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Scaba plant Batteriefabrik in Dresden

Scaba-Finanzchef Marco Zichner zeigt imInstitut für Leichtbau und Kunststofftechnik (ILK) der TU Dresden, wie die Dresdner Batterien aufgebaut sind: Die Ingenieure packen zugekaufte Rundzellen mit 18 Millimetern Durchmesser in eine Kunststoff-Matrix, die fast beliebige Batterieformen möglich macht. Im Hintergrund steht ein elektrischer Multicar, der mit den Scaba-Energiespeichern ausgerüstet ist. Foto: Heiko Weckbrodt

Ingenieur Marco Zichner ist einer der Gründer von Scaba. Hier zeigt er im Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik (ILK) der TU Dresden, wie die Dresdner Batterien aufgebaut sind: Die Ingenieure packen zugekaufte Rundzellen mit 18 Millimetern Durchmesser in eine Kunststoff-Matrix, die fast beliebige Batterieformen möglich macht. Im Hintergrund steht ein elektrischer Multicar, der mit den Scaba-Energiespeichern ausgerüstet ist. Foto: Heiko Weckbrodt

Flexible Energiespeicher: TU-Ausgründung will fünf bis zehn Millionen Euro investieren

Dresden, 9. November 2017. Das junge Technologie-Unternehmen Scaba plant, im Dresdner Norden eine neue Batteriefabrik einzurichten. Das Investitionsvolumen schätzt Scaba-Mitgründer Marco Zichner auf etwa fünf bis zehn Millionen Euro. „Wir haben jetzt etwa 50 Batterie-Unternehmen draußen bei Kunden im Einsatz und bewiesen, dass unser Konzept funktioniert“, sagt der Ingenieur. „Jetzt gehen wir in den industriellen Maßstab. 2022 wollen wir auf 100 Millionen Euro Jahresumsatz kommen.“

Sonderform-Batterien für elektrische Exoten

Dabei ist das Unternehmen gerade erst zwei Jahre alt. 2015 aus dem Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik (ILK) der TU Dresden ausgegründet, haben die Ingenieure Sebastian Prengel, Marco Zichner, Martin Helwig, Alexander Herbig und Roman Pärschke in Dresden-Klotzsche seither ein pfiffiges Batteriekonzept alltagsreif gemacht. Gedacht sind ihre Batterien vor allem für Firmen, die Spezialfahrzeuge, Lagerroboter, E-Boote oder ähnliche elektrische „Exoten“ bauen. Die brauchen oft besonders geformte Batterien mit hoher Energiedichte. Weil diese Sonderprodukte aber meist nur in kleinen bis mittleren Serien aufgelegt werden, sind diese Aufträge für die großen Batteriekonzerne in Fernost schlichtweg zu klein und deshalb uninteressant.

Standard-Rundzellen sind der basisbaustein vieler Batterie-Konstruktionen. Foto: Heiko Weckbrodt

Standard-Rundzellen sind der Basisbaustein vieler Batterie-Konstruktionen. Den Energiezellen-Markt dominieren hersteller aus Asien. Foto: Heiko Weckbrodt

Energiezellen werden in Kunststoff-Matrix verschaltet

Daher haben die Dresdner Leichtbau-Experten ein System für modular erweiterbare Batterien entwickelt, das an das Lego-Prinzip erinnert: Die Scaba-Ingenieure packen dafür runde Energiezellen senkrecht nebeneinander in eine Art Kunststoff-Netz, das nahezu beliebig zugeschnitten werden kann. Dadurch werden im Vergleich zu den starren Formfaktoren klassischer Industriebatterien nahezu beliebige Batterie-Formen möglich, um die im konkreten Fahrzeug verfügbaren Innenräume besser auszufüllen. Soll zum Beispiel ein neuentwickelter elektrischer Gabelstapler einen Stromspeicher in seinem trapezförmigen Heckraum bekommen, würden traditionelle Batteriewürfel viel Platz verschwenden – im Dresdner Konfektionssystem hingegen nimmt der Energiespeicher die winkligen Formen des Staplers an. Auch der Stauraum unter einem Solardach oder die Hohlräume in einem mobilen Roboter lassen sich so bis zum letzten Liter mit Energiespeichern füllen.

Sachsen versprechen 30 Prozent höhere energfiedichte fürs Gesamtsystem

Der Clou liegt insofern nicht in den einzelnen Batteriezellen. Die kommen von Samsung, LG, Panasonic oder Sony, sind also zugekauft. Das Besondere am Scaba-System sind die anpassbare Kunststoff-Matrix (daher auch der Firmename: Scalierbare Batterien = Scaba), die Zellverbindungen, die Steuerelektronik und ein platzsparendes Kühlkonzept. Unterm Strich entstehen so individuelle und leicht erweiterbare Energiespeicher, die dicht gepackt sind, dennoch nicht überhitzen, zudem auch den Vibrationen und Stößen im harten Fahrzeugalltag gut standhalten, betont Marco Zichner. „Unsere Batterien kommen dadurch auf eine etwa 30 Prozent höhere Energiedichte als herkömmliche Batterien und sind etwa 20 Prozent billiger. Außerdem können wir sie sehr einfach recyceln.“

Lithium-Schwefel-Energiespeicher und andere Batterien mit hoher Energiedichte sind ein Forschungsschwerpunkt am Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) Dresden, an dem Kaskel auch tätig ist. Foto: Fraunhofer IWS

Dresden profiliert sich zum Energiespeicher-Standort. Lithium-Schwefel-Batterien sind zum Beispiel ein Forschungsschwerpunkt am Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) Dresden. Foto: Fraunhofer IWS

Baustein auf dem Weg zum führenden Energiespeicher-Standort

Wie das Konzept in größerem industriellen Maßstab ankommt, bleibt abzuwarten. Die geplante Scaba-Fabrik wäre jedenfalls neben den Daimler-Batteriewerken in Kamenz ein weiterer wichtiger Baustein für das von Wirtschaftsförderern definierte Ziel, den Großraum Dresden zu einem führenden europäischen Energiespeicher-Standort zu entwickeln.

Autor: Heiko Weckbrodt

2 Kommentare

  1. Sam Hawkens sagt

    Und diese „zugekauften Rundzellen“ sind natürlich in unbegrenzter Menge für eine allumfassende Elektromobilität verfügbar. Bei der Herstellung werden keine Schadstoffe freigesetzt, auch der energieverbrauch ist gering, und die Rohstoffe werden fair gehandelt.

    Selten so gelacht!!

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