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Leichtbau-Schub in Sachsen

Autos und Autobauteile aus Carbon und anderen Leichtbaumaterialen sind eine Spezialität des ILK. Foto: Heiko Weckbrodt

Autos und Autobauteile aus Carbon und anderen Leichtbaumaterialen sind eine Spezialität des ILK und des neuen Leiv-Zentrums in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Dresdner Uni richtet neues Leiv-Zentrum ein, das Leichtbau als Kreislaufprozess breit in die Industrie etablieren soll

Dresden, 14. Juni 2022. Um energie- und materialsparenden Leichtbau viel stärker als bisher in der Industrie zu verbreiten, hat die Technische Universität Dresden (TUD) heute ein nationales Leichbau-Validierungszentrum (Leiv) in Betrieb genommen. In der neuen Werkhalle an der Zwickauer Straße wollen 150 Ingenieure und Forscher gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft vernetzte und besonders ressourcensparende Fertigungsprozesse und Leichtbau-Innovationen praxisnah erproben.

Prof. Maik Gude vom Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik der TU Dresden zeigt ein Verbundmaterial mit faserverstärktem Blech. Foto: Heiko Weckbrodt

Prof. Maik Gude vom Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik der TU Dresden zeigt auf diesem Archivfoto ein Verbundmaterial mit faserverstärktem Blech. Foto: Heiko Weckbrodt

Querschnittsdisziplin entscheidet über Öko-Bilanz neuer Produkte mit

Leichtbau sei eine Querschnittsdisziplin, die über die ökologische und ökonomische Bilanz von Fahrzeugen, Maschinen und anderen Industrieerzeugnissen wesentlich mitentscheide, betonte Prof. Maik Gude vom TUD-Leichtbauinstitut ILK. Das neue Zentrum werde dafür als Demonstrationsfabrik, Reallabor, Lehrwerkstatt und als Nukleus für neuartige Konzepte geteilter Fertigungskapazitäten dienen. Dabei wollen er und seine Kollegen nicht daran knobeln, wie sich Räder, Wellen, Stützstrukturen und andere Bauteile leichter bauen lassen, sondern auch komplette digitale Leichtbau-Produktionsketten vormachen, die den Kreislauf-Gedanken gewissermaßen im „Erbgut“ verankert haben: Wenn ein Unternehmen ein neues Auto, Flugzeug oder auch nur eine Bohrmaschine entwickelt, sollen die spätere Demontage und die Wiederverwertung aller eingesetzten Materialien von Anfang an ins Design einfließen. Das Ziel: Bis 2030 möchte Gude beispielhaft Prozessketten im Industriemaßstab aufbauen, die nur noch ein Fünftel der heute üblichen Ressourcen für die Herstellung ähnlicher Produkte verbrauchen.

So soll das Leichtbauzenntrum Leiv aussehen, wenn die letzten bagger abgerückt sind, Den hinteren Hallenteil will die Firma "Viessmann" nutzen. Visualisierung: A. Kalusche für Immopact

So soll das Leichtbauzenntrum Leiv aussehen, wenn die letzten bagger abgerückt sind, Den hinteren Hallenteil will die Firma „Viessmann“ nutzen. Visualisierung: A. Kalusche für Immopact

Privater Investor baute binnen 14 Monaten 7-Mio-€-Halle

Damit die 150 Ingenieure und Forscher des ILK all dies in weit größerem Maßstab als bisher industrienah austesten können, hat der private Investor „Immopact“ binnen 14 Monaten anstelle eines alten Lokschuppens an der Zwickauer Straße für sieben Millionen Euro eine neue Halle eigens für das „Leiv“ gebaut. Das ILK als Mieter installiert dort auf rund 1500 Quadratmetern einen Maschinenpark im Wert von rund zwölf Millionen Euro. Dazu gehören riesige Kunststoff-Spritzgießmaschinen, Metall-Druckgussmaschinen für hybride Bauteile, Roboter und andere Anlagen. Ein Teil dieser Maschinen hatte das Institut in den vergangenen Jahren bereits über das bundesgeförderte Leichtbau-Forschungsprogramm „Forel“ beschafft. Außerdem steuern Industriepartner eigene Anlagen bei und ein Teil wurde durch eine Erstausstattungs-Förderung vom Freistaat Sachsen finanziert. Zudem hat das Bundeswirtschaftsministerium 3,5 Millionen Euro Anschubfinanzierung für das Dresdner Zentrum bereitgestellt.

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Wachsender Hightech-Campus in ehemaliger Verpackungsmaschinenfabrik

Auf dem Leiv ruhen auch bereits große Erwartungen: TUD-Rektorin Prof. Ursula Staudinger hofft auf Beispiele für eine nachhaltige, umweltfreundliche Wirtschaft und auf „große Strahlkraft“ bis hin die kleinen und mittelständischen Unternehmen hinein. Der Bundesmittelstandsbeauftragte Michael Keller vom Habeck-Ministerium möchte, dass das Leiv bei der Transformation der deutschen Wirtschaft hilft. Und der Dresdner Wirtschaftsförderungs-Chef Robert Franke freut sich, dass das ILK endlich mehr Platz für Innovationen und Ausgründungen gefunden hat – gleich neben dem Immopact-Technologiezentrum „Universelle Werke Dresden“, in dem bereits Forschungszentren von VW, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt sowie zahlreiche Firmen aus Software und Robotik residieren. Mit privater Hilfe sei in einer ehemaligen Industriebrache ein neuer, sehr erfolgreicher und florierender Hightech-Campus entstanden – mit dem universitären Leichtbauern als neuem Glanzpunkt.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Vor-Ort-Besuch, ILK, TUD, Wifö DD, Oiger-Archiv, BMWK