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Morpheus eröffnet im Juli Fabrik für elektrische Ionen-Antriebe in Dresden

Mini-Ionentriebwerk von Morpheus Dresden. Foto: Morpheus Space

Mini-Ionentriebwerk von Morpheus Dresden. Foto: Morpheus Space

Sparsame Triebwerke sollen Klein-Satelliten navigierbar machen

Dresden, 6. Juni 2024. Das Raumfahrt-Unternehmen „Morpheus Space“ will um Juli 2024 seine erste Fabrik für elektrische Ionenantriebe in Dresden eröffnen. Das hat die einstige Ausgründung der TU Dresden – die ihren Hauptsitz inzwischen nach Kalifornien verlagert hat – nun angekündigt.

Serienproduktion von Feldemissions-Antrieben startet im Sommer

„Mit der Eröffnung unserer Produktionsstätte schlagen wir ein neues Kapitel unserer Reise auf“, avisiert die Firma in jenem überschwänglichen Tonfall, mit dem US-Jungunternehmen gerne potenzielle Investoren ansprechen. Die Fabrik in Dresden-Übigau soll erstmals serienmäßig „GO-2“-Antriebe für kleine Satelliten herstellen.

Elektrisches Feld stößt feinen Metall-Partikelstrom ins All

Dabei handelt es sich um elektrisch Antriebe mit vergleichsweise geringem Energieverbrauch statt klassischer Gas-Rückstoß-Raketen. Die Morpheus-Antriebe schmelzen während eines Navigations-Manövers ein Metall wie etwa Gallium oder Cäsium aus einem Bord-Tank in kleinen Mengen auf und beschleunigen den Partikel-Strom dann durch elektrische Felder. Das erlaubt beispielsweise preiswerte und sparsame Antriebe für kleine Satelliten, die bisher meist nach dem Auswurf aus der Trägerrakete keine Möglichkeiten zu Kurkorrekturen im Erdorbit mehr hatten. Mit eigenen Antrieben versehen, könnten sie künftig beispielsweise Weltraumschrott ausweichen und komplexere Missionen erfüllen. Seit 2021 hält Morpheus ein Patent auf solche „Feldemissionsantriebssysteme“ (englisch als „FEEP“ abgekürzt).

Erklärvideo (englisch) von Morpheus:

Die einzelnen Antriebe selbst sind so klein, dass sie zur Nano-Klasse zählen. Je nach Satelliten-Größe kombiniert Morpheus diese Nano-Antriebe zu größeren, flexibel vergrößerbaren Einheiten. Als Kunden sieht das Unternehmen neben kommerziellen Satellitenbetreibern und Raumfahrt-Forschungsinstituten auch das Militär – die Nato behält das Dresdner Start-up anscheinend schon einige Zeit im Auge.

Von TU Dresden ausgegründet

Sächsische Raumfahrt-Ingenieure hatten dieses Konzept an der Technischen Universität Dresden (TUD) entwickelt. TUD-Forscher Daniel Bock gründete auf dieser Basis im Jahr 2018 seine Firma „Morpheus“ aus. Die hat ihren Hauptsitz inzwischen im US-amerikanischen El Segundo aufgeschlagen – wohl um potenziellen Investoren und Kunden näher zu sein. Für den bereits länger avisierten Fabrikbau in Dresden hatte Bock noch Geld von Risikokapitalisten eingesammelt.

Daniel Bock von Morpheus Dresden zeigt die - ursprünglich an der TU Dresden - entwickelten elektrischen Ionen-Triebwerke für nanosatelliten. Links die etwas größere und stärkere Variante, rechts der Mikroantrieb für besonders kleine Satelliten. Foto: Heiko Weckbrodt

Daniel Bock von Morpheus Dresden zeigt auf diesem Archivfoto die – ursprünglich an der TU Dresden – entwickelten elektrischen Ionen-Triebwerke für Nanosatelliten. Foto: Heiko Weckbrodt

Simulations-Software für Raummissionen

Neben den Ionenantrieben hat Morpheus als zweites Geschäftsfeld die Simulations-Software „Journey“ für Raumfahrt-Missionen entwickelt. Die war ursprünglich als Planungsprogramm für die Morpheus-Antriebe gedacht, hat sich inzwischen aber zu einer breiter nutzbaren Missionsplanung entwickelt, die auf Künstlicher Intelligenz (KI) basiert. Sie könne mittlerweile „Weltraummobilität über den gesamten Lebenszyklus eines Satelliten ermöglichen“, heißt es von Morpheus.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Morpheus, Oiger-Archiv, Wikipedia, LinkedIn, Northdata

 

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt