Heiße Materie unter Druck: Lem-Preis für Casus-Forscher Dornheim

TU Breslau ehrt Görlitzer Wissenschaftler
Görlitz/Breslau, 16. November 2024. Weil er neue Methoden gefunden hat, die extreme Hitze und Drücke im Innere von Riesenplaneten und kleinen Sonnen besonders genau zu ermitteln, verleiht die Tu Breslau dem Görlitzer Forscher Dr. Tobias Dornheim den Stanislaw-Lem-Preis. Das geht aus einer Mitteilung des „Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf“ (HZDR) und dessen Görlitzer Tochter-Zentrums „Casus“ hervor.
Röntgenblick in extreme Materiezustände à la Fusionskraftwerk
Der nach dem bekannten polnischen Science-Fiction-Autor („Solaris“, „Sterntagebücher“, „Also sprach Golem“) benannte Preis ist mit 100.000 Polnischen Złoty (rund 23.000 Euro) dotiert. Ausgezeichnet werden damit Entdeckungen und bedeutende Leistungen in Wissenschaft und Technologie. Im konkreten Falle würdigt die TU Breslau damit Dornheims Arbeit zur „modellfreien Diagnostik extremer Materiezustände in der imaginären Zeit“, teilte Tech-Rektor Prof. Arkadiusz Wójs mit. Diese Methode kommt ohne fehleranfällige Modelle aus und hilft bei der Imaginärzeit-Analyse von Röntgendaten zum Beispiel bei Experimenten an großen Teilchenbeschleunigern. „Die Technologie wurde bereits von großen Versuchsanlagen übernommen, darunter der National Ignition Facility am Lawrence Livermore National Laboratory, dem SLAC National Accelerator Laboratory (beide USA) und dem European XFEL in Deutschland“, heißt es aus dem HZDR.
Imaginäre Zeit als theoretische bereinigte Zeitachse
Die dabei eingesetzte „imaginäre Zeit“ ist eine theoretische Zeitachse, die der Physiker Stephen Hawking als Rechenmethode vorgeschlagen hatte, um zeitliche Phänomene ohne singuläre Anfangs- oder Endpunkte kalkulieren zu können. Der 34-jährige Forscher Dornheim leitet am Casus die Gruppe für „Grenzbereiche der computergestützten Quanten-Vielteilchentheorie“.
Die extremen Materiezustände, die Dornheim mit seiner Analysemethode unter die Lupe nimmt, existieren unter anderem in Riesenplaneten. Sie entstehen, wenn es sehr heiß ist und der Druck sehr hoch. Wenn es gelingt, diese besonderen Zustände mit ihren ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten besser zu verstehen, könnte das auch helfen, endlich kommerziell nutzbare Fusions-Kraftwerke zu bauen.
Forscher mag Lems Scifi-Bücher
Dornheim freut sich derweil über den Preis aus Polen: Als leidenschaftlicher Leser schätze er das Werk von Stanisław Lem sehr. Und: „Ich freue mich nun darauf, die Menschen und die Wissenschaft von Wrocław Tech kennenzulernen.“ Dornheim wird im nächsten Jahr die Technische Universität Breslau besuchen, um einen Vortrag für die Öffentlichkeit zu halten und den Preis entgegen zu nehmen.
Autor: hw
Quelle: HZDR, Casus

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