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Wolfspeed baut seine Siliziumkarbid-Chipfabriken in den USA für 2,5 Milliarden Dollar aus

Siliziumkarbid-Wafer von Bosch. Die damit hergestellten SiC-Leistungshalbleiter sollen für weniger Energieverluste, schnellere Schaltungen und größere Reichweite von Elektroautos sorgen. Foto: Heiko Weckbrodt
Siliziumkarbid-Wafer – hier eine Scheibe von Bosch. Die damit hergestellten SiC-Leistungshalbleiter sollen für weniger Energieverluste, schnellere Schaltungen und größere Reichweite von Elektroautos sorgen. Foto: Heiko Weckbrodt

US-Regierung sagt 1,75 Milliarden Dollar direkte und indirekte Subventionen zu – um Saarland-Projekt ist es derweil still geworden

Washington/Siler City/Ensdorf, 16. Oktober 2024. Der US-Halbleiterkonzern „Wolfspeed“ bekommt mindestens 750 Millionen Dollar direkte Subventionen von der Biden-Harris-Regierung für den Auf- und Ausbau seiner Fabriken für Siliziumkarbid-Chips (SiC) in North Carolina und New York. Eine weitere Milliarde Dollar winken dem Unternehmen als Steuer-Rückerstattung. Das haben Wolfspeed, das US-Handelsministerium sowie der Branchenverband „Semiconductor Industry Association“ (SIA) mitgeteilt. Um die zunächst groß angekündigten Wolfspeed-Investitionspläne für das Saarland ist es unterdessen verdächtig ruhig geworden.

„Großer Gewinn für die amerikanische Halbleiterproduktion“

„Die heutige Ankündigung ist ein großer Gewinn für die amerikanische Halbleiterproduktion, Innovation und Nachhaltigkeit“, schätzt SIA-Präsident John Neuffer ein. „Eine solide inländische Versorgung mit Siliziumkarbid-Wafern wird es uns ermöglichen, Lücken in der US-amerikanischen Halbleiterlieferkette zu schließen und Amerikas wirtschaftliche und nationale Sicherheit zu stärken.“

Leistungs-Halbleiter sollen Auto-, KI- und Energie-Elektronik effizienter machen

Wichtig sei der Ausbau der inländischen SiC-Kapazitäten für viele Zukunftstechnologien, in denen die USA Führungspositionen beanspruchen: „Künstliche Intelligenz, Elektrofahrzeuge und saubere Energie sind alles Technologien, die das 21. Jahrhundert prägen werden“, betont US-Handelsministerin Gina Raimondo. Moderne Leistungshalbleiter aus Siliziumkarbid können hier für erhebliche Schübe sorgen, da sie starke Ströme und hohe Spannungen effizienter schalten als klassische Silizium-Bauelemente: „Siliziumkarbid ist eine überlegene Alternative zu Silizium für Hochleistungsanwendungen“, sind die Wolfspeed-Manager überzeugt. Für „Elektroauto-Antriebsstränge, E-Mobilität, Systeme für erneuerbare Energien, Batteriespeichersysteme sowie KI- und Kryptowährungs-Rechenzentren könnten SiC-Chips „eine verbesserte Leistung und niedrigere Systemkosten ermöglichen“.

Weltweit größte SiC-Waferfab soll in Nord Carolina entstehen

Laut den nun veröffentlichen Plänen will Wolfspeed in Siler City im US-Bundesstaat North Carolina eine neue, zwei Millionen Quadratmeter große Fabrik für Siliziumkarbid-Scheiben (Wafer) bauen. Dabei handele es sich dann um die weltweit größte Anlage für 200 Millimeter große SIC-Wafer weltweit, hieß es vom Handelsministerium. Außerdem will Wolfspeed seine SiC-Chipfabrik in New York weiter ausbauen.

US-Chipgesetz hat an der internationalen Subventions-Spirale mitgedreht

Dafür bekommt der Konzern einerseits 750 Millionen Dollar direkte Subventionen über den „Chips and Science Act“ der US-Administration. Der hatte seinerzeit dazu beigetragen, den internationalen Wettlauf um immer höhere Subventionen für neue Chipfabriken anzuschieben.Außerdem rechnet Wolfspeed mit einer Milliarde Dollar Steuergutschriften. Zusammen mit eigenen Mitteln will das Halbleiter-Unternehmen so insgesamt 2,5 Milliarden Dollar in den Auf- und Ausbau seiner SiC-Kapazitäten in den USA stecken.

Das heißt zwar nicht, dass damit die geplante Leistungshalbleiter-Fabrik im saarländischen Ensdorf gestorben ist. Aber die Chancen, dass dieses Projekt in Deutschland doch noch in naher Zukunft realisiert wird, ist durch die nun verkündeten Pläne realistischerweise gesunken: Einerseits weil die Marktnachfrage derzeit kaum groß genug für weitere Groß-Fabs von Wolfsspeed sein dürfte. Anderseits zeigt die Erfahrung, dass auch global agierende Mikroelektronik-Konzerne im Zweifelsfall bei ansonsten ähnlichen Rahmenbedingungen und Zuschuss-Zusagen doch lieber im eigenen Heimatland investieren.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Wolfspeed, SIA, US-Handelsministerium

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger