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Entsteht eine Metropolregion Dresden?

Die Visualisierung soll zeigen, wie sehr die neue Bosch-Chipfabrik in Dresden auf "Industrie 4.0"-Konzepte setzt. Foto/Visualisierung: Bosch
Foto/Visualisierung: Bosch

Kommunen wollen auch nach dem Start der TSMC-Fabrik enger und systematischer zusammen planen

Dresden, 15. November 2024. Auch über die Vorbereitungen für das TSMC-Chipwerk hinaus wollen die Dresden und das Umland künftig enger zusammenarbeiten – vor allem bei der gemeinsamen Planung von Gewerbegebieten, Fachkräfte-Entwicklung, Wohngebieten und Verkehrswegen. Ob dies nun in Form als „Metropolregion“ geschehe, wie vom sächsischen Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) vorgeschlagen, sei aber noch nicht entschieden. Das hat der Dresdner Wirtschaftsbürgermeister Jan Pratzka (CDU) auf eine entsprechende Oiger-Anfrage mitgeteilt.

Region nutzt derzeit einen Tourismus-Verbund, um Chipwerk-Großansiedlung vorzubereiten

Tatsächlich arbeiten Landeshauptstadt und die umliegenden Kommunen bereits enger als früher zusammen. Auslöser ist die Großansiedlung der taiwanesischen Mikroelektronik-Schmiede TSMC und deren Europa-Tochter ESMC in Dresden: Sie soll nicht daran scheitern, dass die dafür zuziehenden Chipwerker keine Wohnungen finden, die Zulieferlaster im Dauerstau stehen oder der Fabrik Wasser und Strom ausgehen. Vermittelt durch die Staatsregierung hatten sich daher Dresden und Umlandkommunen zusammengetan – bisher allerdings im Rahmen der ursprünglich eher für die touristische Vermarktung der Region gegründeten Kooperative „Erlebnisregion Dresden“.

Jan Pratzka. Foto: Heiko Weckbrodt
Jan Pratzka. Foto: Heiko Weckbrodt

Wohn- und Gewerbegebiete, Fachkräfte, Verkehrswege, Wasser- und Stromnetze im Fokus

„In dessen Rahmen sollen einerseits die Auswirkungen der dynamischen Industrieentwicklung im Dresdner Norden im Hinblick auf Wohnraumpotenziale, Gewerbeflächenverfügbarkeit, Arbeitsmarkt sowie Fachkräfte- und Bevölkerungsentwicklung untersucht und prognostiziert werden“, erklärte Pratza. Parallel dazu bereiten Sachsenenergie, Stadtentwässerung Dresden und andere öffentliche Unternehmen daran, die Wasser– und Stromversorgung für die Halbleiterwerke im Dresdner Norden zu ertüchtigen. „Zum anderen wird ein Vorschlag für eine Institutionalisierung der interkommunalen Zusammenarbeit in der Region Dresden erarbeitet, der bis Ende 2025 vorliegen und bei positiver Aufnahme in der Region ab 2026 umgesetzt werden soll“, berichtet Pratzka. In diesem Zuge sei auch „die gemeinsame Planung großer Infrastruktur- und Entwicklungsvorhaben grundsätzlich denkbar“.

Wirtschaftsminister Martin Dulig. Foto: Heiko Weckbrodt
Wirtschaftsminister Martin Dulig. Foto: Heiko Weckbrodt

Wirtschaftsminister Dulig plädiert für Metropolregion

Ähnliches hatte erst kürzlich auch Minister Dulig vorgeschlagen, als er bei der „Wirtschaftsförderung Sachsen“ eine Studie über die Wertschöpfungs-Potenziale des Mikroelektronik-Standortes Sachsen vorstellte. „Dresden und die umliegenden Kommunen und Landkreise sollten sich zu einer Metropolregion entwickeln, zu einem gemeinsamen Planungs- und Entwicklungsraum“, sagte er. „Da darf man keine Zeit verlieren.“

Bisher sei dies allerdings in dieser Form noch nicht diskutiert worden, informierte Pratzka und meint: „Der Begriff der Metropolregion wird in sehr unterschiedlicher Art und Weise genutzt. So ist zum Beispiel die Metropolregion Mitteldeutschland, der die Landeshauptstadt Dresden bis 2013 angehörte, eher ein Städtenetzwerk, in dem keine gemeinsamen Planungsvorhaben durchgeführt werden.“

Allerdings dürfte Dulig wohl eher an internationale Metropolregionen gedacht haben. Dazu gehören die großen Sonderwirtschaftszonen in China oder auch der Großraum Tokio, für die zumindest größere Verkehrswege und ähnlich wirtschaftlich wichtige Infrastrukturen möglichst „aus einem Guss“ geplant werden.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Auskünfte Martin Dulig, Jan Pratzka, Oiger-Archiv, Wikipedia

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger