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Ingenieur plant Raketenmuseum in Dresden

Privat-Rakete des deutschen Unternehmens Otrag im Jahr 1977. Foto: Sammlung Przybilski

Privat-Rakete des deutschen Unternehmens Otrag im Jahr 1977. Foto: Sammlung Przybilski

Träger-Stiftung soll im April entstehen

Dresden, 31. Januar 2022. Der Ingenieur Dr. Olaf Przybilski will eine „Stiftung Raketentechnik“ gründen, die neben dem Flughafen Dresden ein „Raketentechnisches Museum“ einrichten und betreiben soll. Das hat der 62-Jährige in einem Rundschreiben seiner „Raketen-Post“ mitgeteilt. Die Dauerausstellung soll rund 750 Quadratmeter auf drei Etagen in einem Nebengebäude der einstigen DDR-Luftfahrindustrie umfassen.

Projektleiter Dr. Olaf Przybilski prüft, ob die vorgefertigten Komponenten für die Mira-Rakete auch zusammenpassen. Foto: Heiko Weckbrodt

Die Archivaufnahme zeigt Dr. Olaf Przybilski in der Zeit als Raketen-Projektleiter an der TU Dresden. Hier testet er gerade, ob die vorgefertigten Komponenten für die Mira-Rakete zusammenpassen. Foto: Heiko Weckbrodt

Otrag-Rakete als Zugpferd

Ein Schwerpunkt in dem geplanten Museum soll den Pionieren gelten, den Erfindern und Ingenieuren, die hinter vielen bahnbrechenden Entwicklungen der Raketentechnik standen und stehen – bis hinein in die private Raumfahrt. „Viele denken da nur an Elon Musk und SpaceX“, erklärt Przybilski. „Tatsächlich hat es da aber auch schon in den 1960er Jahren in bemerkenswerte deutsche Entwicklungen gegeben.“ Beispielhaft verweist er auf die „Orbital Transport- und Raketen Aktiengesellschaft“ (Otrag), die erste privatwirtschaftliche Raketenfirma aus Deutschland. Eine dieser Otrag-Raketen will er auch als Großexponat vor dem Museum aufstellen. Möglicherweise werde er auch ein deutsches „Aggregat 4“ (alias V2) von Wernher von Braun aus den 1940ern wieder zusammenbauen und dort aufstellen.

V2-Rakete in Peenemünde. Foto: Heiko Weckbrodt

V2-Rakete in Peenemünde. Foto: Heiko Weckbrodt

Die Menschen hinter der Technik im Fokus

„Andere Raumfahrtmuseen reflektieren vorrangig die Nutzung der Rakete in der Raumfahrt“; erklärt er seinen Ausstellungsansatz. Neu wäre dagegen „ein raketentechnisches Museum, das die einzelnen Lösungen in der Rakete in Verbindung mit deren Erfindern hautnah zeigt, worin man quasi mit den vorgestellten Personen und ihren Technikentwicklungen durch die Raketengeschichte geht“.

Die Visualisierung zeigt die Mira-Rakete und ihr Innenleben: In der blauen Spitze wird der Fallschirm untergebracht. In der grün-schwarzen Komponente dahinter stecken die Bordelektronik, das GPS-Ortungssystem, die Kamera und weitere Instrumente. Der gelbe Behälter dahinter enthält den Stickstoff, der wiederum den flüssigen Sauerstoff und das Ethanol aus den Tanks drückt. Ganz hinten, zwischen den Stabilisator-Flügeln, sind Injektor, Brennkammer und Düse zu sehen. Visualisierung: Smart Rockets

Die Visualisierung zeigt eine Mira-Rakete. Visualisierung: Smart Rockets

Initiator leitete einst selbst Raketen-Entwicklungs

Olaf Przybilski sieht sich selbst als Raumfahrenthusiasten seit dem ersten Flug von Menschen zum Mond. Sein Fokus liegt vor allem auf deutscher Raketentechnik, über die er schon mehrfach publiziert hat, aber auch auf russischen und anderen Raumfahrtmissionen. Ab 1981 studierte er Maschinenbau an der Hochschule für Verkehrswesen in Dresden. 1986 war er ein Gründungsmitglied des „Arbeitskreises Raumfahrt“ beim Kulturbund der DDR. Bis 2016 leitete er an der TU Dresden das Projekt „Smart Rockets“, das auf eigenentwickelte kleine Flüssigkeitsraketen zielte.

Ein Viking-Triebwerk. Foto: Sammlung Przybilski

Ein Viking-Triebwerk. Foto: Sammlung Przybilski

Über Jahrzehnte hinweg Raketenteile, Bilder und Dokus gesammelt

In den vergangenen Dekaden sammelte Przybilski zahlreiche Relikte aus der Raketentechnik- und Raumfahrttechnik. Laut eigenen Angaben sind darunter Raketenteile, Dokumentationen über frühe Triebwerke, Bilder und Skizzen aus der Raketen-Entwicklung, und anderes mehr. Diese und weitere Exponate will er in einem Dresdner Raketenmuseum ausstellen – wenn es der geplanten Stiftung gelingt, dafür genug Geld einzusammeln. Rund 100.000 Euro seien wohl wenigstens notwendig, um das geplante Museum eröffnen zu können, schätzt der Initiator.

Ariane-Raketenmodel bei Ruag Coswig. Foto: Heiko Weckbrodt

Ariane-Raketenmodel bei Ruag Coswig. Foto: Heiko Weckbrodt

Weitere Informationen dazu gibt es beim „Sächsischen Verein für historisches Fluggerät“, Olaf Przybilski, E-Mail raketenspezialisten@gmx.de. Die förmliche Gründung der neuen Stiftung ist für den 12. April 2022 in Dresden terminiert.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Raketen-Post, Gespräch mit O. Przybilski, Oiger-Archiv, Kurzvita Lovely Books

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