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5G-Netze sollen Autos vor Traktoren warnen

Vor allem während der Erntezeit kommen sich Landmaschinen und Autos auf dem Land ins Gehege. Foto: TU Dresden

Vor allem während der Erntezeit kommen sich Landmaschinen und Autos auf dem Land ins Gehege. Foto: TU Dresden

Projekt „ON/OFF Road Safety“ in Sachsen soll Unfälle und Staus auf dem Lande mindern

Dresden/Köllitsch, 12. September 2022. Um Staus und Unfälle zwischen Traktoren und Autos künftig zu vermeiden, experimentieren Dresdner Verkehrsforscher derzeit rings um das sächsische Versuchsgut in Köllitsch mit einem 5G-Verkehrsfunknetz. Im Zuge des gemeinsamen Projektes „ON/OFF Road Safety“ vernetzen die Wissenschaftler der TU Dresden und des Fraunhofer-Verkehrsinstituts IVI ihre Landmaschinen mit Autos, die in den Sendebereich einfahren. Die Vehikel können sich dadurch gegenseitig vor Problemen warnen. Das können zum Beispiel überbreite Mähdrescher sein, die auf den Straßen unterwegs sind, oder Erntestaub, der den Autofahrern die Sicht nehmen kann.

„Dimensionen von Landmaschinen werden häufig unterschätzt“

„Hier in Köllitsch konzipieren und erproben wir Anwendungsfälle, wie sie typischerweise auf dem Land auftreten“, erklärte Verbundsprecher Prof. Thomas Herlitzius. „Die Dimensionen von Landmaschinen werden von anderen Verkehrsteilnehmern häufig unterschätzt. Ein Traktor mit Anhänger, der vom Feld auf die Straße biegt oder umgekehrt, benötigt häufig die gesamte Straßenbreite und dies meist länger als erwartet. Durch Staub von Erntearbeiten kann zudem die Sicht auf der Straße eingeschränkt sein und ein Unfallrisiko entstehen.“

Versuche mit 5G wie auch WLAN 802.11p

Um die Fahrzeuge zu vernetzen, setzen die Verkehrsforscher auf den Mobilfunk der 5. Generation sowie den für Verkehrszwecke geeigneten WLAN-Standard 802.11p. Da diese Funkstandards längst noch nicht überall anliegen, spannen sie in und um Köllitsch sogenannte Campusnetze auf, die sich mit mobilen Anlagen starten lassen. Über diese Funkkanäle könnten entsprechend ausgerüstete Autos automatisch Hinweise und Ausweich-Vorschläge bekommen, wenn auf ihrer Strecke eine Landmaschine unterwegs ist. „Dass der spontane Informationsaustausch einzelner Fahrzeuge untereinander, zwischen Fahrzeugen und Verkehrsinfrastruktur oder eben auch mit mobilen Landmaschinen die Verkehrssicherheit erheblich verbessert, zeigen die Demonstrationen im ,Landnetz’ auf sehr eindrucksvolle Weise“, betonte IVI-Chef Prof. Matthias Klingner.

Weil diese Technik noch nicht serienmäßig in Autos und Motorrädern verbaut ist, haben Herlitzius und Klingner einen Beirat aus Vertretern von Landmaschinen- Auto- und Kradherstellern, Verbänden und Versicherungen einberufen. Das Gremium soll helfen, die in und um Köllitsch gewonnenen Erkenntnisse in die Praxis zu überführen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quelle: TUD