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Sachsen fördert regionalen Gemeinde-Pakt für TSMC-Chipfabrik Dresden

Früher hat TSMC immer nur Fabriken in Asien - hier die Fab16 in China - betrieben. Inzwischen stehen auch Chipwerke in Japan, den USA und in Deutschland auf der Agenda. Abb.: TSMC
Früher hat TSMC immer nur Fabriken in Asien – hier die Fab16 in China – betrieben. Inzwischen stehen auch Chipwerke in Japan, den USA und in Deutschland auf der Agenda. Abb.: TSMC

Bündnis aus 21 Kommunen soll für genug Gewerbeflächen, Wohnungen etc für die Chipwerker sorgen – aber auch davon profitieren

Dresden, 27. Oktober 2024. Damit die entstehende TSMC-ESMC-Chipfabrik in Dresden gut funktioniert und nicht so vage endet wie die Investitionsversprechen von Intel und Wolfspeed für Magdeburg und für Saarland, schmieden Sachsens Wirtschaftsförderer schon seit Beginn der Ansiedlungsverhandlungen an einer Art „Rund um sorglos“-Paket für die Taiwanesen. Dazu gehört auch ein vom Freistaat vermittelter Pakt von Dresden mit dem Umlandgemeinden: Gemeinsam wollen die verbündeten 21 Kommunen dafür sorgen, dass es genug Gewerbegebiete für TSMC-Zulieferer, Wohnungen, Straßen und Buslinien für die neuen Chipwerker, Kita- und Schulplätze für denen Kinder, aber auch ausreichend Energie und Wasser für die Großfabrik gibt.

330.000 Euro Zuschuss vom Land

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) übergibt diesem Bündnis „Erlebnisregion Dresden“ dafür am Montag knapp 330.000 Euro Förderzusagen. Das Geld für diese „Intensivierung der Kooperation zur Entwicklung des europäischen Halbleiterstandortes Region Dresden“ stammt aus Töpfen der sächsischen Regionalentwicklung.

Staatskanzlei rechnet mit Wachstumseffekten über Stadtgrenzen hinaus

„Mit der Ansiedlung von ESMC wird Dresden als Halbleiterstandort weiter an europäischer und internationaler Bedeutung gewinnen“, heißt es dazu aus der Staatskanzlei. „Der Investition des TSMC-Konzerns und des Joint Ventures aus Bosch, Infineon und NXP werden weitere Ansiedlungen von Zulieferern und Dienstleistern folgen. Die damit einhergehenden volkswirtschaftlichen und sozialen Wachstumseffekte werden über die Grenzen der Landeshauptstadt Dresden hinaus wirken. Es ist daher wichtig, dass Landeshauptstadt und angrenzende Kommunen den Schulterschluss suchen und die wichtigen Handlungsfelder, die mit dieser Entwicklung einhergehen, miteinander abstimmen.“

Anders als im Saarland und in Sachsen-Anhalt funktioniert das Chipgesetz für Sachsen

Das Gemeinschaftsunternehmen ESMC, in dem TSMC die Mehrheit hält, will insgesamt rund zehn Milliarden Euro in die neue Megafab in Dresden investieren. Die Hälfte davon schießen Bund und Land als Subvention zu. In dem Werk möchten die Taiwanesen vor allem Chips für die europäische Industrie und speziell auch die Automobilbauer herstellen. Es handelt sich um die erste Fab von TSMC in Europa – und das bisher größte Mikroelektronik-Vorhaben, das Deutschland nach dem „Europäischen Chipgesetz“ (European Chips Act = ECA) fördert. Nicht ganz so teuer, aber ebenfalls ein ECA-Großprojekt ist die vierte Infineon-Fab in Dresden, sie befindet sich bereits in der Bau-Phase. De facto gescheitert ist inzwischen die Leistungs-Halbleiter-Fabrikpläne des US-Unternehmens Wolfspeed im saarländischen Emsdorf: Das Projekt liegt zwar offiziell nur auf Eis und auf unbestimmte Zeit verschoben. Aber da Wolfspeed nun große Siliziumkarbid-Fabs im Heimatland USA baut und sich auch Partner ZF zurückzieht, dürfte aus der Saar-Fab wohl nichts mehr werden. Derweil hat Intel seine Megafabs für Magdeburg verschoben – wobei auch hier die Frage naheliegt, ob der US-Riese diese Pläne womöglich ganz beerdigt hat, zumindest für diese Dekade.

Ökosystem und Sorglos-Pakete entscheiden mit über Ansiedlungs-Erfolg

Da alle vier Projekte hohe Subventionszusagen hatten, aber nur die neuen Fabs in Dresden offensichtlich auch wirklich gebaut werden, mag man dies als Beleg dafür werten, wie wichtig es für ein Ansieldungs-Großprojekt ist, ob das Unternehmen bereits ein geeignetes Ökosystem aus Zulieferern und Ausrüstern am Standort vorfindet – und sich mehr oder minder nur noch „ins gemachte Bett legen muss“: In Dresden gibt es ein Mikroelektronik-Ökosystem bereits seit über 60 Jahren.

Fachkräfte, Zuliefer-Flächen und Infrastruktur mundgerecht zubereitet

Und: Freistaat, Landeshauptstadt, Wirtschaftsförderer, Forscher, Teile der Wirtschaft und andere Protagonisten ziehen beim „Sorglos“-Paket für TSMC im Wesentlichen an einem Strang: Die TU Dresden beispielsweise delegiert Halbleiter-Studenten zur TSMC-konformen Weiterbildung nach Taiwan, Dresden, Sachsenenergie, DVB und Verkehrsverbund haben Großinvestitionen in die Wasser-, Strom- und Verkehrsverbindung für die Chipfabriken im Dresdner Norden aufgelegt. Die Landesregierung hat zudem einen Pakt zwischen regionalen Halbleiter-Größen, Handwerk und Mittelstand vermittelt, damit letztere von den „Leuchtturm“-Subventionen in Sachsen auch profitieren. Und ähnlich ist eben auch der Pakt der Umlandkommunen mit Dresden gedacht, der wegen seiner ursprünglich touristischen Wurzeln etwas irreführend „Erlebnisregion Dresden“ heißt: Die Gemeinden im Speckgürtel um die Landeshauptstadt sollen nicht nur für Infrastrukturen für Dresden Vorzeige-Ansiedlung sorgen, sondern daraus auch eigene neue Ansiedlungen, Wirtschaftskraft, Technologie-Jobs und Steuereinnahmen ernten.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: SSK, Oiger-Archiv, Erlebnisregion Dresden

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger