Dresdner Organikpapst Leo will Sachsen zum führenden Standort für Bioelektronik machen

Neun Institute gründen Entwicklungsverbund „Biotronis“ – und rechnen mit großen medizinischen Fortschritten
Dresden, 15. Januar 2025. Dresdner Ingenieure, Mediziner und Optikexperten wollen einer ambitionierten Zukunftstechnologie in Sachsen zum Durchbruch verhelfen: der Biotronik, in der sich Elektronik mit lebendem Gewebe verbindet. Dafür haben neun Forschungseinrichtungen nun das Netzwerk „Biotronis“ gegründet, in dem sie gemeinsam neue bioelektronische Materialien und Systemen entwickeln wollen. Aus dem „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung“ bekommen die Partner dafür 3,6 Millionen Euro Fördergeld. Das hat die federführende TU Dresden mitgeteilt.

Bioelektronik könnte der nächste große Wurf in Dresdens Tech-Szene werden
„Sachsen soll sich zu einem weltweit führenden Forschungs- und Industriestandort im Bereich der Bioelektronik entwickeln“, umreißt der Dresdner Organikpapst Prof. Karl Leo ein zentrales Ziel des neuen Verbundes. „Wir wollen frühzeitig das Verwertungspotenzial innovativer Entwicklungen prüfen und so Ausgründungen und Industriekooperationen unterstützen.“ Im Fokus stehen unter anderem „innovative Technologien, die elektronische und lebende Systeme verbinden, um Informationen aus Geweben zu digitalisieren und biologische Prozesse zu steuern“, kündigt Direktor Carsten Werner vom Leibniz-Institut für Polymerforschung (IPF) Dresden an. „Damit können neben neuartigen medizintechnischen Produkten auch Lösungen für Umwelttechnologien und die Lebensmittelproduktion erschlossen werden.“
Schritt von der organischen zur lebenden Elektronik
Zu den Biotronis-Gründern gehören die TU Dresden, das IPF, die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden, das private Kurt-Schwabe-Institut Meinsberg (KSI), das Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung (IFW) Dresden, die Fraunhofer-Institute für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik (FEP) und für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM), das „Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen“ (DZNE) und das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR).
Bereits in der Vergangenheit hatte sich Dresden als international wichtiger Entwicklungsstandort für organische Leuchtdioden, Solarzellen und Elektronik positioniert, vor allem angestoßen durch die Forschungen in Professor Leos Physikinstitut. Mit der Fusion von Elektronik und lebendem Gewebe gehen die Forscher nun den Schritt hin zu einer noch komplexeren Technologie, die vor allem erhebliche Potenziale im Medizinsektor und beim Umweltschutz birgt. Zu denken ist hier beispielsweise an Hörgeräte der nächsten Generation, die direkt ins Ohr gepflanzt und mit Nervenbahnen gekoppelt werden, oder Anti-Fallsucht-Chips im Gehirn.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: TUD, Oiger-Archiv

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