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Biersensoren erschnüffeln die Maische

Das Senorics-Gründerteam: Dr. Ronny Timmreck, Robert Langer, Dr. Robert Brückner und Dr. Matthias Jahnel begutachten im Labor die Nir-Sensoren. Foto: Senorics
Das Senorics-Gründerteam: Dr. Ronny Timmreck, Robert Langer, Dr. Robert Brückner und Dr. Matthias Jahnel begutachten im Labor die Nir-Sensoren. Foto: Senorics

Thomas Bohn und andere Risikokapitalisten stecken 2,3 Millionen in Senorics Dresden

Dresden, 19. Dezember 2018. Physiker aus Dresden haben hauchdünne organische Sensoren entwickelt, die erschnüffeln können, ob ein Bier richtig gebraut wird. Dafür setzt die Uni-Ausgründung „Senorics“ die Nah-Infrarot-Spektroskopie (NIR) ein. Nun sind Risikokapitalisten auf das junge Unternehmen aufmerksam geworden und investieren 2,3 Millionen Euro.

Thomas Bohn. Foto: Saxoprint
Archivaufnahme von Thomas Bohn in seiner Zeit als Saxoprint-Chef. Foto: Saxoprint

Ex-Saxoprint-Manager stecken Geld in TU-Ausgründung

Beteiligt sind der Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS), Ventura Investment GmbH sowie die „Tudag TU Dresden Aktiengesellschaft“. Hauptinvestor Ventura ist übrigens ein Beteiligungsunternehmen, das von Thomas Bohn und Frank Schenk von den – inzwischen verkauften – Dresdner Firmen Saxocom AG und Saxoprint GmbH gegründet wurde. „Mit unserer Beteiligung an der Senorics wollen wir für den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Dresden an der Chance auf eine weitere Erfolgsgeschichte mitwirken“, erklärte Ventura-Geschäftsführer Frank Schenk, der selbst auch ein Absolvent der Technischen Universität Dresden war. Die Senorics-Experten wiederum wollen das Geld der Risikokapitalisten einsetzen, um ihre Sensoren für weitere Einsatzfelder serienreif zu machen.

Nahaufnahme der Infrarot-Spektroskopie-Chips. Foto: Senorics
Nahaufnahme der Infrarot-Spektroskopie-Chips. Foto: Senorics

Sensoren für Analysen, die früher nur im Labor möglich waren

„Mit unseren preiswerten und kompakten NIR-Messgeräten ermöglichen wir Analysen, die heute nur im Labor mit teuren, großen und empfindlichen Spektrometern möglich sind“, betonte Senorics-Chef Dr. Ronny Timmreck. „Kurzfristig möchten wir so diese leistungsfähige Analysetechnologie in industrielle Anwendungen wie Prozessüberwachung oder mobile Qualitätskontrollen in der Agrar- und Lebensmittelindustrie bringen. Mittelfristig wollen wir dann durch spezialisierte Consumer-Produkte auch Endverbrauchern wie bspw. Hobbybrauern oder Diabetikern diese Analysen ermöglichen.“

Dr. Ronny Timmreck ist Chef der Senorics GmbH. Foto: Heiko Weckbrodt

Organische Schichten analysieren mit Infrarot-Licht

Dr. Ronny Timmreck, Robert Langer, Dr. Robert Brückner und Dr. Matthias Jahnel hatten die Senorics GmbH 2017 aus dem Leo-Lehrstuhl am Photophysik-Institut IAPP der TU ausgegründet. Spezialisiert sind sie auf dünne und biegsame organische Elektronik und Leuchten (Oleds), die sie zu Spektroskopie-Sensoren auf kleinstem Raum kombinieren: Die Oleds senden die Infrarot-Strahlen aus, die von der Biermaische, einem Apfel, der Haut eines Patienten oder anderen zu untersuchenden Objekten leicht verändert und reflektiert wird. Aus diesem Lichtmuster lassen sich dann Rückschlüsse auf die Zusammensetzung, Temperatur oder mechanische Stabilität des Objektes gewinnen.

Pils aus der Forschungs-Bierbrauerei der TU Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt
Foto: Heiko Weckbrodt

Erster Anwendungsfall ist und bleibt das Bier

Als ersten Kundenkreis wollen die Dresdner Brauereien gewinnen. Denn ihre Sensoren können während des Herstellungsprozesses in Echtzeit den Alkohol- und Zuckergehalt der Maische ermitteln, aus der das Bier entsteht. Dadurch lassen sich qualitätsbestimmende Parameter während des Brauprozesses nachregulieren, um zu einem besseren Bier zu kommen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger