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Mit geflügelten Miniwürfeln ins All

 Max Trenkner zeigt in ein Modell der geflügelten Mini-Satelliten von Captis Space Systems. Foto (freigestellt): Heiko Weckbrodt

Max Trenkner zeigt in ein Modell der geflügelten Mini-Satelliten von Captis Space Systems. Foto (freigestellt): Heiko Weckbrodt

„Captis“ Dresden entwirft Kleinstsatelliten für den nahen Erdorbit

Dresden, 2. Juli 2024. Mit „VLEO Cubesat“-Kleinstsatelliten will „Captis Space Systems“ die Raumfahrt so preiswert machen, dass sich bald jeder Verein, jede Hochschule und jedes Unternehmen einen eigenen Satelliten leisten kann – ohne dauerhaft Weltraummüll zu produzieren. Das haben Valentin Petzold, Max Trenkner und Ulrich Brinker – die Gründer des sich gerade formierenden Jungunternehmens in Dresden – angekündigt.

Cubesats sollen aus nur 400 km Höhe Piratenschiffe finden und Waldbrände entdecken

Ihre Idee: Statt künstliche Trabanten in hohe Erdumlaufbahnen in 700 oder gar 36.000 Kilometern Höhe zu schießen, wie sie für geostationäre Satelliten üblich sind, wollen sie ihre mit Flügelklappen versehenen „VLEO Cubesats“ mit deutschen Kleinraketen und Ionentriebwerken in niedrige Orbits von etwa 400 Kilometern schießen. Dies spart im Vergleich zu klassischen orbitalen Missionen Geld, Kraftstoff und andere Ressourcen, die Satellitenstarts werden billiger und es lassen sich auch einfache Raketen dafür verwenden, wie sie auch in Deutschland hergestellt werden. Zudem lässt sich von solch niedrigen Höhen aus auch mit relativ einfachen Sensoren viele Aufgaben realisieren: Städte können ihre Straßen und Verkehrsströme einfach steuern, Spediteure ihre Laster und Sendungen verfolgen, es lassen sich Kataster- und andere Geodaten zügig erheben, Baustellen überwachen, Schadstoffe messen und dergleichen mehr. „Von dort sind Bilder in hoher Auflösung möglich, außerdem Wärmebildaufnahmen“, betonen die Dresdner Jung-Ingenieure. „Das eröffnet beispielsweise auch neue Möglichkeiten, Waldbrände schnell zu erkennen oder Piratenschiffe zu identifizieren.“

An Grenze von Atmosphäre und All lassen sich Mini-Satelliten am Missionsende leicht verglühen

Ursprünglich wollten die Nachwuchsingenieure von der TU Dresden zwar neuartige Triebwerke für Satelliten entwickeln, schwenkten dann aber auf den noch jungen Trend hin zu VLEO-Cubes um. Dabei ist „VLEO“ das englische Kürzel für „Very low Earth orbit“ (Sehr niedrige Erdumlaufbahn) und Cubesat steht für eine neue Generation von Würfelsatelliten mit nur etwa zehn Zentimetern Kantenlänge und maximal 1,33 Kilogramm Masse. Weil sie steuerbar und klein sind, sich zudem ohnehin noch in der äußeren Erdatmosphäre statt im luftleeren All bewegen, lassen sie sich leicht zum Verglühen bringen, wenn sie ihre „Lebenszeit“ hinter sich haben.

Steuerbare Sat-Würfel: „Die Flügelklappen sind unser Alleinstellungsmerkmal“

Das Besondere der Dresdner Mini-Satelliten ist die Kombination aus Zielorbit, Antrieb und Flugkörper-Design. „Die Flügelklappen sind unser Alleinstellungsmerkmal“, unterstreichen Max Trenkner und Ulrich Brinker. „Damit lassen sich unsere Satelliten steuern.“ Außerdem wollen sie deutsche Raketen- und Triebwerks-Technologien einsetzen. Dabei denken sie an vor allem an bayrische Raketenunternehmen wie die „Rocketfactory Augsburg“ oder „Isar Aerospace. Für die Kurskorrekturen im niedrigen Erdorbit liebäugeln sie mit einer anderen Dresdner Entwicklung: den Ionentriebwerken von „Morpheus Space“.

Ein Raumfahrt-Cluster in Dresden vor Augen

Derzeit bereiten die Unternehmer in spe den offiziellen Start für ihr eigenes Unternehmen in der „Gründungsschmiede“ in der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTWD) vor. Als Nächstes will das „Captis“ -Trio seine Satelliten-Muster in Vakuumkammern der TU Dresden testen und deren Einsatz im All simulieren. Für die Zukunft sehen die Jungunternehmer noch viele weitere potenzielle Kooperationspartner in Bayern und Sachsen: „Als Ideal schwebt uns ein ganzes Raumfahrt-Cluster in Dresden vor.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Captis Space Systems, Auskünfte Max Trenkner und Ulrich Brinker, Wikipedia, Oiger-Archiv, Linkedin

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt