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Dresdner Chip-Nachteulen haben die Nase voll

Reinraumbrücke bei Globalfoundries Dresden. Abb.: GF

Finito für Dauer-Nachschichten: Globalfoundries Dresden führt ein Wechselschicht-Modell ein. Abb.: GF

Hightech-Arbeiter kommen in die Jahre: Globalfoundries ändert Schichtmodell

Dresden, 18. September 2014: Weil der Altersdurchschnitt unter den sächsischen Chipwerkern steigt und das Auftragsfertiger-Geschäft („Foundry“-Modell) mehr Flexibilität erfordert als einst die Prozessor-Massenproduktion unter AMD-Regie, führt die Dresdner Halbleiterfabrik von „Globalfoundries“ (GF) nach über 15 Jahren ein neues Schichtmodell ein: Statt stets nur tagsüber oder nur nachts zu arbeiten, werden die rund 2000 Produktions-Mitarbeiter künftig in Wechselschichten tätig sein. Das kündigten die Geschäftsleitung und der Betriebsrat von Globalfoundries Dresden gestern nach mehrmonatigen Verhandlungen an.

„Tragen demografischer Entwicklung Rechnung“

„Mit der Einführung des neuen Schichtsystems tragen wir der demografischen Entwicklung unserer Belegschaft ebenso Rechnung wie den Herausforderungen, denen sich unsere Fab täglich stellt“, betonten der Betriebsratsvorsitzende Ralf Adam und der Personalchef Michael Roos. „Wir sind uns sicher, mit der Umstellung für unsere jetzigen und künftigen Mitarbeiter ein attraktives und zeitgemäßes Schichtmodell gefunden zu haben.“

Mehr Flexibilität erhofft

„Als Foundry müssen wir sehr schnell auf Kundenaufträge reagieren“, erläuterte die Dresdner GF-Sprecherin Karin Raths ein Motiv für die Vereinbarung. Dies werde durch das neue Wechselschichtmodell einfacher. Andererseits seien viele „Nacht-Kollegen“ in die Jahre gekommen, für sie seien die ständigen Nachtschichten zunehmend zur Belastung geworden.

Luftbild des Globalfoundries.Werks Dresden, Die Erweiterungen (Mitte und links hinten) sind bereits erkennbar. Abb.: GF

Luftbild des Globalfoundries-Werks Dresden, Abb.: GF

Dresdner halten aber an einst umstrittenen 12-h-Schichten fest

Als der US-Elektronikkonzern AMD 1996 sein erstes Chipwerk in Dresden baute, führten die Amerikaner mit ihren 12-Stunden-Schichten ein für deutsche Verhältnisse ungewöhnliches und damals umstrittenes Arbeitszeitmodell ein. Auch als die Dresdner AMD-Fabriken an GF ausgegliedert wurden, änderte sich daran zunächst kaum etwas. Nun wird der Takt zwar umgerubelt, am 12-Stunden-Rhythmus wollen die Chipwerker – die über das neue Modell mitabstimmen durften – aber nicht rühren. Von diesen zwölf Stunden sind übrigens „nur“ zehn Stunden Netto-Arbeitszeit, der Rest entfällt auf Pausen- und Umkleidezeiten. Der neue Schichttakt betrifft lediglich die Produktions-Mitarbeiter, die etwa die Hälfte der Dresdner Belegschaft ausmachen. Autor: Heiko Weckbrodt

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