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DVD-Box „Continuum“: Unsere Zukunft ist die Konzernokratie

In ihrem eleganten Lack- und Leder-Hightech-Kampfanzug schlängelt sich Zukunfts-Cop Keira durch unsere Gegenwart. Foto: Universum-Film

In ihrem eleganten Lack- und Leder-Hightech-Kampfanzug schlängelt sich Zukunfts-Cop Keira Cameron (Rachel Nichols) durch unsere Gegenwart. Foto: Universum-Film

Kanadische Sci-Fi-Polizeiserie mit einer Prise Kapitalismuskritik

Mit der kanadischen Sci-Fi-Polizeiserie „Continuum“, deren erste Staffel nun auf DVD erschienen ist, knüpft Simon Berry konzeptionell an Erfolgsserien wie „Stargate“, „Alias“ oder „Akte X“ an, übt darin aber Kapitalismuskritik: Mit der Story um eine Polizistin, die aus einem oligarchischen Überwachungsstaat der Zukunft in unsere Gegenwart geschleudert wird, reflektiert er Bankenkrise und Occupy-Bewegung.

Trailer (Englisch, Syfy):

2077: CEOs statt Volksvertreter geben den Ton an

Im Mittelpunkt steht hier Hightech-Cop Keira Cameron (Rachel Nicols), die im Polizeistaat der Zukunft Oppositionelle verfolgt. In einem Staat wohlgemerkt, in dem die großen Konzerne die Macht an sich gerissen haben und CEOs statt Volksvertreter die Regierung und das „Parlament“ stellen. Dagegen lehnt sich die terroristische Rebellenbewegung „Liber8“ auf.

Das jüngere Ich von Konzernchef Alex Saddler (Erik Knudsen) hilft Keira im Jahr 2012. Foto; Universum-Film

Das jüngere Ich von Konzernchef Alex Saddler (Erik Knudsen) hilft Keira im Jahr 2012. Foto; Universum-Film

Per Zeitreise zu den Wurzeln der Rebellion

Als deren Führungskader nach einem blutigen Terroranschlag (der sicher nicht zufällig an die Zerstörung des New Yorker „World Trade Centers“ erinnert) hingerichtet werden sollen, geht alles schief: Eine Zeitmaschine sendet die Rebellen ins Jahr 2012 zurück und Keira mit ihnen. Hier und jetzt nämlich wird die Basis für die Konzernokratie und Liber8 gleichmaßen gelegt, merkt unsere Hightekky ausgestattete Superpolizistin bald – und setzt alles daran, „ihre“ Zukunft zu schützen und wieder zu ihrer Familie ins Jahr 2077 zurück zu kehren.

Anfangs schöpft „Continuum“ die Ambivalenz des Plots nicht so recht aus, bleibt im Schwarz-Weiß-Schema gefangen. Doch nach und nach nimmt die Serie Fahrt auf, wird spannender und komplexer und nährt sich an dem Unbehagen des Zuschauers, der hin und her gerissen ist: Gerade mit Blick auf die umstrittenen staatlichen Bankenrettungsprogramme unserer Gegenwart sympathisiert man unwillkürlich mit „Liber8“ – um dann wieder von der Brutalität der Terroristen abgestoßen zu werden. Zudem treffen wir alte Bekannte aus ähnlichen Serien wieder: den „Raucher“ aus „Akte X“ (William Bruce Davis), der hier den undurchschaubaren Ober-Konzernokraten mimt, Lexa Doig aus „Andromeda“ und Tony Amendola aus „Stargate SG 1“.

Foto: Universum-Film

Foto: Universum-Film

Fazit:

Wenngleich zu Beginn etwas oberflächlich, hebt sich „Continuum“ später mit jeder Folge (und vor allem in der zweiten Staffel, das sei schon verraten) deutlich vom Durchschnitts-TV-Allerlei ab, erinnert mit ihrer zunehmend Puzzle-artigen Erzählstruktur dann wirklich an „Akte X“. Vielleicht war es ganz gut, dass hier die Kanadier und nicht die Amerikaner Regie führten, denn Schöpfer Simon Barry rafft sich zu wirklich gesellschaftskritischen Akzenten auf, die in US-Serien oft nur an der Oberfläche bleiben. Heiko Weckbrodt

„Continuum – Staffel 1“ (Universum-Film/Showcase), Sci-Fi-Polizeiserie, Kanada 2012ff, 1. Staffel auf zwei DVDs, Boni: Interviews mit den Machern und Schauspielern, FSK 16, DVD-Box 18 Euro, Bluray 22 Euro
 
 

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