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Geschäftschancen für deutsche Wirtschaft in China verschlechtern sich langfristig

Blick ins Volkswagen-Werk Foshan. Noch machen deutsche Unternehmen - trotz vieler Hindernisse - gute Geschäfte in und mit China. Das könnte sich langfristig ändern, warnt eine IfW-Analyse. Foto: Volkswagen

Blick ins Volkswagen-Werk Foshan. Noch machen deutsche Unternehmen – trotz vieler Hindernisse – gute Geschäfte in und mit China. Das könnte sich langfristig ändern, warnt eine IfW-Analyse. Foto: Volkswagen

IfW-Analyse: Autarkie-Kurs kann deutschen Maschinenbauern kurzfristig viele Aufträge bescheren – doch eigene Innovationskraft der Chinesen wächst

Kiel/Peking, 8. April 2021. Für deutsche Unternehmen wird es langfristig schwerer, lukrative Geschäfte in China zu machen. Das hat die Innovations- und Handelsexpertin Dr. Wan-Hsin Liu vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel prognostiziert.

„Konstruktiver Dialog umso dringender“

Denn mit dem jüngsten 5-Jahr-Plan 2021-2025 forciere die KP-Führung den Autarkiekurs für das Land. Sprich: Die Wirtschaftslenker in Peking wollen die chinesische Wirtschaft in dieser Dekade unabhängig von Zulieferungen aus dem Ausland machen und den eigenen Binnenmarkt stärken. „Der neue Fünfjahresplan macht einen konstruktiven Dialog mit China nicht einfacher, aber umso dringender“, betonte IfW Wan-Hsin Liu.

Chinas KP-Chef Xi Jinping. Foto: Antilong, Wikipedia, CC3-Lizenz, bearbeitet

Chinas KP-Chef Xi Jinping. Foto: Antilong, Wikipedia, CC3-Lizenz, bearbeitet

Peking verfolgt schon seit Jahren geduldig einen Modernisierungskurs

Die Ziele im neuen Fünfjahresplan sind per se nicht neu: Schon seit Jahrzehnten versucht die Regierung, den Wissenschaftssektor in China und die Innovationskraft der eigenen Wirtschaft zu stärken. Dies führte 2015 zum Programm „Made in China 2025“. Das zielt darauf, dem Reich der Mitte noch einmal einen starken Modernisierungsschub zu verleihen, immer mehr Glieder der Wertschöpfungskette im eigenen Land zu realisieren und China letztlich bis 2050 zur führenden Industrienation in der Welt zu machen.

Trumps Handelskriege haben KP gezeigt, dass China noch zu abhängig ist

Der Wirtschaftskrieg von US-Präsident Donald Trump (Republikaner) hatte Präsident Xi Jinping und seinen Genossen noch einmal deutlich vor Augen geführt, dass globale Verflechtung für China nicht nur Vorteile hat, die eigene Wirtschaft noch immer viel zu empfindlich gegen Embargos des Westens ist. Besonders gezeigt hat sich das am Beispiel des nationalen Champions „Huawei“, dessen kometenhaften Aufstieg durch Mikroelektronik-Embargos der USA zumindest teilweise ausgebremst wurde: Der Smartphonehersteller und Netzwerkausrüster hat inzwischen keinen direkten Zugriff mehr auf modernste Chips, weil die chinesischen Halbleiterhersteller wie SMIC die Technologie dafür noch nicht ganz beherrschen.

Huawei. Foto: Heiko Weckbrodt

Huawei. Foto: Heiko Weckbrodt

„China will seine Abhängigkeit von ausländischer Technologie, von ausländischen Zulieferern und von der ausländischen Nachfrage reduzieren“, betont Wan-Hsin Liu in ihrer Analyse „Chinas neuer Fünfjahresplan: Wirtschaftliche Kernelemente und Implikationen für Deutschland und Europa“. „Dies ist vor allem auch eine Reaktion auf die Abhängigkeit von amerikanischer Halbleiter-Technologie, die die USA in der Vergangenheit als wirtschaftspolitisches Druckmittel einsetzten, aber auch auf die starken Schwankungen von Weltkonjunktur und Welthandel.“

Pekings Agenda könnte Europas Exportwirtschaft stärker als bisher schaden

Kurzfristig kann der chinesische Modernisierungskurs gerade deutschen Anlagenherstellern und Ausrüstern durchaus sogar zusätzliche Aufträge bescheren, denn noch ist China vom Wissenschafts- und Technologietransfer aus dem Westen angewiesen. „Mittelfristig dürften sich ihre Absatzchancen jedoch verschlechtern, wenn Chinas eigene Unternehmen ihre technologische Leistungsfähigkeit sowie die Vielfalt und Qualität ihrer Produkte steigern konnten“, warnt die IfW-Expertin. „Dann dürften beispielsweise deutsche oder europäische Exporteure und Unternehmen vor Ort noch stärker als bisher schon gegenüber ihrer chinesischen Konkurrenz benachteiligt werden, wenn dies den Entwicklungszielen der chinesischen Regierung nützt.“

Forschungsstand strategisch verbessert

Zudem erntet China auch zunehmend die Früchte jahrzehntelanger Bemühungen, die eigene Grundlagen- und Anwendungsforschung ans internationale Niveau heranzuführen, indem Studenten und Nachwuchswissenschaftler zum Lernen an westliche Unis geschickt wurden. Inzwischen haben viele chinesische Wissenschaftler weltweit einen exzellenten Ruf. Deren Erfolge werden sich – mit der üblichen Zeitverzögerung zwischen Grundlagenforschung und Anwendung – über kurz oder lang in einer gewachsenen Innovationskraft der chinesischen Wirtschaft niederschlagen und tun dies in einigen Sektoren bereits.

Analystin: EU sollte auf eigene Modernisierungsprogramme und auf Abkommen setzen

Deutschland und die EU sollte deshalb aber nicht auf einen harten Abschottungskurs gegen China einschwenken, rät Wan-Hsin Liu: „Es wäre vorteilhaft, wenn die EU das kürzlich geschlossene Investitionsabkommen ratifiziert, darin hat China Zusagen zur Marktöffnung und zur fairen Behandlung ausländischer Unternehmen gemacht, diese kann die EU dann überwachen und einfordern. Außerdem muss die EU die Innovationsfähigkeit ihrer eigenen Unternehmen stärken, etwa durch Investitionen in Bildung, Grundlagenforschung und moderne Infrastruktur.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: IfW, Oiger-Archiv

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