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Planck-Forscher spüren „Fressnapf“ für galaktisches Schwarzes Loch auf

Die künstlerische Visualisierung zeigt, wie das Schwarze Loch in einen Fressnest aus kosmischem Staub und Gas hockt. Abb.: NASA

Die künstlerische Visualisierung zeigt, wie das Schwarze Loch in einen Fressnest aus kosmischem Staub und Gas hockt. Abb.: NASA

Bonn, 18.5.2012: Rein theoretisch sollte es unser Universum in seiner jetztigen Form – strukturiert in Milchenstraßen, Sterne und Planeten – eigentlich nicht geben: Nach dem Urknall hätten sich Materie und Energie eigentlich in alle Seiten gleichmäßig ausdehen sollen ohne jede „Verklumpungen“. Nach gängigen astrophysikalischen Theorien haben sich aber viele Sonnensysteme und Galaxien wahrscheinlich aus rotierenden Aggregationsscheiben aus kosmischem Staub und Gas gebildet, die schließlich durch kleine Anomalien Klumpen bildeten, deren Schwerkraft weitere Materie anzog und schließlich Sonnen und Planeten bildete. Wie diese Aggregationsscheiben aber zu Stande kommen und wie sie verklumpen, ist bis heute nicht sicher geklärt. Forscher des „Max-Planck-Institut für Radioastronomie“ in Bonn haben nun solch eine Aggregationsscheibe gefunden: Im Herzen der Galaxis „NGC 3783“, in deren Zentrum wiederum ein superschweres Schwarzes Loch thront.

Das Very Large Telescope Interferometer in Chile. Abb.: Gerd Weigelt

Das Very Large Telescope Interferometer in Chile. Abb.: Gerd Weigelt

Mehrere Teleskope gekopplt, um Auflösung hochzuschrauben

Indem sie mehrere Teleskope des „Very Large Telescope Interferometers“ (VLTI) der „Europäischen Südsternwarte“ in Chile koppelten, erreichten sie eine so hohe Auflösung, dass sich im Infrarot-Bereich bis in den Kern dieser Milchstraße schauen und deren Struktur klären konnten. Demnach sitzt im Zentrum von „NGC 3783“ ein Schwarzes Loch mit mehreren Millionen Sonnenmassen, das sich wie aus einem Fressnapf aus einem umgebenden Staubring „satt isst“: Das Schwarze Loch saugt durch ihre extrem starke Gravitation die umgebende Materie stetig ein, bei diesem Prozess entsteht als Nebeneffekt starke Strahlung.

Das Instrument der Europäischen Südsternwarte eröffnet eine einmalige Gelegenheit, unser Wissen über Galaxienkerne zu verbessern“, sagt Gerd Weigelt, Direktor am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. „Wir können damit faszinierende physikalische Prozesse mit bisher nicht erreichter Auflösung und über einen weiten infraroten Spektralbereich untersuchen.“ Er und seine Kollegen hoffen, demnächst noch höhere Auflösungen mit dem VLTI zu erreichen und damit Erklärungsmodelle für die Entstehung und die inneren Prozesse der Galaxien zu finden. Heiko Weckbrodt

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