ForschungNews

Tarnkappen aus 2D-Netzen

Bekommen Jagdflugzeuge künftig Tarnkappen aus 2D-Materialien wie MXemen? Visualisierung: KI Gemini, Prompt: Heiko Weckbrodt
Bekommen Jagdflugzeuge künftig Tarnkappen aus 2D-Materialien wie MXemen? Visualisierung: KI Gemini, Prompt: Heiko Weckbrodt

Forscher aus Dresden und Halle synthetisieren hochreine „Maxene“

Dresden/Halle, 15. Februar 2026. Um Flugzeuge, U-Boote und andere Militärgeräte mit Tarnkappen zu überziehen, liebäugeln manche Ingenieure mit 2D-Materalien aus der erst vor kurzem entdeckten Gruppe der „Mxene“. Forscher aus Dresden und Halle haben nun einen Weg gefunden, um diese superflachen Netze in höchster Reinheitsstufe herzustellen. Weil sie dadurch besonders gut Strom leiten können, kommen sie nicht nur für Tarnungen in Frage, sondern auch für neue Hochleistungs-Elektronik. Das geht aus einer gemeinsamen Mitteilung der TU Dresden, des Max-Planck-Instituts für Mikrostrukturphysik Halle und des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) hervor, die an den Experimenten beteiligt waren.

Ähnlich wie Graphen – aber mit Metall

Hintergrund: Ähnlich wie im „Graphen“ sind MXene flachen Molekülen, die nur aus einer Atomlage bestehen – allerdings eben nicht aus Kohlenstoff wie Graphen, sondern aus Metallen und Kohlenstoff oder Stickstoff, ergänzt um Halogen-Abschlussatome. Entdeckt wurde die Stoffklasse 2011 von Wissenschaftlern der Drexel-Uni in den USA. Die Forscher nannten sie in Anlehnung an das bereits bekannte „Graphen“ eben „Maxene“ beziehungsweise „MXene“. Diese 2D-Moleküle transportieren Elektronen sehr gut, sind also sehr gute Leiter. Zudem können sie – je nach konkreter Zusammensetzung – auch Licht, Radarwellen und andere Strahlen verschlucken, daher eignen sie sich eben auch für Tarnschichten.

Ätz-Synthese erzeugte nebenher viele „Schlaglöcher“ für Elektronen

Bisher wurden die neuen Maxene meist durch chemische Ätzverfahren synthetisiert. Diese Methode führe aber zu gemischten und zufällig verteilten Oberflächenabschlüssen mit Elementen wie Sauerstoff, Fluor oder Chlor, erklärt Dr. Dongqi Li von der TU Dresden. „Diese atomare Unordnung schränkt die Leistungsfähigkeit ein, da sie Elektronen einfängt und streut, ähnlich wie Schlaglöcher den Verkehr auf einer Autobahn verlangsamen.“

Die Visualisierung zeigt das Modell aus einer Rasterelektronenmikroskop-Aufnahme (links) der neuen MXeme mit einem Kristallstruktur-Modell. Abb.: B. Schröder für das HZDR
Die Visualisierung zeigt das Modell aus einer Rasterelektronenmikroskop-Aufnahme (links) der neuen MXeme mit einem Kristallstruktur-Modell. Abb.: B. Schröder für das HZDR

Neues Verfahren kombiniert feste, flüssige und gasförmige Materialien

Daher haben die Dresdner und Hallenser einen anderen Syntheseweg gewählt: Sie kombinieren feste Ausgangsmaterialien mit geschmolzenen Salzen und Jod-Dampf, also gasförmige, flüssige (liquide) und feste (solide) Stoffe zu einem GLS-Prozess. Dadurch können sie laut eigenen Angaben genau steuern, wo sich an ihren Titan-Kohlenstoff-Netzen Chlor-Atome als Abschluss anheften. „Die MXene-Variante, bei der ausschließlich Chloratome die Oberfläche bedecken, zeigte eine 160-fache Steigerung der makroskopischen Leitfähigkeit und eine 13-fache Verbesserung der Terahertz-Leitfähigkeit im Vergleich zum gleichen Material, das mit herkömmlichen Methoden hergestellt wurde“, berichtet Li.

Neben Tarnkappen auch als Energiespeicher und für Elektronik denkbar

Das Forscherkollektiv ist überzeugt, dass sie auf diesem Wege auch andere MXene mit anderen Eigenschaften maßschneidern können – zum Beispiel für radarabsorbierende Beschichtungen, elektromagnetische Abschirmungen, für neue Elektronikbaugruppen, Katalysatoren in der Chemieindustrie, Energiespeicher und photonische Geräte.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: TUD, HZDR, MPI-MSP, Wikipedia

Wissenschaftliche Publikation:

„Triphasic synthesis of MXenes with uniform and controlled halogen terminations“ von D. Li, W. Zheng, M. Ghorbani-Asl, J. Scheiter, K. Sobczak, S. Kretschmer, J. Polčák, P. H. Jadhao, P. P. Michałowski, R. Yu, J. Zhang, J. Liu, J. Du, Q. Guo, E. Zschech, T. Šikola, M. Bonn, N. Pérez, K. Nielsch, A. V. Krasheninnikov, H. I. Wang, M. Yu und X. Feng, in: „Nature Synthesis“, 2026. (DOI: 10.1038/s44160-025-00970-w), Fundstelle im Netz hier

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger