NewsWirtschaft

Deutsche Exporte nach China stark gesunken – Ausfuhren sichern weniger Jobs

Wegen der Angriffe im Roten Meer lotsen die Reeder viele Frachter mit Containern zwischen Asien und Europa derzeit um die Südspitze von Afrika herum - mit entsprechenden Wirkungen auf die Lieferfristen. Themenfoto: Heiko Weckbrodt
Themenfoto: Heiko Weckbrodt

IW-Forscher: Zeitweise hingen 1,1 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland am Export gen China

Kiel, 14. Februar 2026. Die deutsche Wirtschaft exportiert immer weniger nach China und an diesen Ausfuhren hängen weniger deutsche Arbeitsplätze als früher. Das hat eine Analyse des „Instituts der deutschen Wirtschaft“ (IW) in Köln ergeben.

„Vor Corona galt China als Eldorado für deutsche Exportwirtschaft“

„Noch vor der Corona-Pandemie galt China als Eldorado für die deutsche Exportwirtschaft“, betont Autor Jürgen Matthes. „Zwischenzeitlich waren deutlich mehr als eine Million deutsche Arbeitsplätze direkt und indirekt vom Endverbrauch in China abhängig.“ Seither sei die Anzahl der davon abhängigen Jobs um rund 40 Prozent gesunken. Und seit 2021 ist das deutsche Exportvolumen nach China von 131,2 Milliarden Euro im Jahr 2021 um fast ein Viertel auf zirka 99,3 Milliarden Euro im Jahr 2025 abgesackt.

„Weil die deutschen Exporte nach China so massiv eingebrochen sind, ist Chinas Relevanz für die deutsche Beschäftigung sehr stark geschrumpft.“
Jürgen Matthes, IW Köln

Chinesen haben deutsche Hersteller teils auch technologisch überholt und skalieren schneller

Gründe dafür gibt es mehrere: Die Chinesen haben technologisch aufgeholt, skalieren und automatisieren ihre Fabriken auch schneller, sodass sie schon allein durch den Mengeneffekt und den wachsenden Robotereinsatz billiger produzieren können. Zudem drängen die EU und Teile der Bundesregierung darauf, Deutschland solle sich von China abkoppeln. Sie folgten damit auch den Wünschen der US-Regierung, die vor allem unter Donald Trump versucht, China aus den Weltmärkten zu drängen und den technologisch-wirtschaftlichen Aufschwung des einstigen Agrarlandes zu behindern.

Deutsche Exporte nach China seit 2010, Quellen: Destatis, Bundesbank, IW, Grafik: IW
Deutsche Exporte nach China seit 2010, Quellen: Destatis, Bundesbank, IW, Grafik: IW

Ähnlich wie Trump haben Teile der EU-Kommission um Ursula von der Leyen zudem einen protektionistischen Kurs eingeschlagen: Sie glauben, indem sie durch Zölle, Importgrenzen und andere Hindernisse den Zufluss preiswerter chinesischer Elektroautos und anderer Handelsgüter behindern, die eigenen Industrie gegen die Trends in der Weltwirtschaft abschirmen zu können.

Wie sehr der Anti-China-Kurs des Westens und die eigene verlorene Wettbewerbsfähigkeit Deutschland schwächt, hat vor allem die Autoindustrie zu spüren bekommen: Jahrelang war der China-Markt beispielsweise ein zentraler Wachstumstreiber für Volkswagen, manche sagen gar: Die Erlöse dort haben die hohen Löhne und Kosten in deutschen VW-Fabriken quersubventioniert. Als Volkswagen seine dominante Stellung in China verlor und gleichzeitig der Stromermarkt in Deutschland zusammenbrach, weil der Ampel das Geld für Subventionen ausging, war der Niedergang an den deutschen VW-Standorten umso tiefer.

Die verbliebene Belegschaft hat sich um das letzte Serienauto aus der VW-Manufaktur Dresden versammelt. Foto: Robert Arnold für Volkswagen Sachsen
Die verbliebene Belegschaft hat sich um das letzte Serienauto aus der VW-Manufaktur Dresden versammelt. Foto: Robert Arnold für Volkswagen Sachsen

IW-Forscher: „China spielt zunehmend unfair“

Außerdem behindert auch das Reich der Mitte teilweise die Geschäftsaktivitäten ausländischer Unternehmen im Inland: „China spielt zunehmend unfair und schadet damit unserer Exportwirtschaft“, meint IW-Außenhandelsexperte Matthes. Peking verzerre mit Subventionen und einer unterbewerteten Währung den Wettbewerb und nutze Barrieren beim Verkauf vor Ort. Zudem sänken unsere Exporte, da China mehr Autarkie anstrebe.

US-Boykottpolitik ging nach hinten los

Letzteres hat sich der Westen allerdings auch selbst zuzuschreiben: Statt mit den Chinesen wirtschaftlich und technologisch stärker zu kooperieren, um sich von US-Protagonisten wie Trump weniger erpressbar zu machen, sind die Europäer in Teilen der US-Boykottpolitik gefolgt, die China beispielsweise von moderner Mikroelektronik und Chipindustrie-Ausrüstungen abzuschneiden versucht. Darauf haben die Chinesen erwartungsgemäß geantwortet, indem sie selbst modernere Schaltkreise, Lithografie-Anlagen und dergleichen entwickelt haben. Dies wiederum hat neue Technologieschübe in China ausgelöst und die Chinesen sind inzwischen auch weniger auf die reglementierten Tech-Importe aus dem Westen angewiesen. Insofern ist diese Embargo-Politik der Amerikaner nach hinten losgegangen: Westliche Unternehmen dürften enorme Probleme haben, einmal auf diese Weise verlorene Märkte später wieder zurückzuerlangen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: IW Köln, Oiger-Archiv, Tagesschau.de

Wissenschaftliche Publikation:

„Weniger Arbeitsplätze von deutschen China-Exporten abhängig“ von Jürgen Matthes, IW-Kurzbericht, Nr. 10/2026, Köln, Fundstelle im Netz hier

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger