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Schnellbau-Stahlzellenhaus für Quantenforscher und 2D-Chemiker in Dresden

Freuen sich über das neue Schnellbauwerk: Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (r.) und TUD-Rektorin Prof. Ursula M. Staudinger (l.) übergeben das fertiggestellte Modulgebäude an der Stadtgutstraße an die Nutzer Prof. Xinliang Feng (Mitte), Prof. Matthias Vojta (2.v.l.) und Prof. Michael Ruck (2.v.r.). Foto: Eric Münch für die TU Dresden
Freuen sich über das neue Schnellbauwerk: Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (r.) und TUD-Rektorin Prof. Ursula M. Staudinger (l.) übergeben das fertiggestellte Modulgebäude an der Stadtgutstraße an die Nutzer Prof. Xinliang Feng (Mitte), Prof. Matthias Vojta (2.v.l.) und Prof. Michael Ruck (2.v.r.). Foto: Eric Münch für die TU Dresden

TU wollte nicht aufs Land warten und agierte selbst als Bauherr

Dresden, 14. Oktober 2021. Was dem DDR-Wohnungsbau die Betonplatte war, das ist dem Forscher von heute die Schnellbau-Stahlzelle: Die Quantenmaterial-Forscher um Prof. Matthias Vojta vom Exzellenzzentrum „qt.mat“ und die 2D-Chemiker um Prof. Xinliang Feng vom Zentrum für fortgeschrittene Elektronik „Cfaed“ haben heute ein Labor- und Bürogebäude in dieser schnellen Modulbauweise an der Stadtgutstraße in Dresden offiziell in Beschlag genommen. Das geht aus Mitteilungen der TU Dresden und des sächsischen Wissenschaftsministeriums hervor.

33 stählerne Zellen formten binnen zehn Monaten Labore und Büros

Eine weitere Besonderheit: Statt den Bau neuer Forschungsgebäude wie sonst üblich an den Freistaat Sachsen zu delegieren, agierte die Dresdner Uni hier selbst als Bauherr und Koordinator. Binnen zehn Monaten entstand in TU-Regie ein Modulgebäude aus 33 vorgefertigten Stahlzellen. Die Büros und Labore umfassen insgesamt rund 1200 Quadratmeter und bieten zunächst rund 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Platz.

Die Archivaufnahme vom Bauablauf zeigt, wie ein Kran die Containerähnlichen Stahlzellen zu einem Labor- und Bürogebäude zusammensetzt. Foto: Hagen Lorenz für die TU Dresden
Die Archivaufnahme vom Bauablauf zeigt, wie ein Kran die Containerähnlichen Stahlzellen zu einem Labor- und Bürogebäude zusammensetzt. Foto: Hagen Lorenz für die TU Dresden

Uni-Kanzler will künftig öfter so bauen

TU-Kanzler Dr. Andreas Handschuh sieht in dieser Methode eine Blaupause für künftige Bauprojekte: Das Gebäude sei ein „Meilenstein hin zu einer größeren Autonomie in Baufragen“, schätzte er ein. „Die gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage, auch künftig noch mehr Bauprojekte an der TU Dresden in Eigenregie zu realisieren.“ Zudem sei es möglich, solche Modulhäuser abzubauen und an einem anderen Standort wieder aufzubauen, wenn sich der Platzbedarf ändere.

Der Neubau der TU Dresden an der Stadtgutstraße. Foto: Eric Münch für die TU Dresden
Der Neubau der TU Dresden an der Stadtgutstraße. Foto: Eric Münch für die TU Dresden

Auch Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) zeigte sich angemessen beeindruckt: „Die Geschwindigkeit bei den Bauarbeiten passt genauso wie die modulare und flexible Bauweise hervorragend zur kraftvollen Entwicklung der Forschungstätigkeit an der TU Dresden.“

Forscher setzen auf Schnittmengen zwischen Chemie und Quantenphysik

Für die Quantenphysiker und die Chemiker ist die Arbeit unter einem Dach keine Zwangspartnerschaft, sondern eher eine sinnvolle Zweckgemeinschaft: Die Frauen und Männer um Prof. Xinliang Feng arbeiten an zweidimensionalen Atomnetzen, die sich mit Fremdatomen spicken lassen und dadurch gar wundersame elektronische und mechanische Eigenschaften sowie Speicherfähigkeiten erlangen. 2D-Materialien wie das bereits recht bekannte Graphen eignen sich aber auch als Quantenmaterialien, beispielsweise für Quanten-Sensoren, -Computer und -Kommunikationsträger. Und spätestens an diesem Punkt ergeben sich Schnittmengen zur Arbeit der Physiker und Mathematiker Forscher um Prof. Matthias Vojta, die sich mit den eigenartigen topologischen Eigenschaften von Quantenmateralien beschäftigen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: TUD, SMWK, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger