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Bier-Sensor „Plan B“ aus Dresden gewinnt AMA-Innovationspreis

So sieht der prämierte Biersensor "Plan B" von Senorics aus. Foto: Senorics

So sieht der prämierte Biersensor “Plan B” von Senorics aus. Foto: Senorics

TU-Ausgründung „Senorics“ will Trikorder à la „Enterprise“ später auch in Smartphones einbauen

Dresden, 17. Juli 2019. Mit einem mobilen Bier-Sensor namens „Plan B“ hat die Dresdner Uni-Ausgründung „Senorics“ den „Innovationspreis 2019“ des deutschen Branchenverbandes „AMA“ gewonnen. Zusätzlich haben die Dresdner Physiker auch den Sonderpreis in der Kategorie „Junges Unternehmen“ abgestaubt. Das haben das Unternehmen selbst und der „AMA Verband für Sensorik und Messtechnik“ aus Berlin bekannt gegeben.

Hopfen, Malz, Wasser, Hefe – mehr Zutaten sind laut deutschem Reinheitsgebot im Bier nicht erlaubt. Foto: Heiko Weckbrodt

Hopfen, Malz, Wasser, Hefe – mehr Zutaten sind laut deutschem Reinheitsgebot im Bier nicht erlaubt. Foto: Heiko Weckbrodt

Jury: Plan B ragt deutlich heraus

„Die wissenschaftlich überzeugende Lösung ‚Plan B‘ ermöglicht eine mobile Qualitätssicherung durch die Detektion von Inhaltsstoffen und Zusammensetzungen industrieller Rohstoffe oder Lebensmittel, speziell Bier“, würdigte der Juryvorsitzende Prof. Andreas Schütze von der „Universität des Saarlandes“ das Siegerteam. „Die Jury ist sich einig, dass dieser Lösungsansatz mit deutlicher Marktrelevanz aus den 38 Einreichungen in diesem Jahr deutlich herausragt.“

Das Senorics-Gründerteam: Dr. Ronny Timmreck, Robert Langer, Dr. Robert Brückner und Dr. Matthias Jahnel begutachten im Labor die Nir-Sensoren. Foto: Senorics

Das Senorics-Gründerteam: Dr. Ronny Timmreck, Robert Langer, Dr. Robert Brückner und Dr. Matthias Jahnel begutachten im Labor ihre Infrarot-Sensoren. Foto: Senorics

Mobiles Spektrometer verrät Brauern, wie gut die Maische ist

Mit dem handlichen Infrarot-Spektrometer aus Dresden wird es möglich, während des Brauprozesses den Zucker- und Alkohol-Gehalt in der Maische in Echtzeit auszumessen, erklärte Senorics-Chef Dr. Ronny Timmreck. „Wir befinden uns noch in der Markteinführung“, betonte er. „Aber die Nachfrage ist bereits groß.“ Als Kernzielgruppe sieht er vor allem kleinere „Craft“-Brauereien und Hobby-Bierbrauer. „Demnächst liefern wir die ersten zehn Geräte an Kunden aus, damit sie ,Plan B’ in der Praxis testen können.“

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Spektroskopie-Technik aus Astronomie wird tragbar

Die Senorics GmbH entstand 2017 aus einem photonischen Forschungsprojekt am „Institut für Angewandte Physik“ (IAP) der Technischen Universität Dresden (TUD). Die Gründer hatten dafür eine eigentlich lang bekannte Technologie aus der Astronomie und Labortechnik miniaturisiert – und damit einen Masseneinsatz möglich gemacht. Ihre mobilen Spektrometer aus organischer Elektronik senden Infrarot-Licht aus. Treffen diese unsichtbareren Strahlen auf ein Objekt, werden sie teils verschluckt, teils zurückgeworfen – je nachdem, woraus das Objekt besteht. Das kann ein Apfel genauso sein wie ein Bier oder ein T-Shirt. Aus den Mustern im reflektierten Licht kann „Plan B“ dann errechnen, ob das Obst schon reif, das schon Bier gut oder das vermeintliche Kaschmir-Hemd gefälscht ist.

Interesse auch aus Auto- und Agrarindustrie

Und diese Technologie, die ein wenig an die schicken „Trikorder“ vom TV-Raumschiff „Enterprise“ erinnert, lässt sich nicht nur einsetzen, um ein gutes „Weizen“ oder „Pils“ hinzukriegen: Das Team kooperiert beispielsweise mit einem Unternehmen aus der Fahrzeugbranche. Das will die Spektroskopie-Sensoren einsetzen will, um in Autos die Güte der Kühlflüssigkeit zu überwachen. Und ein Landmaschinen-Hersteller will mit der Senorics-Technologie den Stärkegehalt von Getreide vor Ort und in Echtzeit prüfen.

Smartphone-Hersteller liebäugeln mit Dresdner Organik-Technologie

Interesse hat der „Plan B“ aus Dresden auch in der Smartphone-Industrie hervorgerufen. Die wollen damit aber kein Bier brauen, sondern die Mini-Sensoren als Zusatzfunktion in ihre Telefone einbauen, um sich von der Konkurrenz abzusetzen. Denn mit solchen Superscannern im Handy könnte künftig jeder Konsument beispielsweise sofort erkennen, wenn der Supermarkt ihm oder ihr innerlich verdorbenes Gemüse anzudrehen versucht oder der Wirt in der Kneipe Gammelfleisch-Schnitzel kredenzt: einfach das Smartphone dagegenhalten und die App spuckt die Zusammensetzung aus.

Bis zum Trikorder-Smartphone wird es noch dauern

„Bis zum Einsatz im Smartphone wird es noch Jahre dauern“, weiß Ronny Timmreck. Denn erst müssen die neuen Sensoren ihre Zuverlässigkeit in der Praxis beweisen und in Preisregionen von wenigen Euro oder unter einen Euro pro Stück kommen. „Aber wir haben mit allen großen Herstellern Gespräche“, betont der Senorics-Geschäftsführer. „Deren Interesse ist sehr ernsthaft.“

Start-up wächst rasch

Angesichts solcher Nachfrage wächst auch das junge Unternehmen recht rasch: Mittlerweile hat Senorics 24 Mitarbeiter. „Und die Einstellungen gehen weiter“, kündigt der Chef an. „Zum Jahresende wollen wir mindestens 30 Mitarbeiter haben.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Senorics, Ama