton wurde 2009 in Estland gegründet, hat seine bisher größte Fabrik aber in Sachsen gebaut. Das Unternehmen beschäftigt in Deutschland derzeit 170 Mitarbeiter, die vor allem in der Fabrik in Großröhrsdorf tätig sind. Bis zum Jahresende seien 60 weitere neue Jobs geplant, kündigte Skeleton-Sprecher Arnaud Castaignet an.

An der jüngsten Finanzierungsrunde beteiligen sich Taavet Hinrikus, das niederländische Finanztech-Unternehmen Adyen, Benqt Wahlqvist, vom Batterieunternehmen CTEK und EIT Innoenergy. Insgesamt hat Skeleton bisher rund 200 Millionen Euro von Risikoinvestoren bekommen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Skeleton, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt