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Ex-US-Präsidenten sind Schleimkäfer

So etwa sehen die Schleimkäfer aus, die US-Forscher auf die Namen Bush, Cheney und Rumsfeld getauft haben. Skizze: Frances Fawcett, Uni Cornell

So etwa sehen die Schleimkäfer aus, die US-Forscher auf die Namen Bush, Cheney und Rumsfeld getauft haben. Skizze: Frances Fawcett, Uni Cornell

Handbuch unnützen Wissens: „Warum Punker Schildkröten lieben und ein Käfer den Namen Rumsfeld trägt“

Manchmal können Friedensbewegte auch etwas heimtückisch sein: Als die US-Insektenforscher Quentin Wheeler und Kelly Miller 2005 vor der harten Aufgabe standen, insgesamt 65 neuentdeckte Käfern Namen zu verleihen, wählten sie für drei besonders eklige Exemplare, die in verrottetem Holz leben und sich von Schleimpilzen ernähren, ausgerechnet den früheren US-Präsidenten George Bush, dessen US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Vizepräsidenten Dick Cheney (alle Republikaner) als Namenspaten, die unter liberalen US-Forschern wegen ihrer Kriegsfreude als rote Tücher galten und gelten. Süffisant erklärten die beiden Entomologen über ihre Mutter-Uni, die Cornell-University, man habe die drei natürlich besonders für ihren unpopulären Einsatz für Freiheit und Demokratie ehren wollen. Zugleich machten sie genaue Angaben, wo diese Schleimkäfer zu finden seien – nur für den Fall, dass jemand das Bedürfnis habe, einen Bush- oder Rumsfeld-Käfer zu erlegen. Diese und viele weitere Anekdoten und Beispiele extrem nützlichen Wissens haben nun die deutschen Wissenschaftsjournalisten Gabi und Rolf Froböse in ihrem Büchlein „Warum Punker Schildkröten lieben und ein Käfer den Namen Rumsfeld trägt“ zusammengetragen.

Y ist mehr als ein Buchstabe

In dem 110-seitigen Band erfährt man beispielsweise auch, dass „Y“ nicht einfach ein Buchstabe, sondern auch der vollständige Name einer französischen Gemeinde ist, die als walisische Partnerstadt ausgerechnet den Ort mit dem längsten Namen in ganz Europa gewählt hat: „Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch.“

Welche Glück, dass die Frau zwei Brüste hat

Oder dass drei US-Forscher aus Chicago eine der überlebenswichtigsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte machten: einen BH, der im Notfall auch in zwei Gasmasken verwandelt werden kann. Froböse zitiert einen der Erfinder mit dem prägnanten Satz: „Es ist wirklich wunderbar, dass eine Frau über zwei Brüste verfügt. Damit kann sie nicht nur ihr eigenes, sondern auch das Leben eines Mannes ihrer Wahl retten.“

Auch Firlefanz untergemischt

All dies ist kurzweilig zu lesen und meist recht amüsant. Allerdings ist einiges offensichtlich aus der Wikipedia zusammengesammelt, auch steht nicht alles auf feuerfestem wissenschaftlichen Fundament, manches Spektakulum wird auch etwas mit der verbalen Brechstange herbeigeredet. So lassen sich die Autoren nicht nur über Kugelblitze aus, über die man ja immerhin noch diskutieren kann, auch wenn deren Existenz umstritten ist. Doch die alte Mär von „spontanen Selbstverbrennungen“ allen Ernstes wieder aufzuwärmen und mit offiziell klingenden Bezeichnungen wie „SHC“ den Anstrich wissenschaftlicher Untersuchung zu geben, ist eher grenzwertig.

Repro: hw

Repro: hw

Fazit: Kurzweilig, aber nicht zu ernst nehmen

Solange man nicht jeden Satz für bare Münze nimmt, ist Froböses „Kleines Handbuch des kuriosen Wissens“ eine nette Lektüre, die sich zügig und unterhaltsam liest. Man sollte bloß nicht jeden Eintrag zu ernst nehmen. Autor: Heiko Weckbrodt

Gabi und Rolf Froböse: „Warum Punker Schildkröten lieben und ein Käfer den Namen Rumsfeld trägt“, Sachbuch, eBuch (Kindle): elf Euro, 112 Seiten, ASIN: B00NV8PIGY, ISBN (Taschenbuch, 14 €): 978-3735769565. Eine Leseprobe gibt es hier

 

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