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„Die Zeit der Arbeits-Spartaner ist vorbei“

Die Kriegerkaste im antiken Sparta galt als besonders abgehärtet, allem Luxus abhold und von extremer Einsatzmoral. Doch die Zeit der Arbeits-Spartaner ist auch in Sachsen vorbei, meint Wirtschaftsminister Martin Dulig. Foto: Heiko Weckbrodt

Die Kriegerkaste im antiken Sparta galt als besonders abgehärtet, allem Luxus abhold und von extremer Einsatzmoral. Doch die Zeit der Arbeits-Spartaner ist auch in Sachsen vorbei, meint Wirtschaftsminister Martin Dulig. Foto: Heiko Weckbrodt

Sachsen bleibt attraktiv für Ansiedlungen – muss aber Fachkräfteprobleme und Energiefragen in den Griff bekommen

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Dresden, 30. März 2023. Der Aus- und Neubau von Lagern, Logistik, Akkutechnik und Recycling-Anlagen haben die Investitionen in Sachsen im Jahr 2022 mitgeprägt – zumindest wenn man jene Ansiedlungen und Erweiterungen zugrunde legt, die die „Wirtschaftsförderung Sachsen“ (WFS) betreut hat. So verzeichnet die WFS-Statistik für das vergangene Jahr insgesamt 16 Ansiedlungen sowie Erweiterungen, in die die beteiligten Unternehmen 689 Millionen Euro investieren und 1120 neue Jobs schaffen wollen. Angesichts des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes seien dies sehr gute Ergebnisse, zog WFS-Chef Thomas Horn heute Bilanz.

Ansiedlungs- und Ausbaubeispiele 2022:

Der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD). Foto: Heiko Weckbrodt

Der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD). Foto: Heiko Weckbrodt

Dulig: Sachsen darf nicht Schlusslicht bei Windkraft und Löhnen bleiben

Mit Blick auf diese und weitere Ansiedlungen habe Sachsen seine Position als attraktives Zielland für Investoren behauptet, schätzte der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) ein. Allerdings müssten Unternehmer und Wirtschaftspolitiker daran arbeiten, weiter existierende Standort-Nachteile auszubügeln und die drei zentralen Herausforderungen „Digitalisierung“, „Dekarbonisierung“ sowie „demografischer Wandel“ zu meistern, betonte er.

So sei der Freistaat innerhalb Deutschlands das Schlusslicht beim Ausbau erneuerbarer Energiequellen wie Wind- und Solaranlagen. Hier sehen Dulig und Horn aber mit den Plänen von Leag und Mibrag, in den alten Braunkohlerevieren Wind- und Solarparks der Gigawatt-Klasse aufzubauen, sowie den Fabrikausbauten des Solarmodul-Herstellers „Meyer Burger“ in Freiberg und im nahen Thalheim hoffnungsvolle Ansätze, mehr Ökokraftwerke ans Netz zu bekommen. Wichtig sei es aber auch, ein leistungsfähiges Verteilernetz für umweltfreundlichen gewonnenen Wasserstoff aufzubauen. Zudem müsse Sachsen seine die Stromnetze ertüchtigen und gemeinsam mit dem Bund das Bahnnetz verbessern, so der Minister.

Bis 2030 fehlt Sachsen eine Viertelmillion Arbeitskräfte

Ein Dreh- und Angelpunkt für die ökonomischen Perspektiven Sachsens bleibt zudem der Arbeits- und Fachkräftemangel: Bis 2030, so hat es die Landesregierung errechnet, werden der Wirtschaft im Freistaat 250.000 Menschen fehlen, um den Bedarf der Wirtschaft zu decken.

Als Antwort darauf setzt Dulig auf eine Kombination mehrerer Lösungsansätze: Zuwanderung, Automatisierung inklusive neuer Robotik-Lösungen, aber vor allem auch darauf, das innere Arbeitskräfte-Potenzial in Sachsen besser auszuschöpfen. Den Schlüssel, um mehr Arbeitskraft im Inland zu mobilisieren, sieht er in höheren Löhnen sowie generell besseren Arbeits- und Lebensbedingungen. „Die Zeit der Arbeits-Spartaner ist vorbei“, erklärte der Minister in Ausspielung auf die legendäre Einsatzmoral der antiken Spartiaten. Sprich: Wer heute als Unternehmer junge Fachleute für sich gewinnen will, muss ihnen mehr bieten als nur eine Zusage für einen 40-Stunden-Job, eben beispielsweise Teilzeit-Optionen, hohe Löhne und besondere Boni für die rechte Balance zwischen Beruf und Privatleben.

Gezielte Arbeitskraft-Akquise in Kirgisien, Usbekistan, Vietnam und Brasilien

Zudem soll für die Wirtschaftsförderung Sachsen neben der Investoren-Werbung in Zukunft stärker als bisher die Fachkräfte-Akquise eine zentrale Arbeitsaufgabe werden. Auch will das Kabinett in Dresden nicht darauf warten, dass ausländische Spezialisten in Sachsen an die Tür klopfen, sondern zielgerichtet in Ländern mit hoher Jugendarbeitslosigkeit Fachkräfte akquirieren. Dabei werde sich Sachsen demnächst auf fünf bis sechs Zielregionen konzentrieren, kündigte der Wirtschaftsminister an. Dazu werden Vietnam, Brasilien, Kirgisien, Usbekistan und womöglich weitere zentralasiatische Staaten gehören. „Ein erstes Projekt mit Kirgisien läuft bereits“, berichtete Dulig. 50 junge Kirgisen seien bereits gefunden, die in Deutschland arbeiten und lernen wollen und die im Vorfeld Deutschunterricht bekommen sollen. „Nun müssen wir allerdings auch genug sächsische Unternehmen finden, die da anbeißen.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Dulig, Horn, Oiger-Archiv