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Sächsische Nanofilter säubern kanadischen Boden

Der sächsische Unternehmer Andreas Junghans. Foto: Heiko Weckbrodt

Mit Fleischmaschinen hat Andreas Junghans angefangen – heute gilt er als Pionier für keramische Filteranlagen

Frankenberg, 13. September 2022. Andreas Junghans ist ein Tüftler der alten Schule. Es gibt kaum etwas Stählernes unterhalb der Tankerklasse, das er noch nicht gebaut hat: Er hat die Fleischwölfe seines Vaters in Chemnitz repariert, dann Tausende „McDonald’s“-Imbissbuden weltweit mit seinen selbstkonstruierten Kühlschränken ausgestattet. Seine Filteranlagen helfen den Kanadiern, verölten Böden zu säubern. Heute beschäftigt er in seinem Metallbau-Unternehmen im sächsischen Frankenberg rund 30 Menschen – und gilt als Pionier der Nanokeramikfilter-Anlagentechnologie.

Alles begann in der elterlichen Fleischerei in Chemnitz

„Meine Eltern hatten eine Fleischerei im Chemnitz, aber es gab kaum einen, der ihre Maschinen reparierte“, erzählt Junghans über die bescheidenen Anfänge 1980 als kleiner Privatunternehmer zu DDR-Zeiten. Seine Firma reparierte und baute Maschinen für die Lebensmittelindustrie. „Gegen Ende der DDR hatte ich bereits Aufträge über fünf Millionen Ost-Mark für den ganzen RGW*-Raum“.

Schweißer fügen Metallteile in der Werkhalle von Andreas Junghans in Frankenberg zusammen. Foto: Heiko Weckbrodt

Schweißer fügen Metallteile in der Werkhalle von Andreas Junghans in Frankenberg zusammen. Foto: Heiko Weckbrodt

Mit der Mauer fielen auch Millionenaufträge für den kleinen DDR-Privatbetrieb weg

Dann fiel die Mauer und die RGW-Aufträge waren futsch. Einen großen Wurf landete das inzwischen von Chemnitz nach Frankenberg umgezogene Unternehmen mit einem selbstentworfenen Gaststätten-Kühlschrank. Der gefiel „McDonald’s“ so gut, dass Junghans davon 5000 an den Imbissriesen verkaufen konnte – zeitweise wuchs die Belegschaft dadurch auf rund 80 Beschäftigte. Der Großauftrag lief zwar letztlich aus und danach schrumpfte der Betrieb auch wieder ein Stück weit. Nun konzentrierte sich Junghans immer mehr Auf den Sonderanlagenbau und andere Auftragswerke aus Stahl und Alu. Zu den Kunden gehören internationale Eisenbahn-Zulieferer, Pharma- und Lebensmittelbetriebe und viele andere.

Nanofilter-Anlagen sind eine Spezialität von Andreas Junghans. Foto: Heiko Weckbrodt

Nanofilter-Anlagen sind eine Spezialität von Andreas Junghans. Foto: Heiko Weckbrodt

Erfolgreiche Kooperation mit Fraunhofer-Keramikinstitut IKTS

Einen technologischen Vorsprung sicherte sich Junghans dann vor allem durch eine langjährige Kooperation mit dem Fraunhofer-Keramikinstitut IKTS Dresden und deren Hermsdorfer Außenstelle: Hochfeine Keramikfilter, die nur nanometer-kleine Schmutzteilchen und andere Partikel aus Flüssigkeiten heraussieben und wertvolle Rohstoffe aus Industrieabwässern zurückgewinnen konnten, wurden zu einer Spezialität dieses Schrittmachers aus Frankenberg. Auf dieser Basis baute das Junghans-Team beispielsweise für einen kanadischen Auftraggeber eine Anlage, die beim Auswaschen von Ölsand hilft, Filteranlagen für Tunnelreinigungsysteme und dergleichen mehr.

Auf der Jagd nach Seltenen Erden

Ein ambitioniertes Entwicklungsprojekt von regelrecht wirtschaftsstrategischer Dimension realisierte der Betrieb gemeinsam mit dem IKTS und der Nickelhütte Aue: „Ziel war es, wichtige Rohstoffe wie Seltene Erden aus Abwässern und perspektivisch auch aus alten Abraumhalden zurückzugewinnen“, berichtet Ingenieur Alexander Felix, der das Projekt mitbetreut hat. Auch hier setzten die Sachsen auf Nanotechologie, diesmal aber nicht auf Filter, sondern auf spezielle Membranen für die Phasentrennung.

Nun rückt Wasserstofftechnik in den Fokus

Bei diesem und ähnlichen Projekten verteidigte das Unternehmen immer wieder seinen Ruf als ein „Hidden Champion“, als ein Technologieführer und Schrittmacher in der Nische. Allerdings gibt es eben auch keine Erfolge ohne gelegentliche Rückschläge: Das gebaute System habe zwar funktioniert, habe aber nicht wirtschaftlich genug für eine praktische Verwertung gearbeitet, räumt Alexander Felix auf Oiger-Nachfrage ein. „Dies kann sich aber jederzeit wieder ändern“, betonte der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) bei einer Stippvisite bei Junghans: „Wenn sich die Rohstoffpreise weiter so verteuern, kann sich der Einsatz in Zukunft rechnen.“

Mehr und mehr rücken nun auch die spezielle Anlagentechnik für die wachsende deutsche Wasserstoffwirtschaft in den Fokus des Unternehmens. „Da liegt die Zukunft“, ist Andreas Junghans überzeugt.

* Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe – ein Vertragswerk über Handel und wirtschaftliche Spezialisierungen innerhalb des Ostblocks

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Vor-Ort-Besuch, Auskünfte Andreas Junghans, SMWA

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