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Meißner „Münzsammlung Horn“ unterm Hammer

Speciestaler von 1755 mit dem Bildnis Friedrich des Großen (1740-1786). Repro: Künker

Von diesem 1755 geprägten Speciestaler Friedrich des Großen existieren weltweit nur drei Stück. Er kommt mit einem Schätzwertvon 40.000 Euro zur Versteigerung. Repro: Künker

Auktionshaus Künker schätzt Wert auf knapp eine Million Euro

Berlin/Meißen, 27. Januar 2015: Zu seiner Berlin-Auktion 2015 am 29. Januar bringt das renommierte Osnabrücker Münzhaus Fritz Rudolf Künker den zweiten Teil von insgesamt über 30.000 Münzen und Medaillen aus der legendären Sammlung des Meißner Weinhändlers, Kunstliebhabers und Sammlers Otto Horn zur Versteigerung. Aufgeboten sind davon lediglich 385 Stücke. Diese verkörpern aber einen Schätzwert von rund 940.000 Euro.

Seltener F-II-Taler darunter: nur noch drei Stück weltweit

Dies ist kein Wunder, sind doch darunter Exemplare von absoluter Seltenheit, wie Speciestaler von 1755 mit dem Bildnis Friedrich des Großen (1740-1786). Davon existieren auf der Welt maximal noch drei Stück! Zu den Prachtstücken zählt auch ein Reichstaler aus der Regierungszeit August des Starken. Er wird mit 5000 Euro aufgerufen. Die Zuschläge dürften ungleich höher ausfallen.

Erlös fließt Horn-Stiftung in Meißen zu

Nahezu einziger Nutznießer des Auktionsergebnisses wird die Otto-und-Emma-Horn-Stiftung mit Sitz in Meißen sein. Sie ist Eigentümer und Verwalter all dessen, was Horn bei seinem Freitod am 7. Mai 1945 testamentarisch hinterlassen hat. Die Sammlung von mehr als 60.000 numismatischen Objekten ist nur ein Teil, wenn auch der bedeutendste Teil der Hinterlassenschaft.

Video über die Sammlung von Otto Horn (Künker):

Staatliche Kunstsammlungen Dresden sicherten sich Teil der Hornschen Kollektion

Einen bedeutenden Teil der Sammlung Horn konnten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden mit finanzieller Hilfe des Freistaates, aber auch mit Mitteln, die Künker gesponsert hat, aufkaufen. Eine kleine Auswahl dieses „Schatzes“ konnte die Öffentlichkeit kürzlich in einer Sonderausstellung im Neuen Grünen Gewölbe bewundern. Mehr davon wird ab Anfang Juni zu sehen sein, wenn das völlig neu gestaltete Dresdner Münzkabinett im Georgenbau des Residenzschlosses nach mehrjähriger Schließzeit seine Pforten wieder öffnet.

Geld kommt letztlich Projekten in Meißen zugute

Reichstaler aus der Zeit August des Starken. Repro: Künker

Rückseite des F-II-Talers. Repro: Künker

Noch verbleiben bei Künker noch geschätzte 29.000 Münzen und Medaillen. Sie würden, so die Auskunft des Auktionshauses, zu noch nicht festgelegten Zeitpunkten ebenfalls versteigert erden. Somit geht der „warme Regen“ für die Meißner Stiftung also über Jahre weiter. Zugute kommt dies letztlich der Stadt Meißen. Förderung von Denkmalpflege, Erziehung, kulturelle Zwecke und die Altenpflege sind gemäß der testamentarischen Festlegungen Horns die Schwerpunkte der Stiftungstätigkeit. Allerdings ließ ihr Horn auch einen erheblichen Ermessensspielraum.

Weinhändler Horn baute ab 1920 in Meißen einzigartige Münzsammlung auf

Die Anfänge der Sammlung Horn liegen um das Jahr 1920. Damals baute der sehr erfolgreiche Meißner Weinhändler Ernst Otto Horn seine umfangreiche private Sammlung von Münzen, Plastiken, Grafiken, Büchern, Gemälde, alte Fotografien und Uhren auf. In seinem Testament übereignete Horn den Großteil seiner Sammlungen einer nach den Namen seiner Eltern benannten Stiftung. Die Erlöse aus Sammlungsverkäufen sollten die finanzielle Grundlage der Stiftungstätigkeit bilden. Die Otto-und Emma-Horn-Stiftung wurde zwar 1951 gegründet, aber bereits 1954 durch die Stadt Meißen wieder aufgelöst. Die Stadt eignete sich die Sammlung als Ausgleich für eine angebliche hohe Steuerschuld der Stiftung an. Im März 1954 schloss die Stadt mit dem Münzkabinett den Staatlichen Museen zu Berlin einen Dauerleihvertrag über die gesamte Hornsche Sammlung ab. Die Stadt wollte die Sammlung für Wissenschaft und Öffentlichkeit zugänglich machen, konnte aber in Meißen keine dafür geeigneten Räume finden. Ende der 60er Jahre gelangte sie in das Dresdner Münzkabinett. Offenbar in dem irrigen Glauben handelnd, seit 1954 Eigentümer der Sammlung zu sein, schloss die Stadt Meißen mit den Stattlichen Kunstsammlungen 1975 einen auf zehn Jahre lautenden Leihvertrag ab.

Nach dem Ende der DDR kam es zu einem langen Rechtsstreit zwischen der Stadt Meißen und dem Freistaat Sachsen bezüglich der 1998 restituierten Otto-und-Emma-Horn-Stiftung, der schließlich außerhalb der Gerichtsräume beendet wurde. Die 1997 wiederbelebte Otto-und-Emma-Horn-Stiftung hatte inzwischen ihre Ansprüche geltend gemacht. Die Stiftung bot dem Freistaat den Aufkauf der kompletten Sammlung an. Eine vom Münzkabinett erstellte „Wunschliste“ enthielt bis etwa zu 20 Prozent der Gesamtsammlung. Allerdings fehlte für deren Realisierung das Geld. Schließlich erfolgte der bereits genannte ersten Teilkauf. Vereinbart wurde der Verbleib der Sammlung im Münzkabinett und deren vollständige Erfassung durch den Direktor. Autor: Peter Weckbrodt

Kurzbiografie Ernst Otto Horn

Otto Horn, Repro: Künker

Otto Horn, Repro: Künker

Ernst Otto Horn wurde am 4. Dezember 1880 in Meißen als einziges Kind des Bäckermeisters gleichen Namens geboren. Horn entfaltete bald einen sehr ertragreichen Weinhandel, war sogar Hoflieferant. Das ermöglichte den Erwerb von Grundstücken in Meißen und legte den Grundstein Horns spätere erfolgreiche Sammeltätigkeit. Horn wuchs in einem gebildeten familiären Umfeld auf. Nach dem Tod seines Vaters übernahm der 24-jährige Ernst Otto Horn auf Lebenszeit die Geschäftsführung. Am 7. Mai 1945 schied Horn gemeinsam mit Emma Henriette Lansky, seiner langjährigen Haushälterin, durch Freitod aus dem Leben aus. In einem einige Jahre zuvor angefertigten Testament hatte er den Verbleib seiner nachgelassenen Sammlungen geregelt. PW

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