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Krimi „Das Zeichen des Fremden“: Rekke und Varga jagen sadistischen Frauenmörder

Umschlagbild von "Das Zeichen des Fremden" von David Lagercrantz. Abb.: Heyne-Verlag
Umschlagbild von „Das Zeichen des Fremden“ von David Lagercrantz. Abb.: Heyne-Verlag

Fesselnd: David Lagercrantz’ setzt wieder sein ungleiches Ermittlerduo auf erkaltete Fälle an

Und wieder setzt der schwedische Autor David Lagercrantz (bekannt als Fortsetzer von Stieg Larssons „Millennium“-Reihe) sein ungleiches Ermittlerpaar Rekke und Varga auf einen alten Fall an, diesmal auf einen fast vergessenen Frauenmord in Spanien. Um es gleich zu sagen: „Das Zeichen des Fremden“ ist Spannung pur, raffiniert geschrieben und fesselnd.

Die Story: Junge Schweden einst in bizarren Mord in Spanien verwickelt

Wenn etwas Musikprofessor Hans Rekke und Vorort-Polizistin Micaela Varga richtig heiß macht, dann sind es „kalte Fälle“, cold cases. Und so kommt der spanische Chefinspektor Rafael Corales gerade richtig, um den brillanten, aber eben auch manisch-depressiven Rekke aus seinem jüngsten Lethargie-Schub zu reißen, der seine Mitbewohnerin Varga enorm nervt: Der Spanier ist extra nach Stockholm gereist, um dem legendären Privatermittler-Duo über einen 20 Jahre alten Fall zu erzählen, der ihm keine Ruhe lässt, weil ihm der Täter einst durch die Lappen ging: Nach einer Fiesta fand man damals eine junge Frau grausam zugerichtet in einen alten Baum gerammt, gefoltert, ermordet.

Eine Art schwedischer Dr. Mabuse treibt seit Jahrzehnten in Europa sein Unwesen

Der scharfsinnige Exzentriker Rekke und die professionelle Ermittlerin Vargas erahnen eine Spur nach Skandinavien und erkennen rasch eine Serie bisher ungeklärter Frauenmorde in ganz Europa. Was bald auch immer deutlicher wird: Es ist wohl kein Zufall, dass der Täter nie gefasst wurde. Ganz offensichtlich hat der sadistische Mörder mächtige Freunde in der skandinavischen Politik und Literaturszene. Und er beherrscht die Gabe, andere Menschen suggestiv klein zu machen und regelrecht zu kontrollieren – eine Art Dr. Mabuse von Schweden…

Fazit: Gleichermaßen spannende wie hintersinnige Krimikost

Anfangs treibt Lagercrantz seine Story nur sehr langsam voran, konzentriert sich darauf, seinen Akteuren auf zwei Zeitebenen mehr und mehr Leben einzuhauchen. Aber schon bald gewinnt der erzählerische Fluss stark an Tempo, umspült dabei raffiniert ausgelegte Wellenbrecher, die den Leser zweifeln und rätseln lassen. Am Ende erkennt man ein besonders perfides Über-die-Bande-Spiel. Dabei zeigt sich eben auch: Während andere Autoren in ihren Krimireihen oft mit jedem Buch etwas nachlassen, wird Lagercrantz Serie mit Rekke & Vargas immer besser. Der dritte Band ist voll hintergründiger Metaphern, konzentriert sich auf besonders verschlagene und manipulative Menschen, auf Sadisten und hochmütige Tyrannen, die nur darauf aus sind, auffallend talentierte schöne Frauen zu vernichten und Schwächere, Feiglinge wie auch Schwankende zu erniedrigen. Das liest sich weg wie nichts und nährt eigentlich nur ein Bedauern: Warum war das Buch so kurz?!

Kurzüberblick:

  • Titel: „Das Zeichen des Fremden“
  • Originaltitel: „Post Mortem“
  • Autor: David Lagercrantz
  • Genre: Schwedenkrimi
  • Verlag: Heyne
  • Umfang: 416 Seiten
  • Preis: 16 Euro (E-Buch) bzw. 24 Euro (Papierausgabe)
  • ISBN: 978-3-641-26907-4

Autor der Rezension: Heiko Weckbrodt

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger