IG Metall warnt vor einem „Abbau Ost“

Gewerkschaft: Zweite De-Industrialisierungs-Welle kann zur Gefahr für die Demokratie werden
Berlin/Dresden, 25. September 2025. Vor einer „zweiten De-Industrialisierung in Ostdeutschland“ hat die Industriegewerkschaft (IG) Metall im Vorfeld der „Ministerpräsidentenkonferenz Ost“ gewarnt. „Die traumatische Erfahrung der 1990er Jahre darf sich nicht wiederholen“, warnte Jan Otto, der Bezirksleiter für Berlin-Brandenburg-Sachsen. Ein weiterer Abbau von Standorten und Arbeitsplätzen könne sich zur Gefahr für die Demokratie auswachsen.
„Etwa jedes fünfte in Europa gebaute E-Auto wird in Sachsen hergestellt.“
Jan Otto, IG Metall-Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen
Nach der radikalen De-Industrialisierung im Anschluss an die Wiedervereinigung sei es gelungen, in Ostdeutschland wieder einen starken Automobilbau aufzubauen, argumentieren die Gewerkschafter. „Fast jedes zweite in Deutschland produzierte Elektro-Auto kommt aus dem Osten. Etwa jedes fünfte in Europa gebaute E-Auto wird in Sachsen hergestellt“, erklärt Otto. „Derzeit aber stottert die Transformation in zentralen Industriebranchen erheblich. Nicht nur, aber auch in Ostdeutschland. Doch gerade die Region ist von der Krise der Industrie besonders betroffen. Deswegen brauchen wir jetzt eine gemeinsame Kraftanstrengung von Wirtschaft und Politik, um einen Abbau Ost zu verhindern.“
Ostbezirke fordern subventionierte Strompreise für Energie-Schluckspechte
Von den Ministerpräsidenten verlangen die Gewerkschafter nun unter anderem einen sofortigen Industriestrompreis von 5 Cent pro Kilowattstunde – also heruntersubventionierte Strompreise – für besonders energiehungrige Betriebe, einen raschen Ausbau der erneuerbaren Energien, eine konsequente Förderung der Elektro-Mobilität und die Anbindung aller Industrieregionen im Osten an das Wasserstoff-Netz. Außerdem sollen die Politiker den ostdeutschen Schienenfahrzeugbau und weitere Branchen retten.
Autofabriken im Osten wurden besonders schnell auf Stromer geeicht
Hintergrund: Mit VW, BMW, Porsche, Tesla und Opel haben sich mehrere große Automobilhersteller im Osten Deutschlands mit großen Fabriken etabliert, an denen ganze Zulieferindustrien hängen. Die politisch gewollte starke Ausrichtung dieser Werke auf Elektroautos rächt sich aber spätestens seit dem Zeitpunkt, an dem die Bundesampel kein Geld mehr hatte, um den Kauf von Stromern weiter zu subventionieren. Folge: Die Elektroauto-Nachfrage brach zusammen und gerade die ostdeutschen Vorreiterwerke für Stromer wie beispielsweise VW Zwickau fielen teils schlagartig in die Unterauslastung. Hinzu kommen Probleme in weiteren Branchen wie etwa im seit der Wende chronisch kriselnden Waggon- und Straßenbahnbau in Ostdeutschland.
Autor: hw
Quellen IG Metall, Oiger-Archiv

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