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„Menschen wie Götter“ – eine kommunistisch-technologische Utopie

Sozialistisches Weltraummärchen mit Engeln, Drachen und Zerstörern
Abb.: Heyne

Abb.: Heyne

Der sowjetische Science-Fiction-Autor Sergej Snegow (1910-1994) schickte ab 1966 in „Menschen wie Götter“ den Leser einmal durch die Galaxis und wieder zurück: Die Menschen zu Zeiten des Raumfahrers Eli haben gelernt, Raum in Materie umzuwandeln und dringen mit Überlichtgeschwindigkeit in Welten voll sagenhafter Wesen vor. Sie treffen auf traurige Engel und intelligente Drachen, auf träumende Gehirne und furchtsame Spinnen. Besonders köstlich: ein kriegerisches Reich, in dem der höchste Titel „Zerstörer der 1. Reichskategorie“ lautet. Die Zerstörer werden von den Menschen und ihren galaktischen Kumpels in einem heftigen Krieg niedergerungen und bekehrt. Fortan nennen sie sich „Demiurgen“ (Schöpfer, Handwerker) – wenn da mal nicht der Große Vaterländische Krieg gegen die Nazis und die Bekehrung der (Ost-)Deutschen durchschimmert…

Nach dem Sieg über die Zerstörer wartet nur noch ein Ziel: das Zentrum der Milchstraße, das von den allmächtigen „Ramiren“ beherrscht wird. Nach verlustreichen Kämpfen brechen die Menschen ihre Expedition ab, heilfroh, davon gekommen zu sein.

Sergej Snegow. Abb.: P. Ugrowatow (?)

Sergej Snegow. Abb.: Ugrowatow (?)

Snegow schrieb seine Trilogie noch unter dem Eindruck der Entstalinisierung (er selbst wurde unter Stalin verfolgt) und der Aufbruchstimmung der Chruschtschow-Ära, als der Sowjetunion alles möglich (Sputnik, Gagarin) und der weltweite Sieg des Kommunismus in greifbare Nähe zu rücken schien. In seiner Utopie ist der technologische Fortschritt der Schlüssel zum besseren Menschen. Schnöde Dinge wie Geldwirtschaft haben in dieser wahrhaft kommunistischen Zukunft keinen Platz – aber das sah ja beispielsweise der Amerikaner Gene Roddenberry gar nicht anders, wenn man an „Enterprise TNG“ (in einer Folge wird dies dort ausdrücklich erwähnt) denkt. Insofern ist seine Trilogie auch das Dokument eines Zeitgeistes – nicht unbedingt hohe Literatur, aber so spannend und phantastisch erzählt, dass der utopisch interessierte Leser von der ersten bis zur letzten Seite einfach gefesselt ist. Heiko Weckbrodt

Sergej Snegow: „Menschen wie Götter“, Moskau 1966ff, Neuaufl. Heyne Verlag, München 2010, zehn Euro, ISBN 978-3453525191

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